{"id":44105,"date":"2026-10-30T14:31:01","date_gmt":"2026-10-30T13:31:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=44105"},"modified":"2026-10-30T14:31:03","modified_gmt":"2026-10-30T13:31:03","slug":"koenigliche-speisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2026\/10\/koenigliche-speisen\/","title":{"rendered":"K\u00f6nigliche Speisen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Opulente Feste und prunkvolle Festtafeln hat Schloss Hohenschwangau wohl nie gesehen. Sein erster k\u00f6niglicher Besitzer, K\u00f6nig Maximilian II. von Bayern, galt als bescheiden und ma\u00dfvoll \u2013 Eigenschaften, die er auch von den Mitgliedern seiner Familie erwartete. Neben den feinen, liebevoll in den Hofk\u00fcchen zubereiteten und meist von der franz\u00f6sischen K\u00fcche inspirierten Speisen liebten er und sein Sohn, der sp\u00e4tere K\u00f6nig Ludwig II., auch ein Gericht, das Ludwig in seinen Kindertagen kennen lernte. Dessen Ursprung ist eng mit der Geschichte seiner Vorfahren verbunden, und seine wesentliche Zutat l\u00e4sst sich durchaus als identit\u00e4tsstiftend bezeichnen: die Kartoffel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ludwigs Mutter Marie verbrachte als Kind viele Sommer im Riesengebirge. Sp\u00e4ter machte sie ihre Kinder mit einem Gericht vertraut, das vor allem bei der einfachen Landbev\u00f6lkerung Schlesiens bekannt war und dessen Verbreitung in Preu\u00dfen ihr Urgro\u00dfonkel Friedrich der Gro\u00dfe gef\u00f6rdert hatte. Noch heute wird ihm diese besondere Frucht aus Dankbarkeit auf sein Grab in Sanssouci gelegt. Nach der Ernte verbrannte man das Kartoffelkraut und lie\u00df die Knollen in der Asche garen. Gegessen wurden die fertigen Kartoffeln mit frischer Butter oder Buttermilch. Marie brachte diese Zubereitungsart aus ihrer Kindheit in Fischbach mit und pflegte sie auch mit ihren Kindern auf der Bleckenau bei Hohenschwangau. Dieser Ort erinnerte sie wie kaum ein anderer in Bayern an ihre alte Heimat. Auch als Ludwig den Kinderschuhen l\u00e4ngst entwachsen war, lie\u00df er sich diese Speise dort zubereiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maries preu\u00dfische Abstammung war allerdings nicht der Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Verbreitung der Kartoffel in Bayern. Auch in Ludwigs v\u00e4terlicher Ahnenreihe gab es diesbez\u00fcglich Vision\u00e4re: Ein Wittelsbacher trug wesentlich zur Verbreitung der Knolle bei. Unter Kurf\u00fcrst Karl Theodor durfte Sir Benjamin Thompson, der 1792 zum Reichsgrafen von Rumford erhoben wurde, den Kartoffelanbau in Bayern f\u00f6rdern. So war der Englische Garten nicht nur f\u00fcr vergn\u00fcgliche Spazierg\u00e4nge gedacht, sondern diente auch als Anbaufl\u00e4che zur Versorgung der bayerischen Truppen. 1795 entwickelte Rumford die nach ihm benannte \u201eRumfordsuppe\u201c. Sie bestand aus Gerste, Graupen, Kartoffeln, Brotscheiben, Erbsen, Essig und Salz und wurde zun\u00e4chst f\u00fcr die Truppenversorgung, sp\u00e4ter auch zur Armenspeisung eingesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Ludwigs Vater, Maximilian II., kann als F\u00f6rderer und Wegbereiter ern\u00e4hrungswissenschaftlicher Errungenschaften gelten. Mit seiner Thronbesteigung im Jahr 1848 begann er eine regelrechte Wissenschaftsoffensive. Ihm war bewusst, dass Naturwissenschaft und Technik im Zuge der beginnenden Industrialisierung eine wesentliche Rolle spielen w\u00fcrden. Neben dem Ziel, Bayern zu einem Wirtschaftsstandort zu entwickeln, der insbesondere mit Preu\u00dfen konkurrieren und seine Position innerhalb des Deutschen Bundes st\u00e4rken sollte, verfolgte er auch innenpolitische Interessen. So hoffte man, durch wissenschaftliche Forschung k\u00fcnftigen Missernten und den damit verbundenen Versorgungsengp\u00e4ssen und Hungersn\u00f6ten entgegenwirken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Juli 1851 legte Max von Pettenkofer, der ber\u00fchmte Begr\u00fcnder der modernen Hygieneforschung, dem K\u00f6nig die Idee zur Gr\u00fcndung einer naturwissenschaftlich-technischen Kommission an der K\u00f6niglich Bayerischen Akademie der Wissenschaften nahe. Nicht zuletzt dank Maximilians finanzieller Unterst\u00fctzung gelang es Pettenkofer, wichtige Grundlagen f\u00fcr die heutige Ern\u00e4hrungslehre zu erarbeiten.<br>Bei den wissenschaftlichen Symposien Maximilians, insbesondere in M\u00fcnchen, wurde zumeist nur ein kleiner Imbiss gereicht. \u00dcber die Verpflegung bei diesen Zusammenk\u00fcnften hie\u00df es: \u201eDas Souper war h\u00f6chst einfach; der K\u00f6nig selbst nahm meist nicht am Essen teil.\u201c Zu den erlesenen Forschern und Wissenschaftlern, die Maximilian an seinen Hof holte, geh\u00f6rte auch Justus von Liebig. Er begr\u00fcndete das nach ihm benannte Fleischextrakt, einen Vorl\u00e4ufer sp\u00e4terer Br\u00fchw\u00fcrfel, die unter anderem durch die Firma Maggi bekannt wurden. Auch die heutige Weihnachtsb\u00e4ckerei w\u00e4re ohne Liebigs wissenschaftliche Arbeit kaum denkbar: Er trug ma\u00dfgeblich zur Entwicklung des Backpulvers bei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehr \u00fcber den Einfluss der Wittelsbacher in Bayern und aus der h\u00f6fischen (Ess-)Kultur erfahren Sie t\u00e4glich von 9 bis 17 Uhr im Museum der bayerischen K\u00f6nige. In k\u00f6niglicher Atmosph\u00e4re speisen, trinken und feiern k\u00f6nnen Sie in den Restaurants \u201eCaf\u00e9 Kainz\u201c und \u201eDorfwirt\u201c \u2013 gern richten diese auch Ihre Weihnachtsfeiern aus. Alle Informationen hierzu finden Sie auf <a href=\"http:\/\/www.hohenschwangau.de\">www.hohenschwangau.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Text: Louise-H. Meinicke, Kulturvermittlerin<br>im Museum der bayerischen K\u00f6nige<br>Foto: Wikipedia<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Opulente Feste und prunkvolle Festtafeln hat Schloss Hohenschwangau wohl nie gesehen. Sein erster k\u00f6niglicher Besitzer, K\u00f6nig Maximilian II. von Bayern, galt als bescheiden und ma\u00dfvoll \u2013 Eigenschaften, die er auch von den Mitgliedern seiner Familie erwartete. 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