{"id":44101,"date":"2026-10-30T14:33:46","date_gmt":"2026-10-30T13:33:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=44101"},"modified":"2026-10-30T14:33:48","modified_gmt":"2026-10-30T13:33:48","slug":"75-jahre-seniorenzentrum-st-martin-in-fuessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2026\/10\/75-jahre-seniorenzentrum-st-martin-in-fuessen\/","title":{"rendered":"75 Jahre Seniorenzentrum St. Martin in F\u00fcssen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Jubil\u00e4um mit Geschichte und Zukunft<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>In den 75 Jahren hat das Seniorenzentrum St. Martin im F\u00fcssener Westen Generationen von Menschen begleitet, gepflegt, W\u00fcrde bewahrt und Lebensqualit\u00e4t gesichert. Was 1950 als Einrichtung f\u00fcr Senioren in der Region seinen Anfang nahm, ist heute ein modernes, lebendiges Pflegezentrum mit 81 Bewohnerpl\u00e4tzen, \u00fcber 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus 28 Nationen \u2013 und einer Philosophie, die man klar sp\u00fcrt.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas Vogel, der selbst aus der Pflege kommt, leitet das Seniorenzentrum St. Martin seit sechs Jahren \u2013 und das merkt man ihm an. Nicht im Sinne von Nostalgie, sondern im Sinne von Respekt. Er wei\u00df, was die Kolleginnen und Kollegen t\u00e4glich leisten. Im vergangenen Jahr fanden zwei externe Pr\u00fcfungen statt \u2013 durch den Medizinischen Dienst und die Heimaufsicht. Beide verliefen so gut, dass das St. Martin in diesem Jahr gar nicht gepr\u00fcft wurde. \u201eWir haben hervorragende Leute im Leitungsbereich und an der Basis sehr gut ausgebildete Menschen. Wir haben Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen, die wunderbare Arbeit leisten. Darauf bin ich sehr stolz und dankbar\u201c, sagt Andreas Vogel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kein neuer Bewohner zieht ein, ohne dass Vogel ihn vorher pers\u00f6nlich kennen gelernt hat. \u201eIch bin Krankenpfleger. Ich will wissen, wer die Leute sind und welche Geschichte sie haben.\u201c Die pers\u00f6nlichen Aufnahmegespr\u00e4che sind f\u00fcr die Zusammenarbeit mit den Angeh\u00f6rigen ebenso wichtig: Was k\u00f6nnen sie erwarten, und was bietet das Haus? Vogel spricht dabei offen \u00fcber das, was das Haus leisten kann und was nicht. \u201eWir w\u00fcrden uns nichts Gutes tun, wenn wir Illusionen wecken, die wir nicht einhalten k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Haus mit besonderer Architektur<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bauform des Hauses folgt einem U-Grundriss: Zwei Fl\u00fcgel \u2013 Ostfl\u00fcgel und Westfl\u00fcgel \u2013 verbinden sich \u00fcber gemeinsame Gemeinschaftsr\u00e4ume. Was das Haus von vielen anderen Pflegeeinrichtungen unterscheidet: Es gibt keinen gro\u00dfen Speisesaal. Stattdessen gibt es auf den Wohnbereichen kleinere Gemeinschaftsr\u00e4ume, in denen jeweils etwa zehn bis zw\u00f6lf Menschen gemeinsam essen. Das Hausgemeinschaftskonzept schafft eine Vertrautheit, die in gr\u00f6\u00dferen Einrichtungen nicht immer m\u00f6glich ist. \u201eDadurch bleibt es famili\u00e4rer\u201c, wei\u00df Andreas Vogel.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-02-1024x768.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-44008\" srcset=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-02-1024x768.webp 1024w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-02-300x225.webp 300w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-02-150x113.webp 150w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-02.webp 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Terrasse mit einem sch\u00f6nen Blick<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einbindung der Bewohnerinnen und Bewohner in das Alltagsleben ist dem Team wichtig \u2013 innerhalb dessen, was die jeweilige Pflegebed\u00fcrftigkeit erlaubt. Sie decken die Tische ein, polieren das Besteck, schneiden Blumen und verteilen sie in Vasen. Im Garten gibt es Hochbeete, in denen Kr\u00e4uter und Blumen angepflanzt werden. Zu Weihnachten werden gemeinsam Kekse gebacken. \u201eEs geht ums Gebrauchtwerden, ums Dazugeh\u00f6ren, ums Leben\u201c, so Vogel.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Therapeutisches Angebot<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das St. Martin besch\u00e4ftigt eigene Ergotherapeutinnen \u2013 drei Fachkr\u00e4fte in Teilzeit, mit eigenem Therapieraum, Sprossenwand und Ergometer. Bewegungsgruppen, Handtraining, Balance\u00fcbungen \u2013 das alles findet intern statt. Die Betreuungskr\u00e4fte bieten Ged\u00e4chtnis\u00fcbungen und individuelle Besch\u00e4ftigung an. Dazu kommen regelm\u00e4\u00dfige Hundetherapie, Alpakabesuche und ein Garten der Sinne. Ein mobiler Snoezelwagen kommt vor allem in der Sterbephase zum Einsatz.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-03-1024x768.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-44009\" srcset=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-03-1024x768.webp 1024w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-03-300x225.webp 300w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-03-150x113.webp 150w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-03.webp 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eine der gem\u00fctlichen Sitzecken<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u201eSp\u00e4t\u201c bedeutet: Die ambulante Versorgung funktioniert<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die Menschen sp\u00e4ter ins Pflegeheim kommen, weil sie l\u00e4nger zu Hause bleiben k\u00f6nnen als fr\u00fcher, ist Fakt. Ambulante Pflege, Essen auf R\u00e4dern, Hausnotruf, Tagesbetreuung \u2013 all das funktioniert heute deutlich besser als noch vor einigen Jahren. Aber es hat eine Kehrseite: Wer erst kommt, wenn es wirklich nicht mehr anders geht, kommt oft mit hoher Pflegebed\u00fcrftigkeit \u2013 und meist nicht freiwillig, wei\u00df Andreas Vogel aus Erfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung f\u00fcr ein Pflegeheim ist in den allermeisten F\u00e4llen eine Entscheidung der Angeh\u00f6rigen. Fast alle sind noch berufst\u00e4tig, leisten Enormes \u2013 und f\u00fchlen sich trotzdem schuldig. Vogel spricht das in jedem Aufnahmegespr\u00e4ch offen an. \u201eIch m\u00f6chte die Angeh\u00f6rigen darin best\u00e4rken zu sagen: Es geht einfach nicht mehr anders. Und das ist keine Niederlage.\u201c Wer dabei oft zu kurz kommt: Die pflegenden Angeh\u00f6rigen selbst. Ihre Ersch\u00f6pfung, ihre Belastung, die jahrelange Aufopferung \u2013 das alles tritt in den Hintergrund, wenn der Fokus ausschlie\u00dflich auf dem Betroffenen liegt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Finanzierung: Wenn das Geld nicht reicht<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein gro\u00dfes Thema ist auch die Finanzierung des Pflegeplatzes. \u201eEntweder man ist Selbstzahler, oder man stellt einen Sozialhilfeantrag \u2013 das Haus unterst\u00fctzt dabei. Doch der Antrag ist aufwendig: 16 Seiten, umfangreiche Unterlagen, Pr\u00fcfung der finanziellen Verh\u00e4ltnisse inklusive Schenkungen der vergangenen Jahre\u201c, erkl\u00e4rt der Einrichtungsleiter. Die Bewilligung dauert. Sechs bis neun Monate sind keine Seltenheit. In dieser Zeit sind die Bewohnerinnen und Bewohner l\u00e4ngst eingezogen und werden vollumf\u00e4nglich versorgt \u2013 das Pflegeheim geht in finanzielle Vorleistung. Manche Einrichtungen geraten dadurch in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. \u201eDas St. Martin ist als Einrichtung des BRK-Kreisverbands F\u00fcssen in einem stabilen Tr\u00e4gerrahmen\u201c, so Vogel. Die Kinder der Bewohner werden nur dann zur Kasse gebeten, wenn sie selbst mehr als 100.000 Euro im Jahr verdienen \u2013 das ist in der Praxis die absolute Ausnahme.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-04-1024x768.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-44010\" srcset=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-04-1024x768.webp 1024w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-04-300x225.webp 300w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-04-150x113.webp 150w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-04.webp 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eine K\u00fcche auf jeder Etage<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">28 Nationen unter einem Dach<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Eingangsbereich des Seniorenzentrums h\u00e4ngt eine Weltkarte. Pins markieren die Herkunftsl\u00e4nder der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 28 Nationen. F\u00fcr Andreas Vogel ist das keine Marketingbotschaft, sondern gelebte Notwendigkeit und echte Bereicherung. Die entscheidende Frage ist f\u00fcr ihn nicht, woher jemand kommt, sondern wer dieser Mensch wirklich ist. Deshalb f\u00fchrt er mit Bewerberinnen und Bewerbern aus dem Ausland pers\u00f6nliche Videointerviews.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ausbildung als Zukunftsinvestition<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das St. Martin strebt an, j\u00e4hrlich acht Auszubildende aufzunehmen. Seit dem 1. April absolvieren vier junge Menschen aus Kamerun ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft \u2013 alle mit Abitur und einem beeindruckend hohen schulischen Ausbildungsniveau. F\u00fcr das n\u00e4chste Jahr plant man, zus\u00e4tzlich Auszubildende aus Indien aufzunehmen. Auch sie werden sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlt: Schulischer Abschluss und Sprachkenntnisse spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die Bewerbungszahlen junger Menschen aus der Region steigen zudem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas Vogel bleibt trotz alledem realistisch: \u201eWenn man sich die demografische Entwicklung anschaut, ist klar, dass wir dringend Pflegefachkr\u00e4fte brauchen werden.\u201c Laut aktuellen Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) werden in Deutschland bis 2034 zwischen 90.000 und 350.000 Pflegekr\u00e4fte fehlen \u2013 eine Zahl, die deutlich macht, wie gro\u00df die Herausforderung ist und wie wichtig gut ausgebildete Fachkr\u00e4fte aus dem In- und Ausland sind. Die politische Dimension l\u00e4sst Vogel nicht unerw\u00e4hnt. Wer in Zukunft die Eltern versorgen solle, fragt er \u2013 und findet deutliche Worte in Richtung jener, die behaupten, man k\u00f6nne auf qualifizierte Zuwanderung verzichten: \u201eDas ist komplett an der Realit\u00e4t vorbei, Wir brauchen weiterhin qualifizierte Zuwanderung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fabiola Nyampinga und Raul Martinez stehen stellvertretend f\u00fcr viele, ohne die das Seniorenzentrum St. Martin nicht denkbar w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-05-1024x768.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-44011\" srcset=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-05-1024x768.webp 1024w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-05-300x225.webp 300w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-05-150x113.webp 150w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-05.webp 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fabiola Nyampinga kommt aus Ruanda und macht zur Zeit eine Ausbildung als Pflegehelferin im Seniorenzentrum St. Martin.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fabiola Nyampinga \u2013 von Kigali nach F\u00fcssen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fabiola Nyampinga ist 28 Jahre alt und kommt aus Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Wenn sie von ihrer Heimatstadt spricht, leuchten ihre Augen auf \u2013 eine gr\u00fcne Stadt mit vielen Bergen, denn Ruanda tr\u00e4gt nicht umsonst den Beinamen \u201eLand der tausend H\u00fcgel\u201c. Deswegen, sagt Nyampinga mit einem L\u00e4cheln, f\u00fchle sie sich in F\u00fcssen so wohl.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie studierte in Ruanda und arbeitete in einem kleinen Krankenhaus \u2013 nur f\u00fcnf Stunden t\u00e4glich, mit keinem geregeltem Einkommen. Als ihre j\u00fcngste Schwester schwer erkrankte und drei Monate im Krankenhaus lag, reifte in ihr ein Entschluss: Sie wollte Menschen wirklich helfen k\u00f6nnen. Eine Freundin, die in Deutschland Au-pair war, machte ihr Mut. Nyampinga lernte Deutsch beim Goethe-Institut bis zum Niveau B1, bewarb sich \u2013 und bekam einen Vertrag. Darauf stand: St. Martin, F\u00fcssen. Das Visum war innerhalb von sieben Tagen ausgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute, gut ein Jahr nach ihrer Ankunft und ihrem Bundesfreiwilligendienst, macht Fabiola Nyampinga ihre einj\u00e4hrige Ausbildung zur Pflegehelferin im Seniorenzentrum St. Martin. Und an dem Tag, an dem dieses Gespr\u00e4ch stattfand, hatte sie eine praktische Pr\u00fcfung mit der Note Einsbestanden. Dabei hatte sie in den Wochen vor der Pr\u00fcfung gezittert. \u201eIch hatte Angst, dass ich alles vergesse, wenn die Pr\u00fcferin kommt\u201c, erz\u00e4hlt sie. Sie rief ihre Mutter in Ruanda an und bat sie, f\u00fcr sie zu beten. Dann kam die Pr\u00fcferin \u2013 und war so freundlich im Gespr\u00e4ch, dass Nyampinga irgendwann verga\u00df, dass es \u00fcberhaupt eine Pr\u00fcfung war. \u201eIch habe so viel geredet, dass ich dachte, das ist gar keine Pr\u00fcfung mehr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Anfangszeit in F\u00fcssen war nicht einfach. Der erste Winter war eine Offenbarung: Als Kind hatte Fabiola Nyampinga Schnee nur aus dem Fernsehen gekannt und ihn wundersch\u00f6n gefunden. Die Realit\u00e4t war anders. \u201eDas war sehr kalt\u201c, sagt sie trocken \u2013 und lacht dabei herzlich. Schwerer wog das Heimweh. Die Mutter fehlte, die Sprache, die Vertrautheit des Alltags. Was half war die Freundlichkeit der Bewohnerinnen und Bewohner und die Geduld der Kolleginnen und Kollegen. \u201eSie waren alle nett zu mir. Das hat mir sehr geholfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mittlerweile hat Nyampinga in F\u00fcssen Fu\u00df gefasst. Sie hat Freunde, einen Partner \u2013 der aus Kamerun stammt, seit Jahren in Deutschland lebt und flie\u00dfend Deutsch spricht \u2013, und eine Schwester, die in Hannover wohnt. Mit ihrer Mutter in Kigali telefoniert sie jeden Tag. Und die Zukunft? Nyampinga m\u00f6chte ihre Ausbildung abschlie\u00dfen, sich weiterentwickeln und irgendwann eine Familie gr\u00fcnden. F\u00fcssen soll ihr Zuhause bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einrichtungsleiter Vogel bringt es auf den Punkt: \u201eFabiola ist ein wunderbares Beispiel daf\u00fcr, wie gut Integration funktionieren kann, wenn man Menschen eine Chance gibt. Ich bin tief beeindruckt von dem, was unsere Kolleginnen und Kollegen jeden Tag leisten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-06-1024x768.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-44012\" srcset=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-06-1024x768.webp 1024w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-06-300x225.webp 300w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-06-150x113.webp 150w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-06.webp 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(v.l.) Einrichtungsleiter Andreas Vogel und der stellvertretender Pflegedienstleiter Raul Martinez<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Raul Martinez \u2013 von Alicante nach F\u00fcssen, von null zum stellvertretenden Pflegedienstleiter<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Raul Martinez sitzt entspannt, spricht ruhig und klar. Auf Deutsch, versteht sich \u2013 einem guten Deutsch, das er sich \u00fcber Jahre hinweg von Grund auf erarbeitet hat. Er ist 37 Jahre alt, kommt aus einem kleinen Dorf bei Alicante an der spanischen Mittelmeerk\u00fcste und arbeitet seit April 2014 im Seniorenzentrum St. Martin. Seit drei Jahren ist er stellvertretender Pflegedienstleiter. Den Weg nach F\u00fcssen fand er \u00fcber das europ\u00e4ische Jobvermittlungsprogramm Eures, das damals eine Kooperation zwischen Deutschland und Spanien unterst\u00fctzte. Martinez hatte in Spanien eine Ausbildung zum Pflegehelfer abgeschlossen, wollte sich aber eigentlich als Koch bewerben \u2013 er wusste nicht, dass gerade Pflegekr\u00e4fte gesucht wurden. Im Bewerbungsgespr\u00e4ch kl\u00e4rte sich das schnell. \u201eDie sagten: Aber du bist doch Pfleger. Und ich sagte: Ja, das ist mein Job.\u201c Ein Angebot f\u00fcr F\u00fcssen kam. Er nahm es an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutsch sprach Martinez damals kein einziges Wort. Im Rahmen des Projekts hatte er in Spanien einen einmonatigen Intensivkurs belegt \u2013 eine solide Grundlage war das nicht, wie er selbst sagt. Das Bewerbungsgespr\u00e4ch f\u00fchrte er auf Spanisch, mit ein paar Brocken Englisch als Notreserve. Dann reiste er nach Bayern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am ersten Abend in Deutschland rief er seine Mutter an. \u201eIch will nach Hause, hier bleibe ich nicht\u201c, sagte er ihr am Telefon. Sie antwortete nur: \u201eDu wolltest es. Jetzt bleibst du da.\u201c M\u00fctter k\u00f6nnen manchmal das Richtige sagen, erz\u00e4hlt er l\u00e4chelnd. Was folgte, war ein langer, anstrengender und letztlich erfolgreicher Weg. Vormittags Deutschkurs, nachmittags Praktikum im Haus. Da seine spanische Ausbildung anerkannt wurde, arbeitete Martinez sechs Monate als Pflegehelfer. Im September 2015 begann er die dreij\u00e4hrige Ausbildung zum Altenpfleger. Die ersten Monate waren z\u00e4h: Alle Unterlagen bekam er zwar auf Spanisch, aber im Haus sprach niemand seine Sprache. Es gab keine andere Wahl als Deutsch \u2013 und die Kolleginnen hatten die Geduld, die er brauchte. \u201eSie waren nie genervt. Sie haben immer mitgemacht und geholfen.\u201c Irgendwann, erinnert er sich, stand er eines Morgens auf \u2013 und konnte Deutsch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Ausbildung bildete er sich weiter, \u00fcbernahm mehr Verantwortung und wurde Praxisanleiter. Jetzt, elf Jahre nach seiner Ankunft, ist er stellvertretender Pflegedienstleiter. Was das f\u00fcr ihn bedeutet? Er h\u00e4lt kurz inne. \u201eEs bedeutet Vertrauen. Dass meine Entwicklung anerkannt wird.\u201c Und dann, etwas leiser: Er denkt an seine Gro\u00dfmutter, die immer die studierten Cousinen als die Erfolgreichen bezeichnet hatte. \u201eAls sie gestorben ist, habe ich mir gedacht: Ich hoffe, du siehst jetzt, was ich bin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Spanien, erz\u00e4hlt Martinez, arbeitete er nach dem Prinzip: Schnell, schnell, schnell. Kaum Zeit, kaum Ruhe. Hier lernte er, anders zu arbeiten \u2013 bewusster, ruhiger, mit mehr Aufmerksamkeit f\u00fcr jeden einzelnen Menschen. Das Konzept der Hausgemeinschaft, die kleinen Essbereiche, der Geruch nach frisch Gekochtem statt nach Desinfektionsmittel: \u201eDas hatten wir in Spanien nicht.\u201c Als Praxisanleiter begleitet Raul Martinez heute Auszubildende, die aus vielen verschiedenen L\u00e4ndern kommen. Er macht dabei kein Hehl daraus, dass er selbst Ausl\u00e4nder ist und deshalb wei\u00df, wie es sich anf\u00fchlt, fremd zu sein. \u201eIch kann niemanden verurteilen, woher er kommt. Und ich lerne selbst st\u00e4ndig dazu \u2013 \u00fcber andere Kulturen, \u00fcber andere Wege, Pflege zu verstehen und zu leben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seinen Geburtstag feiert Martinez an einem besonderen Tag: dem Tag seiner Ankunft in Deutschland. \u201eAn diesem Tag habe ich mir mein neues Leben geschenkt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf die Frage, wie er sich in F\u00fcssen f\u00fchlt, antwortet er: \u201eIch bin ein Mensch, der Routine braucht und etwas Festes. Hier kenne ich mich aus. Hier f\u00fchle ich mich wohl. Die Arbeit ist wie ein zweites Zuhause. Ich bin angekommen und werde hier bleiben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-07-768x1024.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-44013\" srcset=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-07-768x1024.webp 768w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-07-225x300.webp 225w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-07-640x853.webp 640w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-07-150x200.webp 150w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-07.webp 900w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine Geschichte, die bleibt<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">75 Jahre Seniorenzentrum St. Martin. Was bleibt nach diesem Besuch, nach diesen Gespr\u00e4chen? Das Bild eines Hauses, das nicht perfekt ist \u2013 das gibt es nicht in der Pflege \u2013 aber das aufrichtig ist. Das nicht verspricht, was es nicht halten kann. Das wei\u00df, was es leistet. Und das Menschen anzieht, die genau dieses Haus brauchen: als Bewohnerinnen und Bewohner, als Angeh\u00f6rige und als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 28 Nationen, die hier ihre Heimat gefunden haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fabiola Nyampinga mit ihrer Einser-Pr\u00fcfung. Raul Martinez, der an einem Geburtstag ein neues Leben begann. Andreas Vogel, der jeden Einzug pers\u00f6nlich begleitet und die \u00fcber 90 Mitarbeiter, die so viel leisten, dass alles l\u00e4uft, wie es laufen muss. Es ist ein Haus f\u00fcr Menschen \u2013 von Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Text \u00b7 Fotos: Sabina Riegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Jubil\u00e4um mit Geschichte und Zukunft In den 75 Jahren hat das Seniorenzentrum St. Martin im F\u00fcssener Westen Generationen von Menschen begleitet, gepflegt, W\u00fcrde bewahrt und Lebensqualit\u00e4t gesichert. Was 1950 als Einrichtung f\u00fcr Senioren in der Region seinen Anfang nahm, ist heute ein modernes, lebendiges Pflegezentrum mit 81 Bewohnerpl\u00e4tzen, \u00fcber 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":513,"featured_media":44007,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"webmentions_disabled_pings":false,"webmentions_disabled":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false,"_share_on_mastodon":"0"},"categories":[2990],"tags":[],"class_list":["post-44101","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-soziales"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/muenchen.social\/@fuessenaktuell\/117530114625438805","error":""},"jetpack_sharing_enabled":true,"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/FA_11_26_St-Michael-01.webp","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44101","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/513"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=44101"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44101\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":44102,"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44101\/revisions\/44102"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/44007"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=44101"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=44101"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=44101"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}