{"id":43205,"date":"2026-07-04T10:41:29","date_gmt":"2026-07-04T08:41:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=43205"},"modified":"2026-07-04T10:42:19","modified_gmt":"2026-07-04T08:42:19","slug":"fernpass-tunnel-b179-genehmigt-und-die-maut-kann-kommen-14-euro-pro-fahrt-geplant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2026\/07\/fernpass-tunnel-b179-genehmigt-und-die-maut-kann-kommen-14-euro-pro-fahrt-geplant\/","title":{"rendered":"Fernpass-Tunnel (B179) genehmigt \u2013 und die Maut kann kommen: 14 Euro pro Fahrt geplant"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mehrere H\u00fcrden stehen aber noch aus<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Amt der Tiroler Landesregierung hat am 2. Juli 2026 die naturschutzrechtliche Bewilligung f\u00fcr den Bau des Fernpasstunnels erteilt. Damit ist eine der zentralen beh\u00f6rdlichen Voraussetzungen f\u00fcr das Infrastrukturprojekt an der B179 Fernpassstra\u00dfe erf\u00fcllt. Die Stra\u00dfenbaugenehmigungen waren bereits im Sommer 2025 rechtskr\u00e4ftig geworden. Vor einem tats\u00e4chlichen Baubeginn fehlen allerdings noch die wasser- und die forstrechtliche Bewilligung \u2013 beide Verfahren laufen separat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was gebaut werden soll<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der geplante Fernpasstunnel verbindet auf einer L\u00e4nge von rund 1,4 Kilometern die steil ansteigende Fernpassstra\u00dfe unterhalb der Passh\u00f6he: Er beginnt s\u00fcdlich der Haarnadelkehre bei Streckenkilometer 7,8 und m\u00fcndet bei Kilometer 12,4 wieder in die bestehende Trasse. Der Tunnel wird dreispurig ausgef\u00fchrt \u2013 zwei Fahrstreifen bergw\u00e4rts Richtung Reutte, einer bergabw\u00e4rts Richtung Nassereith \u2013, erg\u00e4nzt durch einen befahrbaren Rettungsstollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Gesamtprojekt geh\u00f6ren dar\u00fcber hinaus neue Zulaufstrecken an beiden Portalen, Knotenpunkte zur Anbindung an die Bestandsstrecke, ein Lawinendamm nahe dem Nordportal, tempor\u00e4re Bau- und Ersatzstra\u00dfen sowie eine Mautstation. Im Bereich des S\u00fcdportals ist au\u00dferdem eine sogenannte \u201etechnische Sch\u00fcttung&#8220; aus Tunnelausbruchsmaterial vorgesehen, die als Unterbau f\u00fcr eine Br\u00fcckenkonstruktion dient.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Maut kommt \u2013 auch f\u00fcr Pendler und Anwohner<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Tunnel kommt die Maut. Laut einem <a href=\"https:\/\/www.adac.de\/news\/fernpass-maut-tirol\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bericht des ADAC vom Februar 2025<\/a> hat die Tiroler Landesregierung beschlossen, nach Fertigstellung des Tunnels eine Durchzugsmaut f\u00fcr den gesamten Fernpass-Bereich \u2013 also sowohl Tunnel als auch Passstra\u00dfe \u2013 einzuf\u00fchren. Demnach soll eine einfache Pkw-Fahrt 14 Euro kosten; f\u00fcr Vielfahrer ist eine Jahreskarte f\u00fcr 140 Euro vorgesehen. Die endg\u00fcltige H\u00f6he der Geb\u00fchr ist allerdings noch nicht festgelegt. F\u00fcr Reisende aus dem Raum F\u00fcssen, die regelm\u00e4\u00dfig nach Innsbruck fahren, bedeutet das: Mit Hin- und R\u00fcckfahrt w\u00e4ren pro Fahrt 28 Euro f\u00e4llig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mautstationen sollen laut ADAC am Blindsee sowie in Nassereith eingerichtet werden \u2013 was auch dem Bescheid entspricht, der die Mautstation in diesem Bereich detailliert beschreibt. <strong>Urspr\u00fcngliche \u00dcberlegungen, Anwohnerinnen und Anwohner von der Mautpflicht zu befreien, sind laut ADAC vom Tisch: Eine solche Ungleichbehandlung w\u00fcrde gegen EU-Recht versto\u00dfen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der ADAC sieht im Tunnel zwar Vorteile f\u00fcr die Verkehrssicherheit und die Stausituation, bewertet die Mautpflicht aber als zus\u00e4tzliche finanzielle Belastung f\u00fcr Autofahrende. Au\u00dferdem warnt der Club vor m\u00f6glichem Ausweichverkehr auf Nebenstra\u00dfen und vor negativen Auswirkungen auf Tourismus und Berufspendler in der Region. Die Tourismuswirtschaft selbst bef\u00fcrchte, dass besonders Tagesausfl\u00fcgler und Skifahrende auf andere Ziele ausweichen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zu 30.000 Fahrzeuge nutzen die Fernpassroute an Spitzentagen \u2013 nicht zuletzt deshalb, weil die Strecke bislang eine der wenigen mautfreien M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Transitreisende von Deutschland nach Italien darstellt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Warum \u00fcberhaupt eine Naturschutzgenehmigung n\u00f6tig war<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zust\u00e4ndig war die Abteilung Umweltschutz der Tiroler Landesregierung, weil das Vorhaben Uferschutzbereiche von Flie\u00df- und Stillgew\u00e4ssern ber\u00fchrt \u2013 darunter den Gurglbach \u2013 sowie Auw\u00e4lder im Trassenbereich. Eine Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung hingegen ist nicht erforderlich: Das hatte die Landesregierung bereits 2018 in einem gesonderten Feststellungsverfahren entschieden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 52-seitige Bescheid h\u00e4lt unmissverst\u00e4ndlich fest, dass das Vorhaben erhebliche Eingriffe in Natur und Landschaft verursacht. Im Einzelnen werden folgende Beeintr\u00e4chtigungen beschrieben:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">29 gesch\u00fctzte Pflanzenarten sind direkt betroffen, darunter Orchideenarten wie das Rote Waldv\u00f6gelein, die Rotbraune Stendelwurz sowie Eibe und Spirke. An Pflanzengesellschaften gehen rund 19.385 Quadratmeter eines gesch\u00fctzten Fichten-Buchen-Tannen-Waldes sowie Teile weiterer gesch\u00fctzter Lebensraumtypen verloren. Der dauerhafte, nicht wiederherstellbare Waldverlust \u2013 nach Abzug aller geplanten Aufforstungen \u2013 betr\u00e4gt 4,07 Hektar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">45 gesch\u00fctzte Vogelarten sind betroffen. Am st\u00e4rksten trifft es das streng gesch\u00fctzte Haselhuhn: Im Bereich des S\u00fcdportals geht ein vollst\u00e4ndiges Brutrevier verloren, was laut Gutachten f\u00fcnf bis zehn Prozent der lokalen Haselhuhn-Reviere entspricht. Eine Wiederbesiedlung des rekultivierten Gel\u00e4ndes sei erst nach Ablauf der Bauzeit plus mindestens 50 Jahren zu erwarten. Ebenfalls betroffen sind Schwarz-, Gr\u00fcn- und Grauspecht, Waldkauz, Baumpieper sowie zahlreiche weitere Arten. Dar\u00fcber hinaus kommen im Projektgebiet gesch\u00fctzte Amphibien, Reptilien \u2013 darunter Schlingnatter und Kreuzotter \u2013, Flederm\u00e4use sowie mehrere Schmetterlingsarten vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Landschaftsbild wird durch die geplante Mautstation \u2013 bis zu 57 Meter breit und rund 360 Meter lang \u2013 sowie durch massive Hangsicherungen dauerhaft ver\u00e4ndert. Diese Eingriffe sind, so der Bescheid, nicht reversibel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beh\u00f6rde stuft die Beeintr\u00e4chtigungen der Schutzg\u00fcter Artenreichtum, Naturhaushalt und Landschaftsbild ausdr\u00fccklich als \u201estark&#8220; ein. Dennoch kommt sie nach einer Interessenabw\u00e4gung zu dem Ergebnis, dass die \u00f6ffentlichen Interessen \u00fcberwiegen: Konkret nennt der Bescheid die Sicherstellung einer ganzj\u00e4hrig verl\u00e4sslichen Verbindung des Au\u00dferferns mit dem Inntal, die Verbesserung der Verkehrssicherheit, den Abbau von Stausituationen sowie die Reduktion von L\u00e4rm- und Schadstoffbelastung f\u00fcr die Anwohner. Das Projekt ist Bestandteil des vom Tiroler Landtag beschlossenen \u201eFernpass-Pakets&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Genehmigung ist an umfangreiche Nebenbestimmungen gekn\u00fcpft. So m\u00fcssen Rodungsarbeiten au\u00dferhalb der Brutzeit der Vogelarten erfolgen \u2013 in der Regel vom 1. August bis 15. Februar des Folgejahres. Vor jedem Baubeginn sind betroffene Fl\u00e4chen unter Aufsicht einer \u00f6kologisch fachkundigen Person freizumachen; Amphibien, Reptilien und bestimmte Schmetterlingsarten m\u00fcssen abgesammelt und umgesiedelt werden. Das gesamte Projekt wird durch eine \u00f6kologische Baubegleitung \u00fcberwacht, die der Beh\u00f6rde j\u00e4hrliche Zwischenberichte vorzulegen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Wiederherstellung der betroffenen Lebensr\u00e4ume sind umfangreiche Ausgleichsma\u00dfnahmen vorgeschrieben: darunter die Anlage von Amphibienteichen, Ger\u00f6lllinsen, Strauchg\u00fcrteln und Totholzhaufen sowie Aufforstungen auf rund 3,82 Hektar mit Spirken und 6,89 Hektar mit Mischwald einschlie\u00dflich Eiben. Au\u00dferdem ist ein konsequenter Waldumbau zugunsten des Haselhuhns vorgesehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wirtschaftliche Dimension<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Standortanwalt f\u00fcr Tirol bezifferte im Rahmen der m\u00fcndlichen Verhandlung Ende Mai 2026 den wirtschaftlichen Effekt: Bei Nettoinvestitionen von rund 133 Millionen Euro entstehe ein Wertsch\u00f6pfungseffekt von rund 86 Millionen Euro, davon etwa 30 Millionen Euro in der Region. Der induzierte Besch\u00e4ftigungseffekt liege bei \u00fcber 1.000 Arbeitspl\u00e4tzen. \u00dcber die k\u00fcnftigen Mauteinnahmen sollen weitere Investitionen in die Fernpassstra\u00dfe in H\u00f6he von rund 500 Millionen Euro finanziert werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kritische Stimmen im Verfahren<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Landesumweltanwalt brachte im Verfahren erhebliche Bedenken vor. Er verwies auf eine B\u00fcrgerprotestbewegung im Au\u00dferfern, dokumentiert durch mehrere tausend Unterschriften, und bezweifelte die Vereinbarkeit des Projekts mit dem Verkehrsprotokoll der Alpenkonvention, das auf den Verzicht neuer hochrangiger Transitstra\u00dfen abzielt. Au\u00dferdem warnte er vor dem Effekt des \u201einduzierten Verkehrszuwachses&#8220;: Erfahrungsgem\u00e4\u00df generiere jede Kapazit\u00e4tserweiterung auch zus\u00e4tzlichen Verkehr. Erg\u00e4nzend regte er eine digitale Mautl\u00f6sung ohne station\u00e4re Mautstation an, wie sie bereits in anderen Alpenl\u00e4ndern eingesetzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beh\u00f6rde wies die Einw\u00e4nde zur\u00fcck. Die Fernpassstra\u00dfe sei keine \u201ehochrangige Stra\u00dfe&#8220; im Sinne der Alpenkonvention, da sie weder Autobahn noch mehrspurige kreuzungsfreie Stra\u00dfe sei und nach wie vor durch Ortsgebiete mit entsprechenden Tempolimits verlaufe. Eine Kapazit\u00e4tserh\u00f6hung sei nicht gegeben, weil die Engstelle Fernstein unver\u00e4ndert bestehen bleibe. Eine rein digitale Maut sei technisch nicht umsetzbar, wie die Antragstellerin glaubhaft dargelegt habe.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was noch fehlt \u2013 und wann es losgeht<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die naturschutzrechtliche Bewilligung ist eine von mehreren erforderlichen Genehmigungen. Noch ausstehend sind die wasserrechtliche und die forstrechtliche Bewilligung, die in gesonderten Verfahren erteilt werden m\u00fcssen. Erst wenn auch diese vorliegen, kann mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt: Gegen den Bescheid vom 2. Juli 2026 kann binnen vier Wochen Beschwerde beim Tiroler Landesverwaltungsgericht eingelegt werden. Eine rechtzeitig eingebrachte Beschwerde h\u00e4tte aufschiebende Wirkung. Ob der Landesumweltanwalt oder andere Verfahrensparteien von diesem Rechtsmittel Gebrauch machen werden, war bei Redaktionsschluss nicht bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bauvollendungsfrist ist laut Bescheid auf vier Jahre nach Arbeitsbeginn festgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\"><em>Text: Sven Ademi \u00b7 Foto: envato \u00b7 Quellen: Bescheid der Tiroler Landesregierung, Abt. Umweltschutz, Zl. U-NSCH-11\/195\/39-2026, datiert 2. Juli 2026; ADAC; erg\u00e4nzende Informationen von Dipl.-Ing. Hannes Ehrenbrandtner<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehrere H\u00fcrden stehen aber noch aus Das Amt der Tiroler Landesregierung hat am 2. Juli 2026 die naturschutzrechtliche Bewilligung f\u00fcr den Bau des Fernpasstunnels erteilt. Damit ist eine der zentralen beh\u00f6rdlichen Voraussetzungen f\u00fcr das Infrastrukturprojekt an der B179 Fernpassstra\u00dfe erf\u00fcllt. 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