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Echt „kalt und cool“

Am 1. Januar findet das traditionelle Neujahrs-Fackelschwimmen im Lech bereits zum 32. Mal statt

Für zahlreiche Schwimmer von Wasserwachten und Tauchclubs aus dem ganzen Ostallgäu beginnt das neue Jahr seit mittlerweile mehr als 30 Jahren mit einem eiskalten und nassen Bad im Lech.

Wenn es dunkel wird am 1. Januar begeben sie sich nämlich in die starke Strömung des wilden Flusses, um mit dem inzwischen traditionellen Fackelschwimmen das noch jungfräuliche Jahr zu begrüßen und  tausenden von Schaulustigen auf der Theresienbrücke sowie an beiden Ufern des Lechs ein Spektakel zu bieten, bei dem es manch einem Zuschauer sicherlich fröstelnd den Rücken hinunterläuft.

Mit Fackeln bestückt steigen die wagemutigen Schwimmer um die Mitglieder der Wasserwacht Füssen, die das Ganze organisiert, kurz nach Anbruch der Abenddämmerung auf einer Kiesbank unterhalb von Bad Faulenbach in die „saukalten“ Fluten.

Nachdem die Füssener Böllerschützen auf einer Sandinsel unterhalb des Baumgartens den Startschuss für das Neujahrs-Spektakel gegeben haben, laufen die Schwimmer dann achtsam Schritt für Schritt durch den Fluss, bis das oftmals eiskalte Wasser immer tiefer wird. Dabei müssen sie stark aufpassen, dass sie nicht auf den im Flussbett liegenden Steinen ausrutschen oder sich nicht an den Füßen und Beinen wehtun, denn in der Dunkelheit sind die Steine nicht zu sehen.

Dann lassen sich die Fackelträger bei Lufttemperaturen, die schon manchmal bei minus 15 Grad lagen, langsam ungefähr 400 Meter von der Flussströmung in Richtung Theresienbrücke mitnehmen, während sie die auf zwei Surfbrettern montierte und per LED beleuchtete, jeweils aktuelle Jahreszahl vorsichtig vor sich hertreiben.

An der Brücke angekommen, halten sie einen kurzen Augenblick lang an und wünschen den vielen Zuschauern gemeinsam lauthals alles Gute für das neue Jahr. Dann heimsen die Fackelschwimmer schließlich kräftigen Beifall ein, bevor sie ein paar Meter weiter wieder aus dem Lech steigen und ein Feuerwerk den Nachhimmel erleuchten lässt. 

Der äußerst Aufsehen erregende Event ist einst aus einer schlichten Gaudi heraus entstanden. So sprangen seit 1960 Wasserwachtler an jedem Faschingssonntag im Kostüm von der Theresienbrücke in den Lech, bevor der ehemalige Technische Leiter der Füssener Wasserwacht, Jürgen Geisenfelder, 1990 auf die Idee kam, einen offiziellen Event mit Zuschauern daraus zu machen.

So begrüßten 1991 erstmals 13 Mitglieder der Wasserwacht mit Fackeln in den Händen und einem Bad im Lech das neue Jahr, während sie dabei von den Blicken einiger hundert Neugieriger gespannt verfolgt wurden.

Mittlerweile sind es manchmal bis zu 5000 Zuschauer, die sich das Neujahrs-Fackelschwimmen, das sich zu einer beliebten Tradition in der Lechstadt entwickelt hat, nicht entgehen lassen wollen, wobei die beleuchtete Jahreszahl erst beim 700-jährigen Jubiläum Füssens 1995 als zusätzliche Attraktion dazukam. Zuvor hatten die Schwimmer mit ihren Fackeln eine Formation mit der Jahreszahl gebildet. Das dürfte aber auch damals schon „kalt und cool“ gewesen sein.    

Text: FA /Alexander Berndt · Foto: Anton Steiner

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