{"id":7888,"date":"2014-08-31T12:57:38","date_gmt":"2014-08-31T10:57:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=7888"},"modified":"2014-08-31T12:57:38","modified_gmt":"2014-08-31T10:57:38","slug":"hauptberuf-hausmann-nebenberuf-autor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2014\/08\/hauptberuf-hausmann-nebenberuf-autor\/","title":{"rendered":"Hauptberuf Hausmann, Nebenberuf Autor"},"content":{"rendered":"<h3>Im Portrait: Florian Herb<\/h3>\n<p><span style=\"color: #800000;\">Florian Herb ist 1971 geboren, in Berlin. H\u00f6ren tut man davon aber nichts mehr, denn seit drei Jahren lebt der Familienvater mit seiner Frau und den beiden S\u00f6hnen in Nesselwang. Das weit verbreitete Familienbild, der Mann arbeitet w\u00e4hrend die Frau sich um Kinder und Haushalt k\u00fcmmert, ist in der Familie Herb genau umgekehrt: Als freischaffender Schriftsteller arbeitet Florian Herb von zu Hause aus, und schmei\u00dft nebenher den Haushalt.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"tie-dropcap \">A<\/span>ls er von seinem Alltag erz\u00e4hlt, sitzt Florian Herb l\u00e4ssig in seinem Stuhl, von Anspannung oder Stress ist nichts zu merken, im Gegenteil. Ganz in Ruhe trinkt er seinen Kaffee, l\u00e4chelt, wenn er von seinen beiden S\u00f6hnen, seiner Familie spricht. Ein normaler Tag beginnt f\u00fcr ihn um sieben Uhr morgens. Dann weckt er die beiden S\u00f6hne, Leander, vier Jahre alt, und Julian, acht Jahre alt, richtet das Fr\u00fchst\u00fcck. Nachdem er Leander in den Kindergarten gebracht hat, besorgt er noch schnell was f\u00fcrs Mittagessen. Der 2.01 Meter gro\u00dfe Wahl-Allg\u00e4uer kocht gerne. \u201eNur leider sind meine Kinder sehr heikel, deswegen kann ich nicht etwas exotischer kochen, wie zum Beispiel mal einen Kichererbsen-Salat. Der Leander ist da echt der typische \u00b4Bayern-Bua\u00b4 \u2013 er liebt K\u00e4sspatzen, Kn\u00f6del und Pfannkuchen, da muss ich mich eben anpassen\u201c, schmunzelt er.<\/p>\n<p>Nachmittags steht dann \u201eKinderbespa\u00dfung\u201c auf dem Programm. Hei\u00dft: Die Kinder zu Freunden fahren, zum Fu\u00dfball oder im Winter zum Skifahren, und nat\u00fcrlich auch wieder abholen. \u201eDas muss schon alles koordiniert werden\u201c, lacht der 43-J\u00e4hrige. Um halb Sieben gibt\u2019s dann Abendessen, anschlie\u00dfend schaut der Autor mit seinen beiden Jungs noch fern bis es um Acht dann ins Bett geht. \u201eVor dem Schlafen lese ich den Beiden dann immer noch vor, das finde ich sehr wichtig.\u201c<\/p>\n<p>Die Zeit f\u00fcr seine Leidenschaft, das Schreiben, findet er zwischen all den anderen T\u00e4tigkeiten, die er im Haushalt zu tun hat, trotzdem. \u201eIch schreibe immer von halb neun bis zw\u00f6lf oder halb eins mittags, und dann meistens nochmal wenn die Kinder schon im Bett sind.\u201c Monatlich erscheint sein Blog auf der Nesselwang-Homepage, bereits zwei B\u00fccher hat er ver\u00f6ffentlicht, an dem dritten schreibt er gerade. \u201eDie Ideen f\u00fcr die B\u00fccher kommen oft erst w\u00e4hrend dem Schreiben. Der Anfang und das Ende steht, aber was dazwischen passiert, entwickelt sich erst.\u201c Sein Deb\u00fct-Roman \u201eM\u00e4nnerwirtschaft\u201c ist eine Art Autobiografie und beschreibt den Ausnahmezustand Elternzeit. Der neue Roman \u201eLiselotte, Fr\u00e4ulein Nowak und der Grieche\u201c erschien im M\u00e4rz 2014. Es geht dabei um drei Au\u00dfenseiter, deren Wege sich kreuzen und die schlie\u00dflich zusammen in einer WG leben. Die Charaktere sind dabei sorgf\u00e4ltig ausgekl\u00fcgelt, die Geschichte witzig erz\u00e4hlt. \u201eIch bin eigentlich klassischer Quereinsteiger im Autoren-Dasein. Nach der Elternzeit war f\u00fcr mich klar: Ich will nicht zur\u00fcck ins B\u00fcro, sondern etwas mit meinem Geist machen. Dass das mit den B\u00fcchern dann geklappt hat, war nat\u00fcrlich super!\u201c. An den Moment, als seine Agentin ihm gesagt hat, dass verschiedene Verlage an seinem Buch interessiert sind, erinnert er sich noch genau: \u201eIch war gerade wandern auf der Alpspitze, Leander hat in der Kraxe geschlafen, und dann hat das Telefon geklingelt.\u201c<\/p>\n<p>Aber wie kommt eigentlich ein Berliner ins Allg\u00e4u? Florian Herb war schon in den verschiedensten St\u00e4dten. In Berlin hat er bis zur dritten Klasse gelebt, dann ist er mit seiner Mutter, ebenfalls Berlinerin, und seinem Vater, Niederbayer, nach Stuttgart gezogen. In Hamburg hat er anschlie\u00dfend seine Lehre zum Hotelfachmann gemacht, war in einem 5-Sterne Haus Night-Auditor. \u201eDiese Zeit war ein unglaubliches F\u00fcllhorn f\u00fcr mich als Schriftsteller, ich habe so viele Menschen gesehen und Geschichten miterlebt.\u201c Nach einem Aufenthalt in Spanien entschloss er sich dann, in Kempten an der Fachhochschule zu studieren, Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Tourismus und Hotellerie. Die n\u00e4chsten Stationen waren Frankfurt und Loh am Main, bevor es ihn dann mit seiner Familie, durch ein Job-Angebot f\u00fcr seine Frau, wieder hierher ins Allg\u00e4u verschlug. \u201eIch bin im Pass und Herzen zwar Berliner, aber ich liebe die Berge sehr und w\u00fcrde nicht mehr zur\u00fcck in eine Gro\u00dfstadt ziehen wollen.\u201c Der Naturliebhaber geht einmal in der Woche wandern, im Winter oft mit seinen Kindern Skifahren, im Sommer an den See. \u201eWir unternehmen viel, gehen picknicken an den Lech, erkunden einfach gerne die Landschaft\u201c, erz\u00e4hlt er. \u201eUnd auch die Allg\u00e4uer als Menschen mag ich gerne. Sie sind irgendwie neugierig aber auch direkt, und wenn etwas wirklich gut ist, wird es sofort akzeptiert.\u201c<\/p>\n<p>Florian Herb beschreibt sich selbst als verbindlich, mit sich selbst ungeduldig, offen, begeistert sich f\u00fcr Literatur, Kunst, Musik und Theater. \u201eAu\u00dferdem bin ich recht wissenshungrig, entdecke gerne Neues und vor allem habe ich eine fast schon kindliche Freude an Absurdit\u00e4ten und Skurilit\u00e4ten\u201c, schmunzelt der Familienvater. \u201eUnd manchmal bin ich tats\u00e4chlich kindischer als meine beiden S\u00f6hne.\u201c So wird dann aus einem quadratischen Stein am Lech, den sein Sohn einem iPhone sehr \u00e4hnlich findet, durch eingeritzte Tastaturen auch schnell mal das Steinzeit-Handy der Familie.<br \/>\nText: Katja Sontheim \u00b7 Bilder: Florian Herb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Portrait: Florian Herb Florian Herb ist 1971 geboren, in Berlin. 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