{"id":44095,"date":"2026-10-30T14:32:21","date_gmt":"2026-10-30T13:32:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=44095"},"modified":"2026-10-30T14:32:22","modified_gmt":"2026-10-30T13:32:22","slug":"ein-ort-an-dem-abschied-menschlich-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2026\/10\/ein-ort-an-dem-abschied-menschlich-wird\/","title":{"rendered":"Ein Ort, an dem Abschied menschlich wird"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zwei Jahre Bestattungsinstitut Barbara Leitner<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Vor zwei Jahren wagte Barbara Leitner den Schritt in die Selbstst\u00e4ndigkeit und er\u00f6ffnete ihr eigenes Bestattungsinstitut. Was klein begann, ist heute weit mehr als ein Eine-Frau-Betrieb. Am 7. November l\u00e4dt das Institut zum Tag der offenen T\u00fcr ein \u2013 ein guter Anlass, um zur\u00fcckzublicken, aber auch um zu zeigen, wie anders Abschiednehmen sein kann.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Barbara Leitner ist seit fast zehn Jahren Bestatterin. Als sich die Unternehmerin 2024 selbstst\u00e4ndig machte, kannte sie die Region, die Menschen \u2013 und hatte keine Angst vor dem Scheitern. Was die 40-J\u00e4hrige damals nicht plante: eine Filiale in F\u00fcssen, eine weitere in Ro\u00dfhaupten, ein wachsendes Team, ein Einzugsgebiet, das heute von M\u00fcnchen bis Sonthofen und von Immenstadt bis Ro\u00dfhaupten reicht. \u201eDass ich jemals jemanden fest einstelle oder mehrere Standorte betreue \u2013 das h\u00e4tte ich vor zwei Jahren nicht gedacht.\u201c Heute z\u00e4hlt das Institut eine festangestellte Mitarbeiterin und vier weitere Teammitglieder \u2013 und seit einiger Zeit auch Unterst\u00fctzung in der Buchhaltung. \u201eWeil da liegt nicht mein Herz\u201c, sagt die Bestatterin und lacht. \u201eIch brauche die Zeit f\u00fcr die Menschen, die ich begleiten darf.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wenn Trauerrednerin auf Bestatterin trifft<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An ihrer Seite: Monja Kienecker-Haslach, 41 Jahre alt, urspr\u00fcnglich studierte Medienkommunikatorin und Journalistin, seit sechs Jahren freie Trauerrednerin und ausgebildete Trauerbegleiterin. Die beiden lernten sich \u00fcber ihre gemeinsame Arbeit kennen \u2013 die Kemptenerin als Rednerin, Barbara Leitner als Bestatterin. Irgendwann kam eins zum anderen. \u201eEs war keine klassische Bewerbung\u201c, erz\u00e4hlt Monja Kienecker-Haslach. \u201eWir haben zusammengearbeitet, und dann wuchs das einfach.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute \u00fcbernimmt die 41-J\u00e4hrige nahezu alle Aufgabenbereiche einer Bestatterin &#8211; von der w\u00fcrdevollen Versorgung der Verstorbenen \u00fcber einf\u00fchlsame Trauergespr\u00e4che und die Begleitung der Angeh\u00f6rigen bis hin zur Organisation und Durchf\u00fchrung von Bestattungen. Dar\u00fcber hinaus ist sie weiterhin als freie Trauerrednerin t\u00e4tig. Warum sie sich f\u00fcr diesen Berufsweg entschieden hat? Es sei eine Frage der Haltung, sagt die Kemptenerin. Denn wer offen ist und hinschaut, sieht in der Trauer Zusammenhalt, Dankbarkeit und tiefe menschliche Begegnung. \u201eDa, wo Tod und Trauer sind, da ist gleichzeitig auch ganz viel Leben und Liebe. Und das ist das Sch\u00f6ne.\u201c, so Monja Kienecker-Haslach.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Abschiedsplaner \u2013 Orientierung in der schwersten Zeit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine der wichtigsten Neuerungen der letzten zwei Jahre ist ein eigens entwickelter Abschiedsplaner \u2013 ein Printprodukt, das die Familie des Verstorbenen bereits in den ersten Stunden der Trauer begleitet. \u201eF\u00fcr viele sind so viele Fragen offen\u201c, erkl\u00e4rt Monja Kienecker-Haslach. \u201eBestattung ist nichts, womit man sich freiwillig tagt\u00e4glich besch\u00e4ftigt.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Abschiedsplaner beginnt mit einer pers\u00f6nlichen Ansprache, erkl\u00e4rt die n\u00e4chsten Schritte, listet M\u00f6glichkeiten auf \u2013 von der Erdbestattung \u00fcber die Urne bis zur freien Trauerfeier \u2013 und gibt einen ehrlichen \u00dcberblick \u00fcber Kosten. Barbara Leitner beschreibt den Grundgedanken dahinter so: \u201eIhr wisst, wir k\u00fcmmern uns jetzt um euren verstorbenen Menschen \u2013 und ihr k\u00f6nnt jetzt in Ruhe schauen, was in den n\u00e4chsten Tagen auf euch zukommt. F\u00fcr viele artet die Situation schnell in Stress aus. Die Angeh\u00f6rigen denken, ich muss jetzt jede Entscheidung innerhalb von zw\u00f6lf Stunden treffen. Wir wollen diesen Druck rausnehmen und sagen: Jetzt erst mal ankommen. Ihr habt gerade einen Menschen verloren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vorsorge: Reden, bevor es soweit ist<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres Herzensthema des Instituts ist die Bestattungsvorsorge. \u201eAb 35 aufw\u00e4rts kommen t\u00e4glich Menschen zu uns, die schon vorsorgen m\u00f6chten\u201c, sagt Barbara Leitner. Der Wunsch nach einem pers\u00f6nlichen, individuellen Abschied wird gr\u00f6\u00dfer \u2013 und damit auch das Interesse an der Vorsorge. \u201eIch h\u00f6re oft: Die Kinder sagen, das ist doch noch viel zu fr\u00fch. Aber die \u00c4lteren wollen es einfach vorbereitet wissen\u201c, erkl\u00e4rt die Bestatterin. Das Vorsorgegespr\u00e4ch ist immer auf mehrere Termine aufgeteilt: Erst Beratung, dann Unterlagen, dann W\u00fcnsche festhalten, dann unterschreiben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eMit Zeit und ohne Druck. Und immer mit einer Kosten\u00fcbersicht.\u201c Gerade Menschen, die allein leben oder keine nahen Angeh\u00f6rigen haben, empfiehlt Barbara Leitner, sich fr\u00fchzeitig auch rechtlich beraten zu lassen. Denn eine umfassende Vorsorge geht weit \u00fcber die eigene Bestattung hinaus. Dazu geh\u00f6rt auch die Frage, wer im Ernstfall die eigenen Angelegenheiten regelt und Entscheidungen trifft, wenn man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist. Hier r\u00e4t die Bestatterin, rechtzeitig einen Anwalt aufzusuchen, um entsprechende Vollmachten und eine m\u00f6gliche rechtliche Betreuung zu kl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Abschied darf auch l\u00e4cheln lassen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was das Bestattungsinstitut von Barbara Leitner besonders auszeichnet, ist die Zeit, die sie und ihr Team sich f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen nehmen. Hier gibt es keine Abschiede nach Schema F. Stattdessen stehen die pers\u00f6nlichen W\u00fcnsche, Erinnerungen und Bed\u00fcrfnisse der Familien im Mittelpunkt. Denn ein Abschied ist traurig, aber genauso darf hier Raum f\u00fcr sch\u00f6ne Erinnerungen, positive Gef\u00fchle und ab und an sogar f\u00fcr gemeinsames Lachen geschaffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Barbara Leitner und Monja Kienecker-Haslach beschreiben als Beispiel eine Trauerfeier f\u00fcr einen leidenschaftlichen Fu\u00dfballer. Die Bestatterin und die Trauerrednerin besorgten Trillerpfeifen, teilten sie an alle Trauerg\u00e4ste aus. Monja Kienecker-Haslach er\u00f6ffnete die Rede mit einem Anpfiff \u2013 und am Ende pfiffen rund 100 Menschen gemeinsam, ein letztes Mal f\u00fcr den Verstorbenen. Oder die Beerdigung, bei der jeder eine leuchtend gelbe Sonnenbrille trug, das Markenzeichen des Gestorbenen. Oder die Trauerfeier in einer H\u00fctte mit Blasmusik und Wei\u00dfwurstfr\u00fchst\u00fcck, die \u00fcber drei Stunden ging. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Fotos und kleine Erinnerungsb\u00fccher geh\u00f6ren inzwischen dazu. \u201eDie Angeh\u00f6rigen nehmen an dem Tag so wenig bewusst wahr. Deshalb fotografieren wir \u2013 dezent, respektvoll. Damit sie die Eindr\u00fccke sp\u00e4ter nochmal auf sich wirken lassen k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4ren die beiden Bestatterinnen. Barbara Leitner und Monja Kienecker-Haslach erleben, wie sich die Bestattungskultur ver\u00e4ndert. \u201eDie Menschen wollen pers\u00f6nliche Abschiede\u201c, sagt Barbara Leitner. Sie wollen lieber eine Lebensfeier, hin zu etwas ganz Eigenem. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eAbschiede finden l\u00e4ngst nicht mehr nur in Friedhofskapellen statt, sondern auch in der Natur, im eigenen Garten oder sogar im Lieblingslokal des Verstorbenen. Statt steriler Friedhofsatmosph\u00e4re und schwarzer Kleidung pr\u00e4gen heute oft bunte Farben, die Lieblingsmusik des Verstorbenen und humorvolle Anekdoten den Abschied. \u201eMan feiert die Spuren, die ein Mensch hinterlassen hat und spendet Trost durch die gemeinsame Erinnerung an die sch\u00f6nen Momente\u201c, beschreibt Barbara Leitner. Nichtsdestotrotz spielt die Kirche dabei nach wie vor eine Rolle \u2013 aber eine andere als fr\u00fcher. \u201eWir haben zu den Pfarrern ein sehr gutes Verh\u00e4ltnis\u201c, sagt Leitner. \u201eSie lassen sich auf mehr ein. Sie sind offener geworden. Und das ist sch\u00f6n.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Ort, der anders ist<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer das Bestattungsinstitut betritt, merkt schnell: Hier ist es nicht d\u00fcster. Die R\u00e4ume sind hell, einladend, mit viel Liebe gestaltet. \u00dcber 250 Quadratmeter in Pfronten, dazu Termine in F\u00fcssen und Ro\u00dfhaupten. Der erste Schritt in ein Bestattungsinstitut f\u00e4llt den wenigsten leicht. \u201eDie meisten kommen mit einer gewissen Scheu zu uns\u201c, berichten die beiden Bestatterinnen. \u201eUnd gehen mit dem Gef\u00fchl: Das war gar nicht so schlimm.\u201c Es gibt wohl kein sch\u00f6neres Kompliment f\u00fcr ein Bestattungsinstitut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>INFO<\/strong><br>Ein Tag f\u00fcr Begegnung, Austausch und Kennenlernen<br>7. Novmber, 10 bis 14 Uhr im Bestattungsinstitut Barbara Leitner, Vilstalstra\u00dfe 3, 87459 Pfronten. Ab 15 Uhr: Lesung von Frollein Tod (Autorin und Pr\u00e4paratorin) aus ihrem Buch \u201e&#8230;doch f\u00fcr mich bist du ein Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Text \u00b7 Foto: Sabina Riegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Jahre Bestattungsinstitut Barbara Leitner Vor zwei Jahren wagte Barbara Leitner den Schritt in die Selbstst\u00e4ndigkeit und er\u00f6ffnete ihr eigenes Bestattungsinstitut. Was klein begann, ist heute weit mehr als ein Eine-Frau-Betrieb. Am 7. 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