
Bürgermeister Eichstetter setzt auf Innovation und Jugend
Es war Ende März 2020, als die Stichwahlen waren und sich herauskristalisierte, dass Maximilian Eichstetter der neue Rathauschef werden würde. Er gewann die Wahl mit 57,8 Prozent.
Als er zum Bürgermeister antrat, war sein Ziel, die Altlasten zu beseitigen, neue Strukturen zu schaffen und den Sanierungsstau zu bearbeiten. Sein Ziel hat er erreicht.
Als Eichstetter am 2. Mai 2020 sein Amt antrat, befand sich die Stadt mitten im Corona-Lockdown. Seitdem hatte er, nach eigener Aussage, sieben große Krisen bewältigen – von der Pandemie über eine Wasserverunreinigung bis hin zum Ukraine-Krieg und der daraus folgenden Energiekrise. Doch statt sich davon entmutigen zu lassen, nutzte der junge Bürgermeister diese Herausforderungen als Chance zur Modernisierung.
Als einzige Kommune im Ostallgäu setzt Füssen weiterhin auf digitale Bürgerversammlungen. „Ich versetze mich da in den Bürger hinein“, erklärt Eichstetter. „Was ist komfortabler? Nach der Arbeit nochmal los, um dem Bürgermeister zwei Stunden zuzuhören? Oder zu Hause auf dem Sofa die Versammlung am Fernseher verfolgen?“ Diese bürgernahe und zeitgemäße Herangehensweise zeigt sich auch in der Verwaltung selbst.
Unter Eichstetters Führung hat sich das Rathaus deutlich verjüngt. Von ursprünglich eineinhalb Ausbildungsstellen wurde die Zahl auf heute neun bis elf erhöht. „Wenn wir unsere Jugend nicht selber nachziehen oder mitentwickeln, dann bekommen wir massive Nachwuchsprobleme“, betont er. Die Auszubildenden durchlaufen alle Abteilungen und kennen am Ende ihrer Ausbildung das gesamte Verwaltungsspektrum. Fast alle werden übernommen – ein Konzept, das aufgeht, denn die Stadt hat mittlerweile in allen Bereichen junge Mitarbeiter, die ihre Ausbildung vor Ort absolviert haben.
Millionen-Investitionen für die Schule
Besonders stolz ist Eichstetter auf die Investitionen in die junge Generation. „Wir haben aktuell 88 Millionen Euro für unsere Kinder und Jugendlichen beauftragt“, berichtet er. Dazu gehören zwei neue Kindergärten für 20 Millionen Euro und der Schulneubau für fast 60 Millionen Euro. Auch der neue Skatepark mit barrierefreiem Ausbau und die kontinuierliche Sanierung der Spielplätze fallen in diesen Bereich. Ein besonderes Herzstück ist das Eisstadion, das 2020 kurz vor der Schließung stand.
„Wir hatten einen Sanierungsstau von über zwölf Millionen Euro, sogar die Eismaschinen waren kaputt“, erinnert sich Eichstetter. In nicht einmal vier Jahren wurden bereits neun Millionen Euro investiert, bis 2028 sollen es 14 Millionen werden. Auch das Oberseebad, das zwei Jahre geschlossen war, wurde mit Investitionen von über einer Million Euro wiederbelebt. „Als ich anfing, hatten wir einen Dispo-Kontostand von minus zwölf Millionen Euro“, erklärt er.
„Mittlerweile haben wir das zweite Jahr in Folge einen Kontostand von über plus zehn Millionen Euro.“ Seit 2023 können erstmals seit über einem Jahrzehnt die Gehälter wieder ohne Kredite bezahlt werden. Der 39-Jährige führt das Rathaus wie ein Unternehmen – mit dem Unterschied, dass der Profit in die Zukunft der Stadt investiert wird. „Wir versuchen an der einen Stelle Geld zu verdienen, um es an der anderen Stelle auszugeben“, beschreibt er seine Strategie.
Erstmals in der Geschichte der Stadt wurde der Haushalt bereits Anfang Februar genehmigt. „Während andere erst jetzt mit ihren Haushaltsberatungen beginnen, haben wir unseren Haushalt bereits in der Hand“, erklärt der Bürgermeister nicht ohne Stolz. Ein Erfolg, der vor allem der engen Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung, Stadtrat und dem Landratsamt unter Landrätin Maria Rita Zinnecker zu verdanken ist.
Beeindruckende Finanzsanierung in nur vier Jahren
Die Zahlen sprechen für sich: Von ursprünglich 87 Darlehen im Jahr 2020 konnte die Stadt bereits 19 ablösen. In den letzten beiden Jahren mussten keine neuen Kredite aufgenommen werden. Allerdings zeigt sich an einem Detail, wie weitreichend die Folgen früherer Finanzentscheidungen sind: Das längste noch laufende Darlehen wird die Stadt bis ins Jahr 2075 begleiten.
Ein besonders komplexes Kapitel der Stadtfinanzen könnte 2025 zum Abschluss kommen: Das SWAP-Verfahren aus dem Jahr 2005. Die Stadt wurde damals bei Finanzgeschäften fehlerhaft beraten, was zu teilweise kommunalrechtlich unzulässigen Abschlüssen führte. Das Landgericht München I gab der Stadt bereits Recht und verurteilte das betreffende Bankhaus zur Rückzahlung von etwa drei Millionen Euro. Zusätzlich wurde die Stadt von weiteren Zahlungspflichten in ähnlicher Höhe befreit. In der jüngsten mündlichen Verhandlung vor dem Oberlandesgericht zeichnete sich ab, dass die Richter die Position der Stadt weiterhin stützen.
„Wir hoffen hier in 2025 auf ein finales Ergebnis“, sagt Eichstetter. „Allerdings haben wir bei möglichen Vergleichsverhandlungen wenig finanziellen Spielraum. Der Senat regte zur Vermeidung eines langwierigen Revisionsverfahrens beim Bundesgerichtshof einen Vergleich an und setzte hierfür eine Frist bis zum 23. Mai 2025. Sollte bis dahin kein Vergleich zustande kommen, ist die Urteilsverkündung für den 2. Juni 2025 vorgesehen.“
Konsequente Haushaltskonsolidierung
Die Erfolge basieren auf einem klaren Konzept: Über 150 Beschlüsse und Maßnahmen zur Sicherstellung der Liquidität wurden umgesetzt. Erstmals gibt es einen zehnjährigen Investitionsplan (2021-2032), der Pflichtaufgaben und freiwillige Leistungen klar priorisiert. „Wir agieren jetzt, statt nur zu reagieren“, fasst Eichstetter zusammen. Auch 141 Prüfungsbeanstandungen aus den Jahren 2000 bis 2019 wurden aufgearbeitet.
Die Verlustausgleiche im Bereich Parkierung, die sich von 2011 bis 2019 angesammelt hatten, werden 2025 mit einer letzten Zahlung von 1,2 Millionen Euro final abgelöst. „Unser Ziel ist es, dass alle Füssenerinnen und Füssener stolz auf ihre Stadt sind“, bekräftigt der 39-Jährige. Seine Kombination aus wirtschaftlichem Sachverstand, technischem Know-how und modernem Führungsstil scheint dabei der Schlüssel zum Erfolg zu sein. Dass nicht jeder im Rathaus mit Eichstetters unternehmerischem Führungsstil zurechtkam, zeigte sich durch die anfänglich große Personalbewegung, die nun stabil ist.
Dass sein Weg der richtige ist, zeigt unter anderem die frühe Haushaltsgenehmigung 2025, die bestätigt: Füssen ist auf dem richtigen Weg zu einer modernen, zukunftsfähigen Kommune.
Dennoch bleibt viel zu tun. Weitere Sanierungen stehen an, und die Haushaltskonsolidierung muss fortgesetzt werden. Doch mit seinem jungen, engagierten Team und der klaren Ausrichtung auf die Zukunft der Stadt scheint Eichstetter gut gerüstet für die kommenden Herausforderungen. „Wir tun alles dafür, diesen Weg konsequent fortzusetzen und gemeinsam eine positive Entwicklung für Füssen zu gestalten.“
Blick in die Zukunft
Mit 39 Jahren gehört Eichstetter zu den jüngeren Bürgermeistern der Region. In 13 Monaten stehen die nächsten Kommunalwahlen an. Auf die Frage, wann er mit dem Wahlkampf beginnen würde, meinte er: „Ich glaube, dass man mich jetzt fünf Jahre kennengelernt hat, dass ich von der ersten Sekunde an Gas gegeben habe. Ich denke, da gibt es nicht mehr viel zu sagen. Wir haben eine Strategie, wir wissen, wo wir hin müssen, wo wir hin wollen, und das ziehen wir durch.“
Text: Sven Ademi, Sabina Riegger
Foto: Hubert Riegger, privat



