{"id":42760,"date":"2026-04-30T08:19:47","date_gmt":"2026-04-30T06:19:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=42760"},"modified":"2026-04-30T08:19:48","modified_gmt":"2026-04-30T06:19:48","slug":"die-lechtaler-festtagstracht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2026\/04\/die-lechtaler-festtagstracht\/","title":{"rendered":"Die Lechtaler Festtagstracht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gab eine Zeit, in der die alte Festtagstracht im Lechtal beinahe verschwunden war. Kaum jemand trug sie noch, vieles war vergessen, manches schon verloren. Bei Prozessionen sah man kaum noch Frauen in Tracht \u2013 es reichte gerade noch f\u00fcr ein paar wenige. Doch dann begann ihre Rettung mit Rosa Perle, die \u201eSingers Larchers\u201d genannt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rosa Perle war aus Kraichen bei Bach und fasziniert von der Tracht. Sie war fest davon \u00fcberzeugt, sie n\u00e4hen zu k\u00f6nnen, auch wenn die Schalkdamen nicht ihrer Meinung waren. F\u00fcr die Trachtenfrauen war es klar, entweder man hatte die&nbsp; Tracht oder nicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nichtsdestotrotz lie\u00df sich Perle nicht entmutigen und begann in Bach und Stockach alte Teile der Schalktracht zu sammeln \u2013 Stoffreste, Stickereien, \u00dcberbleibsel einer fast vergessenen Zeit. Mit Geschick entwickelte sie Schnitte und tastete sich Schritt f\u00fcr Schritt vor. Doch eines fehlte ihr noch: das Wissen um die kunstvolle Stickerei. Also machte sie sich auf den Weg nach Giblen. Dort fand sie eine Frau, die ihr zeigte, wie die Stickerei geht. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Keine langen Erkl\u00e4rungen \u2013 nur ein paar klare Handgriffe: Gold- und Silberf\u00e4den \u00fcber Karton spannen, von unten fassen, festn\u00e4hen und fertig. Rosa Perle nahm dieses Wissen mit nach Hause und begann zu arbeiten. Sie trennte alte Stickereien auf und \u00fcbte sich daran. Stoffe zu bekommen war m\u00fchsam, Geld hatte sie wenig. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einem Jahr intensiver Arbeit ging sie in ihrer selbstgen\u00e4hten Schalktracht bei der Fronleichnamsprozession in Bach mit. Aus dieser einen Tracht wurde mehr. Mit Unterst\u00fctzung von ihrem Josef wurde sie zur \u201eTrachtenmutter\u201d. Sie n\u00e4hte und lehrte andere Frauen. F\u00fcr Rosa war die Tracht mehr als nur ein Gewand. Sie war Haltung, W\u00fcrde, Tradition und das brachte sie den Frauen auch bei: Offene Haare waren dagegen tabu. \u201eSchon wieder eine mit offenen Zotteln!\u201d, rief Perle, wenn sie eine Frau mit solch einer Frisur sah..<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Guidos Degasperis erste Begegnung mit der Tracht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diese Zeit fiel auch Degasperis erste bewusste Begegnung mit der Lechtaler Festtagstracht. \u201eEs war die Primiz von Franz Saurer, dem \u201aFr\u00e4nkas\u2019, dessen Wunsch es war, dass viele in alter Festtagstracht mit ihm gehen. Ich stand der Tracht bis dahin eher gleichg\u00fcltig gegen\u00fcber\u201d, erinnert sich Degasperi. \u201eSie war da \u2013 aber sie bedeutete mir nichts. Doch bei dieser Primiz bekam sie eine andere Bedeutung.\u201d&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jahre danach kehrte Degasperi mit seiner Frau nach Elbigenalp zur\u00fcck. Er war etwa 25 Jahre alt. Seine Frau konnte n\u00e4hen. Also gingen sie zu Rosa Perle. \u201eEs brauchte Zeit, bis sie uns annahm\u201d, erz\u00e4hlt Guido Degasperi. \u201eAber als sie es tat, \u00f6ffnete sie uns ihre Welt.\u201d Perle zeigte Guido Degasperis Frau das N\u00e4hen, das Sticken, die Feinheiten der Schalktracht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"707\" src=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/FA_05_26_Lechtaler-Trachten-02-1024x707.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-42684\" srcset=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/FA_05_26_Lechtaler-Trachten-02-1024x707.webp 1024w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/FA_05_26_Lechtaler-Trachten-02-300x207.webp 300w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/FA_05_26_Lechtaler-Trachten-02-150x104.webp 150w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/FA_05_26_Lechtaler-Trachten-02.webp 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Rosa Perle lie\u00df die Lechtaler Festtagstracht wieder aufleben und gab ihr Wissen an andere Frauen weiter. Auf dem Bild ist sie mit ihrem Mann Josef zu sehen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend sie bei Rosa Perle lernten, wurde Degasperi bewusst: Trotz Rosas jahrelangem Einsatz war die Tracht im Dorf immer noch fast verschwunden. Bei Prozessionen fehlten die Frauen in Tracht. Das wollte Guido Degasperi ndern. Er begann, von Haus zu Haus zu gehen, klopfte an T\u00fcren, sprach mit den Menschen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er erinnerte sie an das, was sie hatten \u2013 und an das, was Rosa Perle ihnen erm\u00f6glicht hatte. Bei der n\u00e4chsten Prozession gingen sie wieder mit Tracht: \u201eFr\u00e4nka Armella Saurer, Evi P\u00f6sch, Luisa Sto\u00df, Gertraud Lang. Ein kleines Bild \u2013 aber ein Zeichen\u201c, wie Guido Degasperi erz\u00e4hlt. Er sammelte alte Trachten, lie\u00df sie von Rosa Perle restaurieren und gab sie weiter. \u201eDie Freude an der Tracht kehrte zur\u00fcck. Immer mehr Menschen lie\u00dfen sich neue Trachten anfertigen\u201c, erinnert er sich zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Faden rei\u00dft nicht ab<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Rosa Perle \u00e4lter wurde und ihre H\u00e4nde nicht mehr sticken konnten, h\u00e4tte alles enden k\u00f6nnen. Doch sie hatte vorgesorgt. \u201eIda aus Bach \u00fcbernahm ihr Wissen. Sie n\u00e4hte weiter und gab ihr Wissen an&nbsp; Rosa Baldessari . Sie f\u00fchrte fort, was begonnen worden war und \u00fcbergab das Handwerk an ihre Tochter Agnes Baldessari. Und so riss und rei\u00dft der Faden nicht ab. Auch die N\u00e4herin Evi K\u00e4rle (Schlossers) trug durch ihre rettenden H\u00e4nde zur Erhaltung der Tracht bei\u201c, erkl\u00e4rt Degasperi.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e1991 gr\u00fcndete ich den Trachtenverein Elbigenalp und Umgebung. Was klein begann, wuchs. Heute ist er einer der gr\u00f6\u00dften in Tirol. Und die Tracht \u2013 sie lebt wieder\u201d, sagt Guido Degasperi nicht ohne Stolz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWenn ich heute zur\u00fcckblicke, dann sehe ich keine Stoffe und keine Muster. Ich sehe Menschen. Menschen, die nicht aufgegeben haben. Die sich nicht mit einem \u201aDas geht nicht\u2019 zufrieden gaben. Und ich sehe Rosa Perle. Wie sie dasteht \u2013 entschlossen, genau, unbeirrbar. Ohne sie g\u00e4be es vieles nicht mehr. Heute aber k\u00f6nnen wir sagen: Die alte Lechtaler Festtagstracht lebt. Und sie erz\u00e4hlt ihre Geschichte weiter \u2013 von Generation zu Generation\u201d, freut sich Trachtenexperte Guido Degasperi.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\"><em>Text: Sabina Riegger \u00b7 Foto: Arnold Wei\u00dfenbach<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gab eine Zeit, in der die alte Festtagstracht im Lechtal beinahe verschwunden war. 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