
Neues Fernwärmekonzept für Füssen
Niklas Doser entwirft Plan für zukünftige Wärmeversorgung
In Zeiten des Klimawandels und steigender Energiekosten stehen Städte vor der Herausforderung, ihre Wärmeversorgung nachhaltig und effizient zu gestalten. Für die Allgäuer Stadt Füssen könnte ein junger Ingenieur nun den Weg in eine grünere Zukunft geebnet haben: Niklas Doser, 24 Jahre alt und frischgebackener Master of Engineering, hat in seiner Abschlussarbeit ein detailliertes Konzept für ein Fernwärmenetz in Füssen entwickelt.
Niklas Doser ist in Füssen kein Unbekannter. Als Neffe von Jürgen Doser, dem aktuellen Geschäftsführer der traditionsreichen Firma Max Doser, ist er Teil einer Familie, die seit 1910 das Handwerk in der Region prägt. Die Max Doser GmbH, ursprünglich als Installationsgeschäft gegründet, hat sich über Jahrzehnte zu einem vielseitigen Unternehmen entwickelt, das heute in den Bereichen Sanitär, Heizung, Lüftung und Elektro tätig ist.
Doch der Weg in die Energietechnik war für Niklas Doser keineswegs vorgezeichnet. „Es war eigentlich mehr Glücksgriff als alles andere“, erinnert er sich an seine Studienwahl. Nach dem Abitur entschied er sich für den Studiengang Energie- und Umwelttechnik an der Hochschule Kempten – eine Entscheidung, die sich als goldrichtig herausstellen sollte.
Eine Masterarbeit mit Strahlkraft
Was als akademische Pflichtübung begann, entwickelte sich zu einem Projekt mit potenziell weitreichenden Folgen für Füssen. Niklas Doser nahm sich in seiner Masterarbeit der Frage an, wie eine Kleinstadt wie Füssen ihre Wärmeversorgung zukunftsfähig gestalten kann. „Bis 2027 oder 2028 müssen alle Gemeinden einen kommunalen Wärmeplan vorlegen“, erklärt er den Hintergrund seiner Arbeit. „Es geht darum, wie unsere Gemeinde es hinbekommt, bis 2045 CO2-neutral und regenerativ zu heizen.“
Der junge Ingenieur ließ es sich nicht nehmen, für seine Analyse jedes einzelne der rund 350 Gebäude in der Füssener Altstadt zu simulieren. Er untersuchte verschiedene Energiequellen, von Wärmepumpen über Holzheizungen bis hin zur Nutzung von Wärme aus dem Lech. Dabei stieß er auf einige Herausforderungen: „In der Altstadt geht vieles einfach nicht, zum Beispiel wegen des Denkmalschutzes“, erläutert Doser. „Solarthermie auf den Dächern ist dort keine Option.“
Fernwärme als Lösung?
Als vielversprechendste Option kristallisierte sich ein Fernwärmenetz heraus. Doser berechnete verschiedene Szenarien, von einer Versorgung nur für die Altstadt bis hin zu einem größeren Netz, das auch die Kemptener Straße mit einschließt. „Wir haben insgesamt etwa 500 Gebäude betrachtet“, erklärt er.
Die Kosten für ein solches Projekt wären beträchtlich: „Wir sprechen von einem niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbetrag“, so Doser. „Für Füssen wären das etwa 20 bis 25 Millionen Euro.“ Ohne Förderung sei das Projekt in den meisten Szenarien nicht wirtschaftlich. Doch mit staatlicher Unterstützung könnte es funktionieren. „Je nach Variante und gewähltem Wärmeerzeuger könnten Fördersummen zwischen 3 und 12,5 Millionen Euro vom Bund erwartet werden“, erläutert Doser. Er betont jedoch, dass diese Förderungen nicht garantiert sind und daher in seinen Wirtschaftlichkeitsberechnungen nicht berücksichtigt wurden.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Eine der größten Herausforderungen ist die Wahl des Standorts für ein mögliches Heizwerk. „Wenn wir nur die Altstadt versorgen würden, käme der Morisse-Parkplatz in Frage“, erklärt Doser. „Aber das wirft Fragen auf: Wollen die Bürger dort ein großes Heizwerk mit 12 bis 15 Meter hohen Schornsteinen?“
Als Alternative schlägt Doser vor, das Netz bis zum Bauhof auszudehnen. „Das wäre ein besserer Platz für eine Heizzentrale, aber es bedeutet auch, etwa zwei Kilometer Leitungen zu verlegen, was die Kosten erhöht.“
Bezüglich der Energiequellen sieht Doser in Holz das vielversprechendste Material für Füssen. „Holz haben wir Gott sei Dank genug in der Nähe“, sagt er. „Mit anderen Energiequellen sieht es eher schlecht aus.“
Von der Theorie in die Praxis
Niklas Dosers Arbeit stieß bei der Stadtverwaltung auf großes Interesse. Bürgermeister Maximilian Eichstetter zeigte sich beeindruckt: „Niklas hat mit beeindruckendem Engagement, fachlichem Tiefgang und großem Praxisbezug ein hochkomplexes Thema aufbereitet“, lobte er. Die Masterarbeit wurde inzwischen dem zuständigen Ingenieursbüro in Amberg zur Verfügung gestellt, das sie in ein Gesamtkonzept für die Stadt einarbeiten wird.
Für Niklas Doser selbst war die Masterarbeit der Startschuss für seine berufliche Laufbahn. Seit März ist er fest angestellt im Familienunternehmen Max Doser. Dort bringt er sein Fachwissen ein, um Kunden bei der Planung regenerativer Energielösungen zu beraten. „Es kommen immer mehr Kunden, die sagen: Hey, ich will auch regenerativ irgendwas machen“, berichtet er.
Die Zukunft im Blick
Gemeinsam mit seinem Bruder Jürgen Doser Jr., der sich weiter um die kaufmännischen Belange kümmert, will Niklas Doser in Zukunft die Geschicke des Unternehmens lenken. Der Generationswechsel in dem traditionsreichen Familienbetrieb ist bereits in vollem Gange.
Niklas Doser selbst bleibt bescheiden, wenn es um seine Leistungen geht. Doch sein Engagement für eine nachhaltige Energiezukunft ist unübersehbar. Mit seiner Expertise könnte er nicht nur für das Familienunternehmen, sondern für die ganze Region ein Wegbereiter in Sachen Nachhaltigkeit werden. Die Stadt Füssen jedenfalls hat mit seiner Masterarbeit einen wertvollen Baustein für ihre zukünftige Energieplanung erhalten.
In einer Zeit, in der die Energiewende eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen darstellt, zeigt das Beispiel von Niklas Doser und der Max Doser GmbH, wie traditionelles Handwerk und zukunftsweisende Technologien Hand in Hand gehen können. Es ist ein Modell, das nicht nur für Füssen, sondern für viele Kleinstädte in Deutschland richtungsweisend sein könnte.
Text: Sven Ademi · Foto: Sabina Riegger



