
Vom Zuhören zur Heilung
Albert Jakob präsentiert sein Buch über die Schmerztherapie
Am 12. März stellt Albert Jakob sein Sachbuch im Franziskanerkloster vor – an einem Ort, der ihn durch seine Kindheit begleitet und geprägt hat.
Es ist kein Zufall, dass Albert Jakob ausgerechnet das Franziskanerkloster für die Präsentation seines Buches gewählt hat. Aufgewachsen in der Spitalgasse, gehörte das Kloster und seine Kirche zu seiner Kindheit wie selbstverständlich dazu. Hier ging er als Kind mit seiner Mutter oft zu den Gottesdiensten, hier wurden früh Werte vermittelt, die sein späteres Schaffen prägen sollten: Achtsamkeit, Zuwendung und die Bereitschaft, wirklich zuzuhören. Nun kehrt der 63-Jährige an diesen Ort seiner Kindheit zurück, um ein Werk vorzustellen, das genau diese Werte in den Mittelpunkt stellt.
Der Arbeitstitel seines im Westend-Verlag erscheinenden Buches könnte programmatischer nicht sein: „Schmerz, wir müssen reden“. Es ist eine direkte Aufforderung zum Dialog, ein Manifest gegen die Sprachlosigkeit in der modernen Medizin. Jakob übt darin fundamentale Kritik an der orthopädischen Behandlung von Rücken- und Arthrosepatienten und präsentiert gleichzeitig einen richtungsweisenden Lösungsansatz: den „Medical Coach“ – ein völlig neues Berufsbild, das medizinisches Fachwissen mit psychologischer Betreuung verbindet.
Was macht dieses Buch so besonders? Es ist nicht das Werk eines theoretischen Physiotherapeuten, der aus dem Lehrbuch heraus argumentiert. Albert Jakob schreibt aus einer Position heraus, die geprägt von Wissen ist: Er verbindet über vier Jahrzehnte praktische Erfahrung mit einer Karriere, die ihn bis zu den Olympischen Spielen führte. 15 Jahre lang war er leitender Physiotherapeut des Deutschen Eishockeybundes, betreute Spitzensportler bei den prestigeträchtigsten Veranstaltungen weltweit – von den BMW Open im Tennis über das Red Bull Air Race bis zur Universiade, der drittgrößten Multisportveranstaltung der Welt nach den Olympischen und Paralympischen Spielen.
Im Spitzensport, wo jede Sekunde zählt und der Körper an seine Grenzen gebracht wird, hat er gelernt, was wirklich funktioniert. Gleichzeitig erlebte er in seiner 25 Jahre lang geführten Praxis in Füssen und heute in seiner Münchner Praxis die andere Seite: Patienten, die sich im System verloren fühlen, die nicht gehört werden, deren Schmerzen chronisch werden, weil die Zeit für echtes Verstehen fehlt. Die Zahlen, die Jakob in seinem Buch präsentiert, sind alarmierend: Seit 40 Jahren stagniert die Zahl der Rückenpatienten in Deutschland bei 13 Millionen. Vier Jahrzehnte ohne nennenswerte Verbesserung – ein Versagen des Systems, wie Jakob argumentiert.
Seine Diagnose ist ebenso einfach wie erschütternd: „Der Mensch wird nicht gehört.“ In der klassischen Orthopädie bleiben Patienten durchschnittlich nur 50 bis 60 Sekunden, um ihre Beschwerden zu schildern. Viel zu wenig Zeit, um die Geschichte zu verstehen, die hinter jedem Schmerz steckt. Was Jakob auszeichnet und was sein Buch von anderen medizinischen Ratgebern unterscheidet, ist seine Fähigkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen. 2025 absolvierte Jakob eine Ausbildung zum systemischen Coach – das fehlende Puzzleteil für sein innovatives Konzept. „Wir wissen alle, welchen Einfluss psychische Belastungen auf unser Leben haben. Deshalb ist es essenziell, genau zuzuhören und die richtigen Fragen zu stellen.“
Sein Buch ist deshalb mehr als eine Kritik am bestehenden System. Es ist ein Bauplan für die Zukunft der Schmerztherapie. Jakob präsentiert darin seinen ganzheitlichen Ansatz, der Osteopathie, Manuelle Therapie und Faszienmobilisation mit psychologischer Betreuung verbindet. Sein Credo „Regelmäßigkeit statt Perfektion“ bricht mit dem Hochleistungsgedanken und setzt stattdessen auf konstante, sanfte Mobilisierung. Seine These, dass fast jeder Bandscheibenvorfall ohne Operation geheilt werden kann, wenn man die richtige Bewegungsstrategie und Haltung findet, wird durch jahrzehntelange Praxiserfahrung untermauert.
Mit seinem Gesundheits-Podcast „Auf dem neuen JAKOBsweg – Vom einsamen zum selbstbestimmten Patienten“ hat er bereits bewiesen, dass er komplexe medizinische Zusammenhänge verständlich vermitteln kann. Im Dialog mit Kolleginnen, Expertinnen und Wegbegleitern zeigt er auf, wie eng Schmerz, Psyche, Ernährung und Bewegung zusammenhängen. Diese dialogische Herangehensweise durchzieht auch sein Buch – es ist kein Monolog eines Experten, sondern eine Einladung zum Gespräch.
Ab dem kommenden Jahr will Albert Jakob in Innsbruck, München, Wien, Berlin, Hamburg, Köln und Zürich Ausbildungskurse zum „Medical Coach“ anbieten. Es ist der Versuch, einen neuen Standard in der ganzheitlichen Patientenbetreuung zu etablieren und die Lücke zwischen medizinischer Behandlung und psychologischer Betreuung systematisch zu schließen.
Seine zentrale Botschaft, die sich durch das Buch zieht, ist dabei von bestechender Einfachheit: Heilung braucht mehr als rein technische Behandlung. Der Patient soll vom „einsamen“ zum „selbstbestimmten“ Akteur seiner Gesundheit werden. Es ist ein Paradigmenwechsel, den Jakob fordert – weg von der „Massenabfertigung“, hin zu einer intensiven, individuellen Analyse.
Text: Sabina Riegger · Foto: Westend Verlag



