{"id":41291,"date":"2025-10-31T20:25:14","date_gmt":"2025-10-31T19:25:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=41291"},"modified":"2025-10-31T20:25:59","modified_gmt":"2025-10-31T19:25:59","slug":"75-jahre-hotel-geiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2025\/10\/75-jahre-hotel-geiger\/","title":{"rendered":"75 Jahre Hotel Geiger"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Im Wandel der Zeit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn er die Wahl gehabt h\u00e4tte, dann w\u00e4re Karl Geiger lieber Flugzeug-Mechaniker geworden als Koch. Aber manchmal hat das Leben etwas anderes mit einem vor, und aus welchem Grund auch immer, beugt man sich dem. \u201eVielleicht h\u00e4tte ich auch nein sagen k\u00f6nnen, aber dann dachte ich mir, die Eltern wissen es vielleicht besser. Ich war noch jung und hatte keine Vorstellung\u201c, so der 84-J\u00e4hrige. Heute w\u00fcrde er den Beruf nicht mehr w\u00e4hlen. Erst vor kurzem feierte er ein Jubil\u00e4um: 70 Jahre Koch und seit 75 Jahren gibt es das Hotel Geiger in Hopfen am See.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angefangen hat alles 1950, als die ersten Sommerfrischler, wie man damals die Touristen nannte, ins Allg\u00e4u kamen. Eine touristische Infrastruktur wurde peu \u00e1 peu aufgebaut, um es den G\u00e4sten so angenehm wie m\u00f6glich zu machen. Auch die Familie Geiger lie\u00df sich auf den Tourismus ein und er\u00f6ffnete eine Weinstube. Da war Karl Geiger sieben Jahre alt. Acht Jahre sp\u00e4ter war er Koch-Lehrling in einem erstklassigen Hotel in M\u00fcnchen. \u201eDas Regina-Palast-Hotel am Maximilianplatz war ein Luxushotel\u201c, erinnert sich Karl Geiger. Den Ausbildungsplatz bekam er \u00fcber seinen Lehrer vermittelt, der die M\u00fcnchner Familie pers\u00f6nlich kannte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eAus der Provinz gleich in die Gro\u00dfstadt war anfangs sehr ungewohnt. Es gab Zeiten, da wollte ich wieder nach Hause zur\u00fcck. Aber das war unm\u00f6glich. Was h\u00e4tten die Leute gesagt. Aufgeben kam nicht in Frage\u201c, erz\u00e4hlt Geiger. Also machte er das Beste daraus. Er wohnt bei Verwandten und so oft es ging schaute er sich ein Fu\u00dfballspiel von 1860 an. Die Bayernliga gab es damals noch nicht. \u201eDas war auch mitunter das Einzige, was ich in meiner Freizeit machen konnte. Wenn jemand Koch war, dann ist das gesellschaftliche Leben an einem vorbeigegangen. Man arbeitete am Wochenende und an den Feiertagen. Ein 12-Stunden-Arbeitstag war die Regel und das sechs Tage in der Woche. Das war \u00fcblich\u201c, beschreibt Karl Geiger seine Lehrzeit. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Berufsschule war am Rosenheimer Platz, zu der er einmal in der Woche ging. Einen Blockunterricht gab es damals nicht. \u201eMit heute ist das alles nicht vergleichbar. Es ging ziemlich rau in der K\u00fcche zu. Es waren riesige Gruppen mit hunderten von Essen. Da war jeder angespannt und da ging es dann ziemlich laut zu.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neue Eindr\u00fccke bekam der 84-J\u00e4hrige nach der Lehrzeit auch durch andere Betriebe, in denen er als Koch auf verschiedenen Posten gearbeitet hat. \u201eMeine Eltern haben es nicht gerne gesehen, dass ich in Schickimicki-Restaurants arbeite, weil sie der Meinung waren, dass ich das bei uns zu Hause so nie anwenden kann\u201c, erz\u00e4hlt der Hopfener. Dennoch war er in angesehenen Restaurants \u201eunterwegs\u201c und brachte viel Input mit nach Hause. Da war er 26 Jahre alt. W\u00e4hrend seiner Wanderzeit lernte er seine Frau Maria Franziska in Oberstdorf kennen. 1967 heirateten sie und 1974 haben sie den Betrieb \u00fcbernommen, nachdem aus der kleinen Weinstube ein Hotel geworden war, das dieses Jahr sein 75-j\u00e4hriges Bestehen feiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Hotel erz\u00e4hlt eine bewegende Geschichte famili\u00e4rer Gastfreundschaft im Allg\u00e4u. Dabei reichen die Wurzeln der Familie zum Auerberg und nach Eschach, wo die Eltern des heutigen Seniorchefs herstammten. Eine besondere Rolle spielte Ehefrau Maria Franziska Geiger, die alle nur als \u201ePetra\u201c kannten &#8211; ein Name, den sie w\u00e4hrend ihrer Zeit in Bad Reichenhall erhielt, wo sie als sechste Maria kurzerhand umbenannt wurde. \u201eEs war eine gl\u00fcckliche Zeit mit meiner Frau. Sie war mit dem Betrieb verwachsen. Sie war eine gro\u00dfartige und wertvolle Person\u201c, blickt Karl Geiger auf die sch\u00f6ne Zeit zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt zieht sich der Seniorchef aus der K\u00fcche zur\u00fcck. \u201eIch bin kein biologischer Wunderk\u00f6rper\u201c, lacht der 84-J\u00e4hrige. Sein Sohn Klaus Geiger, der das Hotel 2014 \u00fcbernahm, hat, anders als sein Vater, den Beruf des Kochs aus \u00dcberzeugung gew\u00e4hlt. Heute f\u00fchrt er den 60-Betten-Betrieb mit etwa 20 Mitarbeitern. Er wei\u00df, dass die Branche vor gro\u00dfen Herausforderungen steht: Steigende Energie- und Warenkosten, Personalmangel und ver\u00e4nderte gesellschaftliche Gewohnheiten pr\u00e4gen das Gesch\u00e4ft. Die Nachwirkungen der Pandemie wirken sich heute noch auf die Hotel- und Gastronomiebranche aus. Sie steht im Wettbewerb mit anderen Wirtschaftszweigen, die oft bessere Arbeitsbedingungen bieten, insbesondere geregelte Arbeitszeiten und mehr Freizeit und auch moderne Ausbildungskonzepte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWir m\u00fcssen umdenken\u201c, so Klaus Geiger. Viele seiner Kollegen und Kolleginnen haben bereits umstrukturiert. Auch er muss sich neu ausrichten. Er will eine \u201egestaffelte Reservierung ohne Zeitbegrenzung\u201c einf\u00fchren. Statt die H\u00e4lfte des Restaurants zum Beispiel um 19 Uhr und die andere H\u00e4lfte um 20 Uhr zu belegen, werden Reservierungen in kleineren Bl\u00f6cken vergeben. Das f\u00fchrt zu einem gleichm\u00e4\u00dfigeren Fluss von Bestellungen. \u201eDurch gestaffelte Bestellannahme erm\u00f6glicht die K\u00fcche eine qualitativ hochwertige und fehlerfreie Zubereitung. Die G\u00e4ste genie\u00dfen ohne Zeitdruck ihren Aufenthalt und profitieren von besserem Service und k\u00fcrzeren Wartezeiten. Diese Organisation erlaubt uns eine optimale Personalplanung, reduziert \u00dcberstunden und f\u00f6rdert ein positives Arbeitsklima \u2013 ein wichtiger Faktor f\u00fcr langfristige Mitarbeiterbindung\u201c, erkl\u00e4rt Klaus Geiger und hofft damit dem Fachkr\u00e4ftemangel entgegenzuwirken und auch den Stress des \u00c0 la Carte-Gesch\u00e4ftes f\u00fcr die K\u00fcche zu minimieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Info<\/strong><br><a href=\"http:\/\/www.hotel-geiger.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.hotel-geiger.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Text \u00b7 Foto: Sabina Riegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Wandel der Zeit Wenn er die Wahl gehabt h\u00e4tte, dann w\u00e4re Karl Geiger lieber Flugzeug-Mechaniker geworden als Koch. Aber manchmal hat das Leben etwas anderes mit einem vor, und aus welchem Grund auch immer, beugt man sich dem. \u201eVielleicht h\u00e4tte ich auch nein sagen k\u00f6nnen, aber dann dachte ich mir, die Eltern wissen es &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":513,"featured_media":41212,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"webmentions_disabled_pings":false,"webmentions_disabled":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false,"_share_on_mastodon":"0"},"categories":[33],"tags":[],"class_list":["post-41291","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-wirtschaft"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/muenchen.social\/@fuessenaktuell\/115470417204437154","error":""},"jetpack_sharing_enabled":true,"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-09-17 22:46:56","action":"delete","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/FA_11_25_Klaus_Karl-Geiger.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41291","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/513"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41291"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41291\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/41212"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41291"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41291"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41291"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}