{"id":37318,"date":"2024-08-31T12:19:03","date_gmt":"2024-08-31T10:19:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=37318"},"modified":"2024-08-31T12:19:18","modified_gmt":"2024-08-31T10:19:18","slug":"einen-menschen-in-seiner-einzigkeit-sehen-und-annehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2024\/08\/einen-menschen-in-seiner-einzigkeit-sehen-und-annehmen\/","title":{"rendered":"Einen Menschen in seiner Einzigkeit sehen und annehmen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">25 Jahre Hospizverein S\u00fcdliches Ostallg\u00e4u e.V. &#8211; Jubil\u00e4umsfeier ist am Samstag, 21. September 2024<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit 25 Jahren engagieren sich ehrenamtliche Sterbe- und Trauerbegleiter in F\u00fcssen. Sie begleiten Schwerstkranke und Sterbende, aber auch ihre Angeh\u00f6rigen. Die Hospizbegleiter sind eine wichtige, psychosoziale St\u00fctze und helfen bei den Herausforderungen, die dieser Abschiedsprozess mit sich bringt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Koordiniert wird die ehrenamtliche Arbeit durch den Verein Hospiz S\u00fcdliches Ostallg\u00e4u in F\u00fcssen, mit Sitz in der Augsburger Stra\u00dfe 56. Begonnen hat alles 1999, als Brigitte Engelhard-Lechner, Jutta Sch\u00e4fer und Lothar Schaffrath einen Kurs f\u00fcr Hospizbegleitung besuchten und durch ihr Engagement anschlie\u00dfend die Hospiz-Bewegung in den Altlandkreis F\u00fcssen brachten. Acht Jahre sp\u00e4ter wurde aus der Bewegung ein Verein, der heute 312 Mitglieder und 53 Sterbebegleiter z\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Anzahl der Helfer und Mitglieder wuchsen auch die b\u00fcrokratischen Anforderungen. Denn \u00fcber Mitgliedsbeitr\u00e4ge und Spenden allein kann sich die Institution nicht finanzieren und f\u00fcr einen Anspruch auf staatliche F\u00f6rderung wiederum m\u00fcssen hohe Auflagen erf\u00fcllt werden. Deshalb gibt es die Hospizbegleiterin Karina R\u00fcter, die den Verein als leitende Koordinatorin seit 16 Monaten hauptamtlich leitet. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie ist gelernte Intensiv-Krankenschwester und Palliative-Care-Fachkraft. F\u00fcr die Stelle im Hospizverein absolvierte sie zudem ein Seminar f\u00fcr F\u00fchrungskompetenz und eine Schulung zur Koordinatorin. Sterbebegleitung hei\u00dft es offiziell. Eine Begrifflichkeit, die zwar \u00fcblich ist, die die 55-J\u00e4hrige jedoch nicht passend findet: \u201eIch bin der Meinung, wir sind Lebensbegleiter. Deshalb spreche ich auch lieber von Hospizbegleitern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bedarf an neuen Hospizbegleitern besteht permanent, denn von den besagten 53 Ehrenamtlichen sind nicht alle in der ambulanten Betreuung aktiv. Zudem soll nach jeder abgeschlossenen Begleitung eine Pause von mindestens zwei Monaten eingelegt werden, um mit dem Erlebten abschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Lebens- und Trauerbegleiter kann grunds\u00e4tzlich jeder werden. Wer Interesse hat, durchl\u00e4uft zun\u00e4chst eine Art Bewerbungsgespr\u00e4ch mit der Koordinatorin. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEs ist nicht zu untersch\u00e4tzen, dieses Ehrenamt umzusetzen\u201c, ist sich die gelernte Krankenschwester bewusst. Die Ausbildung beginnt immer im Fr\u00fchjahr (das n\u00e4chste Seminar startet im M\u00e4rz 2025) und endet im Oktober. Die Module beinhalten die Themen Physiologische und pathologische Trauer, Gespr\u00e4chsf\u00fchrung, Konfliktbew\u00e4ltigung und Krisenintervention. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht um Rituale und auch um Selbstf\u00fcrsorge. Dabei merken manche Teilnehmer erst, dass sie der Aufgabe als Hospizbegleiter nicht, beziehungsweise noch nicht gewachsen sind, erkl\u00e4rt die geb\u00fcrtige Saarl\u00e4nderin. Keiner wird daraufhin gezwungen, das Seminar zu beenden. Wer die Ausbildung abschlie\u00dft, erh\u00e4lt bei einem Festakt sein Zertifikat. Aktuell sind die j\u00fcngsten Ehrenamtlichen 30 Jahre alt, der \u00c4lteste im Team 83 Jahre.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/FA_09_24_Karina-Rueter-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-37191\" srcset=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/FA_09_24_Karina-Rueter-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/FA_09_24_Karina-Rueter-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/FA_09_24_Karina-Rueter-390x220.jpg 390w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/FA_09_24_Karina-Rueter-150x84.jpg 150w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/FA_09_24_Karina-Rueter.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u201eIch habe Bewusstheit \nf\u00fcr mein eigenes \nLeben gewonnen\u201c &#8211; Karina R\u00fcter\nLeitende Koordinatorin<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ehrenamt ist der Kern der Hospiz- und Palliativarbeit und der Verein ist permanent auf der Suche nach Menschen, die diese Sache unterst\u00fctzen und dabei sein wollen. \u201eDie Arbeit gibt einem viel zur\u00fcck. Ich habe Bewusstheit f\u00fcr mein eigenes Leben gewonnen\u201c, berichtet Karina R\u00fcter. Das habe ihr Lebensqualit\u00e4t geschenkt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ebenso empfindet es Hospizbegleiter und 1. Vorsitzender des Vereins, Roger Gemmel. Er ist gelernter Maschinenbauingenieur. Nach seiner Pensionierung durchlief der geb\u00fcrtige Franke die Ausbildung zum Hospizbegleiter und ist vor vier Jahren in den Vereinsvorstand \u201erein gestolpert\u201c. \u201eSeit ich Hospizbegleiter bin, lebe ich bewusster und f\u00fcr den Moment.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Hospiz ist auf die Vermittlungsarbeit von Krankenh\u00e4usern, Pflegeeinrichtungen und \u00c4rzten angewiesen. Dabei hat jeder Mensch einen Anspruch auf Sterbebegleitung. Wer sie w\u00fcnscht, darf sich jederzeit an den Hospizverein wenden. Dieses Angebot steht auch Schwerstkranken und Sterbenden anderer Kulturen, Religionen, jeder Herkunft oder Orientierung offen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bisher habe nur ein einziges Mal eine t\u00fcrkische Frau darum gebeten, berichtet Gemmel. Das d\u00fcrfe sich gerne \u00e4ndern. Die 55-J\u00e4hrige ist \u00fcberzeugt: \u201eEs w\u00fcrde unsere Arbeit bereichern.\u201c Zwar ist der Verein durch seine Satzung allgemein an die christliche Kirche und ihre Werte gebunden, das sei jedoch eine Empfehlung, kein Muss. \u201eUnser Verein ist komplett offen. Daf\u00fcr stehe ich\u201c, bekr\u00e4ftigt der 62-J\u00e4hrige.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was Karina R\u00fcter an ihrer Arbeit so sch\u00e4tzt, ist die N\u00e4he zum Menschen. \u201eWir schenken Zeit.\u201c Die ehemalige Krankenschwester ist stets die Erste, die eine betroffene Person besucht. Dabei stellt sie viele, vor allem biographische Fragen. \u201eDie Menschen sind bereit und oft sogar froh, das alles zu erz\u00e4hlen. Es ist wahnsinnig ber\u00fchrend, was f\u00fcr Schicksale dahinterstehen oder was man f\u00fcr interessante Lebensgeschichten h\u00f6rt.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anschlie\u00dfend w\u00e4hlt die Fachkraft einen passenden Hospizbegleiter aus. In der Regel finden zwei Besuche pro Woche statt. Nach eigenem Ermessen der Ehrenamtlichen und in Absprache mit der Familie, ist sie beziehungsweise er zum Ende hin t\u00e4glich oder auch einmal bis sp\u00e4t in die Nacht vor Ort. Manche Menschen scheinen tats\u00e4chlich erst loszulassen, wenn sie sich noch etwas von der Seele reden konnten. \u201eDas erleben wir sehr oft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Regelm\u00e4\u00dfige Supervisionen, Aussprachen, Treffen sowie pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che mit den Ehrenamtlichen geh\u00f6ren genauso zur Hospizarbeit wie verschiedene Fort- und Weiterbildungen. Nicht zuletzt, da der Verein noch viel mehr bietet als die Ausbildung zum Hospizbegleiter und die ambulante Unterst\u00fctzung. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle paar Monate findet ein \u201eLetzte Hilfe Kurs \u2013 Am Ende wissen, wie es geht\u201c in den R\u00e4umen des Vereins statt. Ein Kurs, in dem \u201edas kleine Einmaleins der Sterbebegleitung\u201c vermittelt\u00a0 wird. Er richtet sich an alle, die sich \u00fcber die Themen rund um das Sterben, den Tod und Palliativversorgung informieren wollen. Der Kurs handelt von der Normalit\u00e4t des Sterbens als Teil des Lebens, beinhaltet jedoch auch praktische Aspekte wie die Patientenverf\u00fcgung oder eine Vorsorgevollmacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Trauerbegleitung ist eine weitere wichtige S\u00e4ule des Vereins. Es handelt sich um eine eigenst\u00e4ndige Ausbildung, die sich jedoch erg\u00e4nzend zum Hospizbegleiter anbietet. Immer am letzten Sonntag des Monats findet in den R\u00e4umen des Hospizvereins das \u201eTrauercaf\u00e9 Lichtblick\u201c statt. In dieser sicheren, geborgenen Atmosph\u00e4re haben Trauernde von 14 bis 16 Uhr Gelegenheit, Erfahrungen zu teilen oder einfach nur da zu sein &#8211; um sich weniger allein zu f\u00fchlen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trauernde, die das Bed\u00fcrfnis haben, k\u00f6nnen auch gerne zu pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen in die Augsburger Stra\u00dfe kommen. Sch\u00f6n sei, dass aktuell auch mehr M\u00e4nner dieses Angebot in Anspruch nehmen, sagt die ehemalige Krankenschwester.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 21. September feiert der Verein Hospiz S\u00fcdliches Ostallg\u00e4u sein Jubil\u00e4um mit einem Tag der offenen T\u00fcr. Im Hof des Geb\u00e4udes mit den blauen Fensterl\u00e4den und in seinen R\u00e4umen stellt sich der Verein und die Hospizarbeit vor. Verschiedene Vortr\u00e4ge sind geplant und an einem Infostand beantworten Ehrenamtliche und Mitarbeiter gerne die Fragen der Besucher. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Vorstandsvorsitzende und die Koordinatorin freuen sich auf zahlreiche G\u00e4ste, neue Vereinsmitglieder und Menschen, die Interesse an der Ausbildung zum Hospizbegleiter haben. Erreichbar ist das Team des Hospizvereins telefonisch von 9 bis 12 Uhr. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Anrufbeantworter wird bis 17 Uhr regelm\u00e4\u00dfig abgeh\u00f6rt. In Notf\u00e4llen springt die SAPV, die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung Kaufbeuren-Ostallg\u00e4u ein. Gl\u00fccklicherweise gibt es im Landkreis ein gutes Palliativ-Netzwerk, wie die hauptamtliche Mitarbeiterin erw\u00e4hnt. Auf der Homepage des Vereins finden sich alle Informationen und Angebote unter <a href=\"http:\/\/www.hospiz-fuessen.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.hospiz-fuessen.de<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\"><em>Text: Selma Hegenbarth \u00b7 Fotos: Hospizverein S\u00fcdliches Ostallg\u00e4u e.V.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>25 Jahre Hospizverein S\u00fcdliches Ostallg\u00e4u e.V. &#8211; Jubil\u00e4umsfeier ist am Samstag, 21. September 2024 Seit 25 Jahren engagieren sich ehrenamtliche Sterbe- und Trauerbegleiter in F\u00fcssen. Sie begleiten Schwerstkranke und Sterbende, aber auch ihre Angeh\u00f6rigen. 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