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Grosses Kopfkino

„‘Kopfkino‘ ist ein bisschen wie eine Liebelei zwischen Wörtern und Bildern“, sagt Vivien Ademi bei unserem Gespräch über ihr Debüt als Buchautorin von „Kopfkino“, das im April im Handel erhältlich sein soll. „Maria hat mit ihren Illustrationen meinen Kolumnen ein Gesicht gegeben“ erzählt sie mit einem Lächeln. Maria Kupczak ist die Frau hinter den Bildern bei einem Projekt zweier starker Frauen.

Füssen aktuell hat mit Ihnen über „Kopfkino“ gesprochen, über Zeitdruck, das Muttersein und vor allem aber über die gemeinsame Leidenschaft der beiden: die Kunst, oder wie Vivien Ademi es nennt: „Die Liebelei zwischen Wörtern und Bildern.“
Ein Interview von Isabelle Köhler und ehrliche Worte zweier Frauen zum Nachdenken und Lachen zugleich.

Vivien, wie bist du eigentlich zum Schreiben gekommen?
Vivien: Ich denke, die Liebe zum Schreiben ist viel mehr zu mir gekommen, als ich zu ihr. Ich bin mit dem Schreiben groß geworden. Vielleicht kann man sagen, es wurde mir in die Wiege gelegt, ohne dabei pathetisch oder gar abgestumpft klingen zu wollen. Aber so war es wirklich. Meine Mutter ist Journalistin. Schon als junges Mädchen habe ich meiner Mutter Texte diktiert, die sie dann in ihrem winzig kleinen Büro abgetippt hat. Sie hat Geschichten geschrieben und Menschen eine Stimme gegeben. Und ich wollte genau wie sie mit Worten Menschen erreichen und berühren.

Dann war für dich also immer klar, dass du später einmal schreiben würdest?
Vivien: Nein, ganz und gar nicht. Ich habe mich lange dagegen gesträubt.

Warum?
Vivien: Seitdem ich ein kleines Mädchen war, wollte ich Ärztin werden. Als junge Erwachsene wusste ich dann aber, dass daraus leider nichts werden würde. Ich bin zu sensibel und dieser Job hätte mich viele Tränen gekostet. Mit Sicherheit hätte ich den Preis für die aufdringlichste Ärztin aller Zeiten bekommen. Vor lauter Sorge wäre ich den Patienten wahrscheinlich bis vor die Haustür gefolgt. Ärztin zu werden schien für mich „handfest“ zu sein. Ich hätte anderen helfen können. Und außerdem habe ich lange versucht, es manchen Menschen Recht zu machen um „gesehen zu werden“ und dabei habe ich mich ein bisschen verloren.

Aber du hast wieder zu dir gefunden?
Vivien: Das habe ich, ja. Ich versuche immer auf meine Intuition, meine innere Stimme zu hören. Und die hat schon immer laut nach der Kunst geschrien. Nach dem Schreiben und dem Malen, für das mein Herz immer geschlagen hat. Und in dem Buch „Kopfkino“ vereinen sich genau diese beiden Dinge.

Dann ist „Kopfkino“ wie ein kleines Kunstwerk für Maria und dich?
Vivien: Ja, irgendwie schon. Es sind Geschichten, Kolumnen, die durch eine Zeichnung umrahmt werden. Ein bisschen wie eine Symbiose. Oder Maria?
Maria: Vivi‘s Werkzeug sind Wörter und mein Werkzeug ist mein Stift. Unsere Arbeiten sind miteinander verschmolzen, und so ist unser gemeinsames Kunstwerk entstanden.

Wieso der Titel „Kopfkino“?
Vivien: Ich glaube, die Phantasie und die Vorstellungskraft sind bedeutende, wertvolle, vielleicht sogar die wichtigsten Privilegien oder nennen wir es Gaben die uns zuteil werden können.
Meinen Kindern sage ich immer, dass die Phantasie einen überall hinbringen kann. In unendliche Weiten und Welten, in denen nichts unmöglich und alles erreichbar ist. Ich nenne das: Kopfkino. Und das schönste daran ist, niemand kann einem die Phantasie je nehmen oder Regie darüber führen.

Wie war es für dich, Maria, durch minimalistische Illustrationen eine Kolumne, die Anreiz für ein Kopfkino sein soll, zu zeichnen?
Maria: Meine Illustrationen sind nur ein Teil von Viviens Kolumnen. Ich wollte eine Art Notiz in Bildform schaffen, die zwar ein Teil der Geschichte darstellt, aber dem Leser gleichzeitig genügend Raum bietet für eigene Interpretationen.

War es auch manchmal schwierig, das passende Motiv zu finden?
Vivien: Ja, bei manchen Kolumnen fiel es mir nicht ganz so leicht, meine Ideen ästhetisch umzusetzen.

Seit wann arbeitest du als Illustratorin und Künstlerin?
Maria: Mit drei Jahren habe ich angefangen zu zeichnen. Und meine Liebe dafür habe ich zu meinem Beruf gemacht.

Neben der Kunst habt Ihr so manches gemeinsam. Beide habt ihr zwei Kinder, ihr seid verheiratet und arbeitet im Homeoffice. Klingt nach gemütlicher und entspannter Zusammenarbeit an „Kopfkino“. Wie war es wirklich?
Vivien: Stell‘ dir vor, dein Kind will mit dir spielen und du auch mit ihm, aber dann klingelt das Telefon, der Hund zerlegt die Couch in Einzelteile, die Nudeln kochen und die Deadline, also der Abgabetermin, sitzt dir wie ein Hexenschuss im Nacken. Ach so, und seit einer halben Stunde solltest du eigentlich schon längst unterwegs sein. Aber da liegt noch ein Stapel an Texten, die man durchgehen sollte. Mütter heißen „Stress“ mit zweitem Vornamen. Damit kennen wir uns aus. Aber Tiefenentspannung geht trotzdem anders…
Maria: Wir haben zwischen Hausaufgaben, kochen und der Waschmaschine gearbeitet. Irgendwie haben wir uns zwischen zwei Welten bewegt. Wir waren irgendwo zwischen Alltagschaos und kreativem Chaos zuhause.
Vivien: Wir beide haben auch einen sehr hohen Anspruch an unsere Arbeit und uns selbst. Das nimmt auch nicht gerade „Druck“ raus. Aber in Jogginghose barfuß im Esszimmer zu sitzen, während der Kamin uns beim Arbeiten wärmt und die Kinder um einen herum sind, ist dafür die Schokoladenseite des Homeoffice.

Wie entstehen deine Kolumnen? Sind es Geschichten aus dem Kopfkino?
Vivien: Ich bin glückliche und stolze Mama von zwei Kindern, und ich habe meinen allerbesten Freund geheiratet. Ich bin Südländerin und mein Mann Norddeutscher. Er kann besonnen gut. Ich dafür Temperament. Unsere Kinder sind eine wilde Mischung. Jetzt haben wir noch einen Hund. Und einen alten VW-Bus. Das ist Kopfkino genug, live und in Farbe.
Und was inspiriert dich Maria?
Maria: Bei der Arbeit am Buch hat mich Vivi mit ihren Texten inspiriert. Der Inhalt ihrer Kolumnen war mir alles andere als fremd, weil ich mich in so vielen Texten selbst wiederfinde.

So eine Zusammenarbeit verbindet bestimmt?
Maria: Durch die Zusammenarbeit konnte ich eine wunderbare Zeit mit ihr verbringen. Wir sind zwei kreative Köpfe und unsere Begegnung hat uns näher zusammengebracht.
Vivien: Ich finde, es verbindet, ja. Wir kannten uns ja schon vorher. Aber jetzt haben wir uns nochmal anders kennengelernt. Kritik zu äußern war manchmal gar nicht so leicht und vor allem unangenehm. Aber Maria hat immer gesagt, Kritik sei sehr wichtig, um ans gemeinsame Ziel zu kommen.

Dann seid ihr mit „Kopfkino“ also gemeinsam ins Ziel gekommen?
Vivien: Definitiv. Maria hat meinen Kolumnen mit ihren Illustrationen ein Gesicht gegeben. Ich danke dir dafür, liebe Maria!
Maria: Und ich sage Danke, weil ich durch unser Projekt in meine visuelle Welt abtauchen konnte. Beim Illustrieren bin ich beinahe so glücklich wie ein Kind.

Das Buch erscheint im April und ist in ausgewählten Buchhandlungen sowie auf Amazon.de erhältlich.
Es kann ab sofort auch beim SR Verlag unter kopfkino@fuessen-aktuell.de zum Preis von 15,80 Euro vorbestellt werden.

Text: Isabelle Köhler · Foto: Vivien Ademi

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