{"id":489,"date":"2010-11-30T11:26:27","date_gmt":"2010-11-30T11:26:27","guid":{"rendered":""},"modified":"2013-10-15T14:35:09","modified_gmt":"2013-10-15T12:35:09","slug":"nachbarschaftshilfe-mal-anders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2010\/11\/nachbarschaftshilfe-mal-anders\/","title":{"rendered":"Nachbarschaftshilfe mal anders"},"content":{"rendered":"<br \/>\n<h2>Renate Egeter und ihr \u201eTante Emma Laden&#8220;<\/h2>\n<p class=\"caption\" align=\"justify\"><font color=\"#800000\"><font face=\"tahoma,arial,helvetica,sans-serif\"><em><strong>F\u00fcssen.<\/strong><\/em>\u00a0 <\/font>Pers\u00f6nlich, nah am Kunden \u2013 ein Slogan der heutzutage gern von gro\u00dfen Einkaufsketten ben\u00fctzt wird. Wie unpers\u00f6nlich sie tats\u00e4chlich sind, wird einem erst so richtig bewusst, wenn man den Laden von Renate Egeter betritt. Seit 30 Jahren ist sie in der Hanfwerksiedlung das Lebensmittelgesch\u00e4ft wo man alles f\u00fcr den t\u00e4glichen Bedarf bekommt. Renate Egeter hat einen Tante Emma Laden. Es ist der zentrale Anlaufpunkt f\u00fcr die Gro\u00dfen und Kleinen, Alten und Schwachen und jenen, die zusehen m\u00fcssen, wie sie den Monat \u00fcberbr\u00fccken sollen, weil die Rente vorne und hinten nicht ausreicht. Die Armut hat Deutschland schon l\u00e4ngst erreicht und mit ihr die t\u00e4glichen Probleme, die damit verbunden sind. <\/font><\/p>\n<p align=\"left\"><font face=\"tahoma,arial,helvetica,sans-serif\">Renate Egeter wei\u00df von diesen Problemen. Die 68-j\u00e4hrige bekommt sie fast t\u00e4glich mit. Mal sind es die Kinder, die sich zu f\u00fcnft vielleicht nur drei Semmeln kaufen k\u00f6nnen oder die Rentner, die nach dem 20. des Monats nur noch Brot kaufen ohne Wurst und K\u00e4se. \u201eInsbesondere die \u00e4lteren Mitb\u00fcrger w\u00fcrden nie den Schritt zur Tafel tun geschweige denn vom Staat Geld annehmen&#8220;, erz\u00e4hlt sie. \u201eSie haben ihr ganzes Leben lang gearbeitet und waren von niemandem abh\u00e4ngig. Und jetzt auf einmal sollten sie betteln gehen?&#8220; Renate Egeter versteht das. Seit 20 Jahren hat sie eine Kasse hinter ihrem Ladentisch. Es ist eine kleine, durchsichtige blaue Plastikschwein, die gef\u00fcllt ist mit Centst\u00fccken. \u201eManchmal ist es nicht viel, aber es reicht um den Bed\u00fcrftigen einige Scheiben K\u00e4se und Wurst einzupacken und mit in den Einkaufsbeutel zu tun&#8220;. Viele ihrer Kunden wissen um die Kasse und lassen immer etwas mehr Geld zur\u00fcck oder sagen ausdr\u00fccklich, das ist f\u00fcr die Kasse. \u201eEs ist ein Einvernehmen ohne viel Worte&#8220;, dr\u00fcckt sie aus. <\/font><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"left\">Manchmal gehen ihr die Schicksale mancher Familien sehr nahe. \u201eMan \u00fcberlegt dann auch mal zu Hause wie es mit Ihnen wohl weiter gehen wird.&#8220; Catal Kaya und viele seiner Nachbarn sind mit Renate Egeter aufgewachsen. Sie ist die Frau Egeter, die Tante, eine Respektperson bei der sie nicht nur einkaufen sondern auch mal Rat suchen oder auch pers\u00f6nliches besprechen. Heute ist Catal Kaya 30 Jahre alt und hat seinen zweij\u00e4hrigen Sohn auf dem Arm. \u201eSeit dem ich laufen kann, komme ich t\u00e4glich hierher um einzukaufen. Fr\u00fcher waren es S\u00fc\u00dfigkeiten heute sind es Dinge f\u00fcr den t\u00e4glichen Bedarf. Mein Sohn wird sicher auch zu Frau Egeter kommen.&#8220; Der junge Mann mit t\u00fcrkischer Abstammung m\u00f6chte auf den \u201eTante Emma&#8220; Laden nicht verzichten. \u201eEs ist fast wie eine Institution&#8220;, l\u00e4chelt er Renate Egeter freundlich zu. Auch er wei\u00df um die Besonderheit \u201eseines&#8220; Ladens und die Hilfe, die von dort ausgeht. Manche haben schon Schuhe aus der Kasse bezahlt bekommen oder auch Windeln f\u00fcr die Kinder. \u201eJeder der Hilfe braucht wird sie auch bekommen. Aber von dem Geld zahle ich keine Zigaretten. Das geh\u00f6rt zu meinen Prinzipien&#8220;, so die F\u00fcssenerin. <\/p>\n<p align=\"left\"><font face=\"tahoma,arial,helvetica,sans-serif\">Renate Egeter will aber nicht viel aufheben um das machen was sie schon so viele Jahre tut. \u201eEs sind die Kunden die das Geld da lassen, damit man denen hilft, die weniger als sie haben.&#8220; Das musste sie den \u00e4lteren Mitb\u00fcrgern aus dem Viertel erst mal klar machen, dass eben das Geld nicht von ihr kommt sondern das es alles Spenden sind von ihren Kunden. <\/font><\/p>\n<p align=\"left\"><font face=\"tahoma,arial,helvetica,sans-serif\">Almosen? Nein, das m\u00f6chte keiner. Vielen wird erst dadurch bewusst auf welchem Existenzminimum sie leben. Nach vielleicht 40 Jahren Arbeit ist das eine Ohrfeige ins Gesicht. \u201eWof\u00fcr habe ich all diese Jahre gearbeitet. Das ich eines Tages auf das Wohlwollen anderer angewiesen sein werde, h\u00e4tte ich nie geglaubt. Einerseits bin ich froh darum das es solche Menschen gibt und andererseits macht es mich traurig und w\u00fctend zugleich&#8220;, erz\u00e4hlt die \u00e4ltere Frau aus dem Viertel. Mit 83 Jahren lebt sie alleine. Fr\u00fcher hatte sie eine Rente von knapp \u00fcber 800 D-Mark, heute sind es 423,- Euro. \u201eKennen Sie das Sprichwort zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben?&#8220;. Eine Antwort erwartet die 83-j\u00e4hrige nicht.<\/font><\/p>\n<p><em><font size=\"1\"><\/p>\n<p>Text\/Bilder:rie<\/p>\n<p><\/font><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Renate Egeter und ihr \u201eTante Emma Laden&#8220; F\u00fcssen.\u00a0 Pers\u00f6nlich, nah am Kunden \u2013 ein Slogan der heutzutage gern von gro\u00dfen Einkaufsketten ben\u00fctzt wird. Wie unpers\u00f6nlich sie tats\u00e4chlich sind, wird einem erst so richtig bewusst, wenn man den Laden von Renate Egeter betritt. 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