{"id":7142,"date":"2014-06-03T15:25:40","date_gmt":"2014-06-03T13:25:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=7142"},"modified":"2014-06-03T15:25:40","modified_gmt":"2014-06-03T13:25:40","slug":"vom-allgaeu-nach-new-york","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2014\/06\/vom-allgaeu-nach-new-york\/","title":{"rendered":"Vom Allg\u00e4u nach New York"},"content":{"rendered":"<h3>Rebecca Riemann: \u201eEs war alles ganz anders geplant<\/h3>\n<p><span style=\"color: #800000;\"> <span class=\"tie-dropcap \">A<\/span>ls Rebecca Riemann zum ersten Mal nach New York reiste, war das 2008. Damals wollte sie in Amerika Urlaub machen, abschalten und sich von der vielen Arbeit in der Gastronomie erholen. New York war wirklich faszinierend f\u00fcr die junge Frau. Und dass sie sp\u00e4ter sogar dort leben w\u00fcrde, daran dachte die heute 29-j\u00e4hrige F\u00fcssenerin damals nicht.Heute ist Rebecca Riemann verheiratet, hat eine kleine Tochter und ist rundum zufrieden. Alles verlief damals anders, als geplant- Aus dem urspr\u00fcnglich zweiw\u00f6chigen Urlaub wurde zwei\u00a0 Monate sp\u00e4ter eine Au-Pair-Stelle. Also flog sie wieder nach New York zur\u00fcck und blieb diesmal aber f\u00fcr ein ganzes Jahr. In dieser Zeit lernte sie auch ihren Mann Chris kennen, einen Peruaner, der als Industrieingenieur in New York arbeitete. Als sie nach dem Au-Pair-Aufenthalt wieder nach F\u00fcssen zur\u00fcck kam, vergingen eineinhalb Jahre, bis sie ihren Chris wiedersehen konnte. Aber dieses Mal nicht in New York sondern in Kanada, wo die Beiden dann auch spontan heirateten.<\/span><\/p>\n<p><strong>Das h\u00f6rt sich alles sehr abenteuerlich\u00a0\u00a0 an. War es das auch?<\/strong><br \/>\nKann man wohl sagen. Ich habe Chris eineinhalb Jahre nicht gesehen und ich war so gespannt auf alles was kommen w\u00fcrde. Als ich ihm gegen\u00fcber stand war f\u00fcr mich klar: ja, wir heiraten! An unseren Gef\u00fchlen hatte sich nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong>Eine Liebesgeschichte, wie sie im Buche steht.<\/strong><br \/>\nF\u00fcr mich ist es auf jeden Fall so!<\/p>\n<p><strong>Warum haben Sie in Kanada geheiratet?<\/strong><br \/>\nWeil die Einreisebestimmungen f\u00fcr Amerika so kompliziert sind, sind wir den Weg \u00fcber Kanada gegangen.<\/p>\n<p><strong>Dann haben Sie also ohne Familie geheiratet?<\/strong><br \/>\nJa, ganz unspektakul\u00e4r. F\u00fcr meine Mutter war das ganz schlimm. Fr\u00fcher dachte ich immer, man muss nicht heiraten, wenn man sich liebt \u2013 Aber es ist doch etwas ganz Besonderes. Ich finde es ist ein sehr sch\u00f6nes Gef\u00fchl!<\/p>\n<p><strong>Sie haben aber dennoch den Namen Ihres Mannes nicht angenommen?<\/strong><br \/>\nJa, das stimmt. Der Name \u00e4ndert ja auch nichts an meiner Person oder am verheiratet sein.<\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-7095\" src=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/FA_06_14_riemann02-200x300.jpg\" alt=\"FA_06_14_riemann02\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/FA_06_14_riemann02-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/FA_06_14_riemann02-13x20.jpg 13w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/FA_06_14_riemann02.jpg 550w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>Wie w\u00fcrden Sie New York beschreiben?<\/strong><br \/>\nNew York ist anstrengend aufregend.<br \/>\nIch habe den Eindruck, dass man hier einfach tougher sein muss, wenn man nicht untergehen will. New York ist sehr sch\u00f6n, kann aber auch laut und schmutzig sein. Als typische New Yorkerin w\u00fcrde ich mich aber nicht unbedingt bezeichnen, denn es gibt auch ein anderes New York&#8230;<\/p>\n<p><strong>Welches?<\/strong><br \/>\nDurch mein Kind habe ich viele neue Leute kennengelernt \u2013 sie sind ein wenig alternativ. Das \u201eandere\u201c New York das ich kenne ist gr\u00fcn, hat W\u00e4lder und Wiesen. Es gibt eigentlich alles dort.<\/p>\n<p><strong>Es hei\u00dft, New York schl\u00e4ft nicht?<\/strong><br \/>\nOh ja! Als ich das erste Mal wieder zu Hause in F\u00fcssen war, bin ich um halb neun eine kleine Runde durch F\u00fcssen gelaufen und dachte mir \u201eOh Gott wie ruhig es hier ist\u201c- Das war so ungewohnt f\u00fcr mich.<\/p>\n<p><strong>Ist es schwierig als Ausl\u00e4nder in New York zu leben?<\/strong><br \/>\nNein, gar nicht, man f\u00e4llt dort \u00fcberhaupt nicht auf. Es gibt sehr viele Gemeinschaften von Deutschen, Mexikanern oder Asiaten. Es ist alles sehr bunt gemischt, sehr aufregend.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie sich Ihr Leben einmal so vorgestellt?<\/strong><br \/>\nNein, nicht wirklich. Weil ich mir fr\u00fcher keine konkreten Vorstellungen dar\u00fcber gemacht habe. Nach der Hochzeit sowieso nicht. Sofia hat unseren Plan ein bisschen durcheinander gebracht. Wir haben gedacht, wir werden uns erst einmal ein Nest bauen und danach w\u00fcrde unser Kind kommen. Durch Sofia hat sich f\u00fcr mich eigentlich alles ver\u00e4ndert. Als ich merkte, dass ich schwanger war, war meine erste Reaktion: \u201eich fliege nach Hause\u201c.<\/p>\n<p><strong>Gleich so schlimm?<\/strong><br \/>\nNicht weil ich schwanger war, sondern weil ich abartige Vorstellungen von den Krankenh\u00e4usern in Amerika hatte. Au\u00dferdem wollte ich meine Mutter in meiner N\u00e4he haben. Nach einer Weile habe ich mich wieder eingekriegt und \u00fcber Alternativen nachgedacht. Heraus kam, dass ich\u00a0 eine Hausgeburt wollte. Davon musste ich meinen Mann erst \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie ihn \u00fcberzeugen k\u00f6nnen?<\/strong><br \/>\nEs war die Hebamme, die ihn \u00fcberzeugen konnte. Er wollte Zahlen und Statistiken dar\u00fcber. Als er die bekam, war er beruhigt und unserer Hausgeburt stand nichts mehr im Wege. Von da an hat sich vieles beruhigt und ich war die ganze Schwangerschaft \u00fcber relativ entspannt.<\/p>\n<p><strong>Ich kann mir vorstellen, dass eine Hausgeburt in Amerika nicht unbedingt etwas ganz allt\u00e4gliches ist. In Deutschland ist es das auch nicht. Warum haben Sie sich dennoch f\u00fcr eine Hausgeburt entschlossen?<\/strong><br \/>\nSchwanger sein und ins Krankenhaus gehen \u2013 das ist f\u00fcr mich ein Widerspruch. Ins Krankenhaus geht man, wenn man krank ist. Au\u00dferdem kenne ich es nicht anders. Meine Mutter hat f\u00fcnf Hausgeburten gehabt. Durch meine Eltern habe ich gelernt alternativer zu denken.<\/p>\n<p><strong>Was hei\u00dft das genau?<\/strong><br \/>\n\u00dcber den Tellerrand zu schauen, zu hinterfragen und nach dem Sinn zu suchen. Ich denke, meine Eltern haben mir gut beigebracht nicht immer zu allem Ja und Amen zu sagen. Nat\u00fcrlich kann das auch sehr anstrengend sein. Und um ehrlich zu sein, kann das einen aber auch Charakterlich st\u00e4rker machen und bereichern. F\u00fcr meinen Mann war die Geburt auch ein tolles Erlebnis. Er h\u00e4tte nie gedacht, sein Kind als erstes in den H\u00e4nden halten zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><strong>Leben Sie mitten in New York oder au\u00dferhalb?<\/strong><br \/>\nWir leben in der Bronx, f\u00fcr uns Allg\u00e4uer ist es eine Stadt, nur ruhiger. Bis nach Manhatten f\u00e4hrt man mit der U-Bahn etwa eine Stunde.<\/p>\n<p><strong>Ist die Bronx nicht gef\u00e4hrlich?<\/strong><br \/>\nSagen wir mal so, man bekommt gleich ein anderes Sicherheit-Bewusstsein. Das hei\u00dft, man geht nicht einfach so um halb zehn alleine durch den Central Park oder in die U-Bahn. Es gibt hier richtig verr\u00fcckte Leute. Die Bronx hat\u00a0 aber auch sch\u00f6ne, ruhige Wohngegenden. In so einer leben wir auch.<\/p>\n<p><strong>New York gilt als sehr teuer, insbesondere die Mieten.<\/strong><br \/>\nJa, die Stadt ist sehr, sehr teuer. Die Mieten, eigentlich alles hier. Die Wohnungen sind sehr klein. Gro\u00dfe Wohnungen sind Luxus und demnach sehr teuer.<\/p>\n<p><strong>Wie gro\u00df ist Ihre Wohnung?<\/strong><br \/>\nUnsere Wohnung ist relativ gro\u00df, \u00fcber 100 Quadratmeter, obwohl es nur zwei Zimmer sind \u2013 aber sehr gem\u00fctlich.<\/p>\n<p><strong>Dann haben Sie ja richtig Gl\u00fcck!<\/strong><br \/>\nJa, die Wohnung wird vom Arbeitgeber meines Mannes gestellt. Ich hoffe, dass wir sp\u00e4ter einen guten Kindergarten und eine Schule f\u00fcr Sofia finden. Staatliche Schulen sind hier schrecklich. Sie sehen von au\u00dfen aus wie Gef\u00e4ngnisse, und sind auch vom Lehrstoff her schlecht. Und wenn man sein Kind auf eine gute Schule schicken will, dann muss man etwa 20.000 Dollar im Jahr bezahlen.<\/p>\n<p><strong>Familie und New York muss sich also nicht widersprechen?<\/strong><br \/>\nNein, nicht unbedingt. Wie gesagt, man muss Ellenbogen haben, im Gesch\u00e4ftsleben stark sein, sich behaupten k\u00f6nnen und man sollte wissen, was man will. Ein vitales\u00a0 Leben ist hier allerdings noch immer ein Fremdwort. Die K\u00f6rperdimensionen sind schockierend. Vielleicht bin ich aber auch zu\u00a0 k\u00f6rperbewusst und achte auf die Ern\u00e4hrung. Kochen ist hier etwas abstraktes, weil man einfach ein zu gro\u00dfes Angebot an Fertigprodukten hat, die voll von Zusatzstoffen sind. Ungesund zu essen wird den Leuten hier leicht und billig gemacht, sodass man sich nicht wirklich damit besch\u00e4ftigt, was man letztendlich konsumiert.<\/p>\n<p><strong>Sie kochen also selber, oder?<\/strong><br \/>\nNat\u00fcrlich, zwei Mal am Tag! Wenn ich Heimweh habe, dann gibt es Pfannkuchen oder Kartoffelsuppe, so wie es meine Oma gemacht hat. Teilweise koche ich auch peruanisch, das hat mir Chris\u2019 Mama beigebracht.<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrden Sie lieber wieder in F\u00fcssen leben?<\/strong><br \/>\nDas ist eine schwierige Frage und ich kann es gar nicht genau sagen. Ich finde jede Erfahrung, die man macht, ob positiv oder negativ, ist eine gute Erfahrung, weil sie im Endeffekt etwas wert ist. Nat\u00fcrlich hoffe ich mit meiner Familie irgendwann wieder zur\u00fcckzukommen . Aber ich finde es sch\u00f6n hier in New York.Wir haben gute Freunde gefunden und f\u00fchlen uns einfach wohl in Amerika.<\/p>\n<p>Das Interview f\u00fchrte Sabina Riegger<br \/>\nBilder: Rebecca Riemann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rebecca Riemann: \u201eEs war alles ganz anders geplant Als Rebecca Riemann zum ersten Mal nach New York reiste, war das 2008. Damals wollte sie in Amerika Urlaub machen, abschalten und sich von der vielen Arbeit in der Gastronomie erholen. New York war wirklich faszinierend f\u00fcr die junge Frau. 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