{"id":27620,"date":"2022-02-25T01:54:13","date_gmt":"2022-02-25T00:54:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=27620"},"modified":"2022-02-25T01:54:20","modified_gmt":"2022-02-25T00:54:20","slug":"katholische-kirche-gleich-amtskirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2022\/02\/katholische-kirche-gleich-amtskirche\/","title":{"rendered":"Katholische Kirche ist nicht gleich Amtskirche"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Seit drei Jahrzehnten ist Manfred Sailer in der Kirche als ehrenamtlicher Mitarbeiter aktiv. Unter anderem 30 Jahre im Pfarrgemeinderat, davon 16 Jahre als Vorsitzender, 16 Jahre Vorsitzender im Dekanatsrat Marktoberdorf und seit \u00fcber 30 Jahren Vorsitzender der Kolpingfamilie F\u00fcssen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Glaube hat f\u00fcr den F\u00fcssener einen gro\u00dfen Stellenwert. Dazu geh\u00f6rt auch sein Engagement f\u00fcr die Kirche. Seit einigen Jahren verliert die Kirche jedoch immer mehr an Glaubw\u00fcrdigkeit. Kirchenaustritte, aber auch Frustration und Entt\u00e4uschung nehmen immer mehr unter den Gl\u00e4ubigen. Manfred Sailer ist der festen \u00dcberzeugung, dass die Kirche trotz ihrer Missbrauchsskandale viel Gutes tue. \u201eJeder Missbrauch ist ein Missbrauch zu viel. Das darf und kann man nicht entschuldigen. Dagegen muss man vorgehen und die Betreffenden zur Rechenschaft ziehen. Allerdings neigt unsere Gesellschaft dazu, negative Geschehnisse auf eine Berufsgruppe, Institution, Religion oder auch auf die Herkunft zu verallgemeinern, oder gar zu reduzieren. Das ist etwas, was ich nicht guthei\u00dfe\u201c, so Sailer. Wie er das meint und was er generell von der Institution Kirche h\u00e4lt, wollten wir in einem Gespr\u00e4ch mit ihm wissen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Herr Sailer, k\u00f6nnen Sie noch f\u00fcr die katholische Kirche ehrenamtlich t\u00e4tig sein, nachdem diese viel an Glaubw\u00fcrdigkeit verloren hat?<\/strong><br>Ja, nat\u00fcrlich und deshalb stehe ich gerne als Kandidat im M\u00e4rz bei den Wahlen f\u00fcr den Pfarrgemeinderat wieder auf der Kandidatenliste. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist es wichtig, wie Glaube in den Gemeinden vor Ort gelebt wird und, dass die Werte und das Gute, das durch Kirche und kirchliche Institutionen und unz\u00e4hlig viele Ehrenamtliche Tag f\u00fcr Tag getan wird, weitergef\u00fchrt wird. Zurzeit ist leider der Missbrauchsskandal unmittelbar nach Corona in den Schlagzeilen ganz oben und das Positive geht einfach unter und findet bedauerlicherweise kaum noch Erw\u00e4hnung. Glaubw\u00fcrdigkeit hat f\u00fcr mich nicht die katholische Kirche verloren, sondern die \u201eAmtskirche\u201c, ein Begriff der irgendwo immer herumschwirrt, mit dem ich eigentlich nicht viel anfangen kann. Am meisten, so meine pers\u00f6nliche Meinung, hat die Glaubw\u00fcrdigkeit durch die Versuche gelitten, alles unter einen Teppich zu kehren, dieses unselige Vertuschen hat meines Erachtens den Schaden betr\u00e4chtlich gesteigert. Mir missf\u00e4llt besonders die fehlende Solidarit\u00e4t mit Opfern und Betroffenen, w\u00e4hrend man versucht, die T\u00e4ter zu decken. Es scheint, einige der \u201ehohen Herren\u201c waschen ihre H\u00e4nde viel lieber in Unschuld, wie ehedem Pontius Pilatus in Jerusalem. Die Antwort darauf muss ja nicht gleich so radikal sein wie bei Mt 18,6: \u201eWer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum B\u00f6sen verf\u00fchrt, f\u00fcr den w\u00e4re es besser, dass ein M\u00fchlstein um seinen Hals geh\u00e4ngt und er im Meer ers\u00e4uft w\u00fcrde, wo es am tiefsten ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Oft werden Doppelmoral und Kirche in einem Atemzug genannt. Was meinen Sie dazu? Herrscht in der Kirche eine gewisse Doppelmoral?<\/strong><br>Das m\u00f6chte ich nicht grunds\u00e4tzlich von der Hand weisen, mir f\u00e4llt da spontan der alte Spruch ein: \u201eWasser predigen und Wein trinken.\u201c Es wird in heutiger Zeit l\u00e4ngst nicht mehr von allen widerspruchslos hingenommen, wenn man immer wieder auf die christlichen Gebote hingewiesen wird, vor allem dann nicht von denjenigen, wenigen Bisch\u00f6fen oder Kardin\u00e4len, die sich in dieser schweren Krise alles andere als vorbildlich verhalten und selber nicht danach handeln. Gott sei Dank nicht die Mehrheit der sogenannten Oberhirten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was erwarten Sie von einem Bischof?<\/strong><br>Der Bischof als Oberhirte hat die Verantwortung f\u00fcr das Geschehen in seiner Di\u00f6zese r\u00fcckhaltlos zu tragen, es ist z.B. nicht damit abgetan, eine Auszeit zu nehmen (Bischof W\u00f6lki) und dann zur\u00fcckzukommen als w\u00e4re nichts geschehen. Auch das Rumgeeiere eines Papsts emer. Benedikt XVI auf 82 Seiten (vielleicht sogar bis hin zur L\u00fcge!) ist mehr als besch\u00e4mend. Ein einfacher, ehrlicher Satz \u201emea culpa\u201c ohne Wenn und Aber, vor allem rechtzeitig und nicht erst nach immer gr\u00f6\u00dfer werdendem und berechtigtem Druck durch die \u00d6ffentlichkeit, w\u00e4re mehr als angebracht und wahrlich christlich gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sie sagten, dass unsere Gesellschaft, um es salopp auszudr\u00fccken, alles in einen Topf wirft. Wie meinen Sie das genau?<\/strong><br>Es ist nicht nur im kirchlichen Bereich so, dass vieles verallgemeinert wird, ganze Gruppierungen immer wieder pauschal angegriffen oder verurteilt werden. Es ist ja nicht die Kirche, schon gar nicht die vor Ort, die angeklagt wird, es sind einzelne Menschen, die diese Taten begangen haben und sich daf\u00fcr letztlich vor Gott und ihrem Gewissen verantworten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn Sie die M\u00f6glichkeit h\u00e4tten, etwas in der Kirche zu ver\u00e4ndern, was w\u00e4re das?<\/strong><br>Es sind ja Gott sei Dank immer wieder Bestrebungen vorhanden wie zum Beispiel zurzeit gerade der \u201esynodale Weg\u201c, die Reformen und \u00c4nderungen berechtigterweise anmahnen und einfordern, wohlgemerkt in gut \u00fcberdachten und langsamen, aber notwendigen Schritten f\u00fcr eine gute Zukunft unserer Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mehr Demokratie und Mitspracherecht der Laien w\u00fcrden sicher nicht schaden, was spr\u00e4che dagegen, wenn gew\u00e4hlte Gremien bei der Wahl eines neuen Bischofs geh\u00f6rt werden w\u00fcrden?<\/strong><br>Auch die Stellung der Frau in der Kirche ist ein Thema, das wohl l\u00e4ngst ernsthaft in Angriff genommen werden m\u00fcsste. Wenn man in die kirchlichen Gremien vor Ort schaut, wer ist denn da in der \u00dcberzahl?<br>Nicht zuletzt auch das immer wieder in der Kritik stehende Z\u00f6libat. Hatte nicht Petrus als unmittelbarer Nachfolger Christi eine Schwiegermutter?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch<\/strong><br>Ich habe f\u00fcr Ihr Interesse an diesem emotionalen Thema zu danken.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Die Fragen stellte Alexander Berndt \u00b7 Foto: privat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit drei Jahrzehnten ist Manfred Sailer in der Kirche als ehrenamtlicher Mitarbeiter aktiv. Unter anderem 30 Jahre im Pfarrgemeinderat, davon 16 Jahre als Vorsitzender, 16 Jahre Vorsitzender im Dekanatsrat Marktoberdorf und seit \u00fcber 30 Jahren Vorsitzender der Kolpingfamilie F\u00fcssen Der Glaube hat f\u00fcr den F\u00fcssener einen gro\u00dfen Stellenwert. 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