{"id":33441,"date":"2023-10-27T12:11:55","date_gmt":"2023-10-27T10:11:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=33441"},"modified":"2023-10-27T12:11:55","modified_gmt":"2023-10-27T10:11:55","slug":"flechten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2023\/10\/flechten\/","title":{"rendered":"Flechten"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tolle Heilmittel aus der Natur<\/h2>\n\n\n\n<p>Flechten? Doch, Sie kennen sie garantiert alle, besonders durch ein sehr bekanntes Produkt zum Lutschen aus dem Isl\u00e4ndisch Moos, das es schon seit vielen Jahrzehnten zur Linderung bei Heiserkeit, Halsbeschwerden und Hustenreiz, aber auch gegen Mundtrockenheit vielf\u00e4ltiger Art gibt, z.B. durch die Einnahme bestimmter Medikamente. Aber was sind eigentlich Flechten? Sie sind eine sehr interessante sogenannte \u201eSymbiose\u201c, das bedeutet eine Lebensgemeinschaft zu gegenseitigem Nutzen, zwischen einem Pilz und einer Alge. <\/p>\n\n\n\n<p>Namensgebend ist f\u00fcr die Flechte meist der Pilz, da er die Form und Struktur der Flechte bestimmt. Wie diese beiden sich wohl zusammen gefunden haben, um sich gegenseitig das Leben zu erleichtern, liegt nun wirklich in sehr grauer Vorzeit. Wissenschaftler konnten zwar nur sehr wenige fossile \u00dcberreste finden, aber vermutlich besiedelten Flechten die Erde bereits seit Ende des Pr\u00e4kambriums, also sprich vor rund 600 Millionen Jahren. <\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6glicherweise besiedelten sie sogar noch vor den \u201enormalen\u201c Pflanzen das Festland und haben sich bis heute erfolgreich durchgesetzt. Heute gibt es immer noch weltweit mehr als 25000 Arten, so sind z.B. in \u00d6sterreich etwa 2800 heimisch. Tats\u00e4chlich geht die Entstehungsgeschichte nicht auf eine gemeinsame Stammart zur\u00fcck, aber dieses Modell des Zusammenlebens hat sich wohl durch die ganzen Zeiten einfach super bew\u00e4hrt. <\/p>\n\n\n\n<p>So, jetzt kommen wir wir mal im naturheilkundlichen Sinne zu den zwei \u201eSuperstars\u201c aus dem Bereich der Flechten, n\u00e4mlich dem Isl\u00e4ndisch Moos und der Bartflechte. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Isl\u00e4ndisch Moos (Lichen islandica)<\/strong> geh\u00f6rt zur Gruppe der sog. Sch\u00fcsselflechten. Der Name \u201eIslandica\u201c verweist vermutlich auf die erste Benutzung als Heil- und Nahrungspflanze durch die Isl\u00e4nder. Rentiere k\u00f6nnen \u00fcbrigens nur durch die Abweidung von Flechten den harten Winter \u00fcberleben \u2013 mit ihren Hufen graben sie diese aus, damit sie etwas zu fressen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verwendung als Heilpflanze hat doch eine erstaunlich lange Tradition: Bereits seit dem Altertum verwendeten die Chinesen und \u00c4gypter Flechten als Heilpflanzen. Und, wie bereits oben schon erw\u00e4hnt, setzten die Isl\u00e4nder als erste Europ\u00e4er das \u201eIsl\u00e4ndisch Moos\u201c medizinisch ein. <\/p>\n\n\n\n<p>Generationen von isl\u00e4ndischen Frauen sammelten es f\u00fcr den h\u00e4uslichen Bedarf. Sie nannten es damals \u201eFfj\u00e4llagr\u00f6s\u201c, \u00fcbersetzbar etwa mit \u201eFelsengras\u201c. Erst sp\u00e4ter wurde seine Heilkraft in Mitteleuropa bekannt. Urban Hj\u00e4rne (1641-1724), ein schwedischer Arzt und Naturforscher, f\u00fchrte erste chemische Untersuchungen durch und empfahl es als Arzneimittel.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber danach dauerte es nochmal gut 100 Jahre, bis es auf Empfehlung Carl von Linn\u00e9s, des ber\u00fchmten Botanikers, in den allgemeinen Gebrauch aufgenommen wurde. Daraufhin geh\u00f6rte diese \u201ePflanze\u201c besonders zu Ende des 18. Jahrhunderts zu den wichtigsten Heilmitteln. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie k\u00f6nnen wir heutzutage das auch sogenannte Lungen- oder Fiebermoos (obwohl, wie Sie ja schon erfahren haben, gar kein Moos ist) verwenden? Die beste Methode ist einfach, daraus herstellte Pastillen zu lutschen. Der Hauptbestandteil sind die zwischen 50-70% enthaltenen Schleimstoffe, die besonders beruhigend sind und sich reizlindernd wie ein Schutzfilm auf die Schleimh\u00e4ute, nicht nur im Rachenraum, sondern sogar in den Magen-Darm-Bereich legen. <\/p>\n\n\n\n<p>Gerade im Halsbereich werden wir alle, besonders in der Herbst-Winter-Zeit, gerne mit Krankheitserregern bombardiert. Durch die Atemluft, aber auch durch das Zusammentreffen mit vielleicht nicht so ganz gesunden Mitmenschen werden unsere Abwehrkr\u00e4fte jeden Tag aufs Neue herausgefordert. Kommen dann noch die trockene Heizungsluft oder andere negative Faktoren wie z.B. Smog oder Tabakrauch dazu, haben die Erreger ein sehr leichtes Spiel. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Folgen sind dann klar: Hals-und Rachen-Reizungen, trockener Husten und die \u00fcberaus l\u00e4stige Heiserkeit. Hier legen sich die wohltuenden Wirkstoffe wie eine Art Balsam \u00fcber die geplagte Schleimhaut, beruhigen und regenerieren. Gerade die Stimmb\u00e4nder profitieren im besonderen Ma\u00dfe davon, also daher auch ein ganz prima \u201eS\u00e4ngermittel\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es gibt noch andere, sehr interessante Inhaltsstoffe: Die sog. Cetrars\u00e4ure hat eine schwach antibiotische und tuberkulostatische Wirkung und die Usnins\u00e4ure wirkt entz\u00fcndungshemmend. Hier sind selbstverst\u00e4ndlich wieder mal isl\u00e4ndische Forscher an vorderster Front. Sie wiesen in den letzten Jahren bei Labortests sogar Aktivit\u00e4ten gegen die Keime Helicobacter pylorus und Staphylococcus aureus nach, allein schon durch die immunstimulierende Wirkung. In dieser Richtung wird mit Sicherheit noch sehr viel Spannendes zu erwarten sein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/FA_11_23_Bartflechte-1024x684.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33442\" srcset=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/FA_11_23_Bartflechte-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/FA_11_23_Bartflechte-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/FA_11_23_Bartflechte-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/FA_11_23_Bartflechte.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Jetzt kommen wir zum zweiten unserer \u201eFlechten-Sch\u00e4tzchen\u201c, n\u00e4mlich der <strong>Bartflechte (Usnea barbata)<\/strong>. Bevor es zu Verwirrungen kommt: Falls Sie im Internet unter dem Namen \u201eBartflechte\u201c suchen sollten, werden Sie mit Sicherheit auch auf eine Pilzerkrankung der behaarten Gesichtshaut des Mannes sto\u00dfen, die sich ebenfalls Bartflechte (Tinea barbae) nennt. Sie \u00e4u\u00dfert sich mit teilweise gro\u00dfen, knotigen und entz\u00fcndlich geschwollenen Hautver\u00e4nderungen im Bartbereich, die sehr schmerzhaft sein k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das hat Gott sei Dank mit unserer \u201eguten\u201c Bartflechte nichts zu tun, ganz im Gegenteil! Bartflechtenextrakt wird \u00e4hnlich wie das Isl\u00e4ndisch Moos als Lutschpastillen bei Problemen des Hals-Rachen-Raumes eingesetzt. Hier wird gerne kombiniert mit Gummi arabicum aus Akazien und einem Birnensaft-Konzentrat als S\u00fc\u00dfungsmittel. Und, was nat\u00fcrlich ganz toll ist: Gut vertr\u00e4glich in der Schwangerschaft, denn das ist ja nicht immer ganz so einfach\u2026 <\/p>\n\n\n\n<p>Aber wichtig: Das gilt nur f\u00fcr diese speziellen Lutschpastillen! Bartflechten werden eigentlich schon seit Menschengedenken als hochwirksame Heilmittel gesch\u00e4tzt. Soweit es meinem Kenntnisstand entspricht, waren sie sogar seit Tausenden von Jahren sehr bew\u00e4hrte \u201eWundauflagen\u201c, aufgrund ihrer antibiotischen Wirkung. Also, \u00d6tzi k\u00f6nnte diese Art der Behandlung durchaus schon gekannt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider sind Produkte aus der Bartflechte sehr in Vergessenheit geraten \u2013 wie schade! Aber es gibt einen Schimmer am Horizont: Denn, je gravierender das Problem mit multiresistenten, sprich antibiotikaresistenten Keimen wird, desto eher k\u00f6nnten die Bartflechten eine Renaissance erleben, denn sie haben wirklich eine sehr starke F\u00e4higkeit zur Behandlung von Infektionskrankheiten aller Art, sei es durch Bakterien, Pilze oder Viren. <\/p>\n\n\n\n<p>Klar ist das alles noch Zukunftsmusik, aber ich finde es einfach super, dass Wissenschaftler sich die M\u00fche machen, da am Ball zu bleiben! Sogar in der Krebsmedizin sind die Bartflechten Hoffnungstr\u00e4ger, sie w\u00e4ren nicht die ersten, man denke nur an Eibe oder Mistel!<\/p>\n\n\n\n<p>Wie schon gesagt, sind Bartflechten aufgrund der darin enthaltenen Usnins\u00e4ure stark antibakteriell. Besonders gut ist die Wirkung eines daraus hergestellten Extraktes gegen Keime, die bei der Entstehung von Akne und unreiner Haut beteiligt sind. Des Weiteren konnte die anti-entz\u00fcndliche Wirkung eines daraus zubereiteten Wundstreupulvers seit alters her nachgewiesen werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch gilt die Bartflechte als \u201ePflanze\u201c mit einem sehr geringen Reizpotential und ist deshalb f\u00fcr einen dermatologischen Einsatz besonders gut geeignet. Eine Bartflechten-Tinktur f\u00fcr den \u00e4u\u00dferlichen Gebrauch ist relativ leicht herzustellen: 2 TL getrocknete Bartflechte, zerkleinert oder pulverisiert (Aber bitte nichts den Rentieren wegnehmen!) mit 20 TL Wodka auff\u00fcllen. Ungef\u00e4hr 2 Wochen durchziehen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann bei Bedarf abfiltrieren und in kleine Flaschen mit Pipette abf\u00fcllen. Verwendung: bei akuten Entz\u00fcndungen im Mund- und Rachenraum, Reizhusten und Schluckbeschwerden wirkt diese Tinktur Beschwerden lindernd. Hierbei werden 20-50 Tropfen in ein Glas lauwarmes Wasser gegeben und damit mehrmals t\u00e4glich gegurgelt oder der Mund ausgesp\u00fclt. In eine Spr\u00fchflasche abgef\u00fcllt, verd\u00fcnnt mit etwas Wasser dient sie als ein hervorragendes Desinfektionsmittel.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Apothekerin<br>Simone Wagner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tolle Heilmittel aus der Natur Flechten? Doch, Sie kennen sie garantiert alle, besonders durch ein sehr bekanntes Produkt zum Lutschen aus dem Isl\u00e4ndisch Moos, das es schon seit vielen Jahrzehnten zur Linderung bei Heiserkeit, Halsbeschwerden und Hustenreiz, aber auch gegen Mundtrockenheit vielf\u00e4ltiger Art gibt, z.B. durch die Einnahme bestimmter Medikamente. 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