{"id":26514,"date":"2021-10-01T13:55:52","date_gmt":"2021-10-01T11:55:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=26514"},"modified":"2021-10-01T13:56:00","modified_gmt":"2021-10-01T11:56:00","slug":"unterwegs-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2021\/10\/unterwegs-2\/","title":{"rendered":"Unterwegs"},"content":{"rendered":"\n<p>Sepp K\u00f6pf war viel unterwegs. Es waren Reisen, die ihn bis heute gepr\u00e4gt haben. Das wovon andere manchmal tr\u00e4umten, hat er erleben d\u00fcrfen: Fremde Kulturen kennenlernen, die ungew\u00f6hnlichsten Ger\u00fcche wahrnehmen, an den sch\u00f6nsten Str\u00e4nden schlafen und Dinge erleben, die sch\u00f6n und schaurig, gef\u00e4hrlich und am\u00fcsant waren. Wenn er daran zur\u00fcckdenkt, l\u00e4chelt er. Er m\u00f6chte keine Sekunde davon missen, geschweige denn einen einzigen Tag. \u201eDiese Reisen haben mich gepr\u00e4gt\u201c, sagt der heute 64-J\u00e4hrige.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn er alle seine Reisen zusammenfasst, dann war er sieben Jahre unterwegs. Das Erlebte hat er in Tageb\u00fcchern festgehalten und mit all seinen Gedanken und Emotionen niedergeschrieben. Selbst die vielen Ger\u00fcche in S\u00fcdamerika oder Asien hat er in Worten zusammengefasst. Daraus hat er ein sehr pers\u00f6nliches und interessantes Reisebuch geschrieben und mit Bildern untermalt, es hei\u00dft \u201eUnterwegs\u201c. \u201eJedes Mal wenn ich die Tageb\u00fccher las, erlebte ich die Reise noch einmal. Ich nahm die Ger\u00fcche war, den Trubel oder manchmal f\u00fchlte ich auch die Stille\u201c, erz\u00e4hlt der Schwangauer. Schreiben ist f\u00fcr Sepp K\u00f6pf nicht nur eine Ausdrucksform. \u201eF\u00fcr mich bedeutet Schreiben sehr viel. Es beruhigt, die Reflexion des Erlebten ist intensiver und die Wahl der W\u00f6rter ist bedachter. Ein geschriebenes Wort bleibt und irgendwie ist es auch eine Therapie\u201c, sagt er.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"804\" src=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-03-1024x804.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-26441\" srcset=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-03-1024x804.jpg 1024w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-03-300x236.jpg 300w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-03-20x16.jpg 20w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-03.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Die Reisen f\u00fchrten Sepp K\u00f6pf neben S\u00fcdamerika unter anderem auch nach Thailand, China, Kambodscha, Tansania, Costa Rica, Japan, Nepal, Guinea, Kalifornien und vielen anderen L\u00e4ndern.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am 4. Dezember 1977 ging die gro\u00dfe Reise nach S\u00fcdamerika los. Freunde, Familie und Bekannte kamen, um sich von ihm zu verabschieden. Selbst die Blasmusik fehlte nicht. \u201eEs war echt der Wahnsinn. Unsere Nachbarin Resi hatte f\u00fcr jeden von uns eine geweihte Kerze und ein F\u00fcnf-Mark-St\u00fcck hergerichtet, was sie v\u00f6llig in Tr\u00e4nen aufgel\u00f6st \u00fcbergab\u201c, steht in seinem Tagebuch. Heute kann Sepp K\u00f6pf verstehen, welche \u00c4ngste die M\u00fctter und Gro\u00dfm\u00fctter um ihre S\u00f6hne und Enkel hatten. \u201eEs war ja nicht so wie heute. Wir waren nicht \u00fcberall und st\u00e4ndig erreichbar. Meine Mutter schickte mir an das Postamt Briefe oder in die Botschaft. Manchmal dauerte es Wochen bis sie einen Brief von mir und ich von ihr bekam.\u201c Lediglich einmal hat er in der ganzen Zeit von sechs Monaten telefoniert. \u201eDrei Minuten haben damals 56 Mark gekostet\u201c, erinnert er sich. Von seinen Reisen nahm er viel mit. Erkenntnisse, aber auch interessante Gesch\u00e4ftsideen, die er dann sp\u00e4ter mit seinem Bruder Barny umsetzte. In Brasilien gab es die sogenannten \u201eLanchonetes\u201c und \u201eBotequim\u201c (Eckkneipe) eine Mischung aus Restaurant, Kneipe und Imbissbude, die sie aufgrund ihres geringen Reisebudgets oft aufsuchten. Denn dort konnte man g\u00fcnstig essen und trinken und man traf viele gleichgesinnte Menschen. Diese Idee nahmen sie mit. So wurde aus dem \u201eMilchh\u00e4usl\u201c, einem kleinen, ehemaligen Molkereigesch\u00e4ft, eine \u201eLanchonete\u201c. Der Erfolg blieb nicht aus, ganz im Gegenteil. Die zentrale Lage und den netten Biergarten fanden die G\u00e4ste urig und das Kleinod entwickelte sich immer mehr zu einem Szene-Treffpunkt f\u00fcr Globetrotter und f\u00fcr jene die auf der Suche nach Abenteuer und Tr\u00e4umen waren. Jeder, der rein kam, sah sogleich die Weltkarte mit vielen Pins darauf. Das waren Pl\u00e4tze, wo Sepp und Barny K\u00f6pf unterwegs waren. Hier entstand auch die Idee, mit dem Rad nach Indien zu fahren. Man sagt, wenn man einmal eine l\u00e4ngere Reise gemacht hat, dass man s\u00fcchtig nach mehr wird. So war es bei Sepp K\u00f6pf. \u201eEs war wie ein Trieb\u201c, nickt er bejahend. Nur zwei Jahre nach der Er\u00f6ffnung des \u201eMilchh\u00e4usls\u201c 1980, hielt ihn nichts mehr zur\u00fcck. Dieses Mal sollte seine Reise nach Indien gehen und zwar mit dem Fahrrad &#8211; ein Unterfangen, das zu der damaligen Zeit recht ungew\u00f6hnlich war. Heute ist das Rennrad samt der Route im Schaufenster des Fahrradverleihs \u201eTodos\u201c in Schwangau zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"712\" src=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-04-1024x712.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-26442\" srcset=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-04-1024x712.jpg 1024w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-04-300x209.jpg 300w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-04-20x14.jpg 20w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-04.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Sepp K\u00f6pf hat viele interessante Menschen getroffen. \nMit manchen hat er heute noch Kontakt.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sepp K\u00f6pf kann sich noch an die Frage seiner Mutter erinnern, als er sagte, dass er wieder unterwegs sein wird: Du bist doch gerade erst gekommen, musst Du jetzt schon wieder gehen? \u201e Es ist nicht leicht, wenn man wieder nach Hause zur\u00fcck kommt. Man hat sich vielleicht etwas abgesondert, weil man vieles gesehen und erlebt hat. Pl\u00f6tzlich f\u00fchlt man sich fremd und beengt. Das Reisen hat mich reifer und verst\u00e4ndnisvoller gemacht. Man betrachtet pl\u00f6tzlich Dinge und Situationen aus verschiedenen Perspektiven. Kurz gesagt, der eigene Horizont erweitert sich\u201c, erz\u00e4hlt er aufrichtig. Tats\u00e4chlich kam dann irgendwann die Sehnsucht, Deutschland zu verlassen und nach Brasilien auszuwandern. \u201eIch bin mit meiner Frau und unserer Tochter 2003 nach Brasilien gezogen. Es war die gl\u00fccklichste Zeit in unserem Leben. Wir hatten ein kleines H\u00e4uschen am Strand. Ich kann jederzeit dort Urlaub machen. Brasilien hat sich seitdem ge\u00e4ndert und ich auch. Heute haben Menschen in meinem Alter die \u00e4rztliche Versorgung im Blick und nicht unbedingt das Abenteuer\u201c, lacht K\u00f6pf. Seine Familie wollte wieder zur\u00fcck ins Allg\u00e4u und er folgte ihr. Das war 2014.<\/p>\n\n\n\n<p>S\u00fcdamerika \u00fcbt auch heute noch einen Zauber auf ihn aus. Es ist die Sprache, Kultur und die Lebensfreude der Einheimischen, die ihn so faszinieren. Viele Menschen hat er auf seinen Reisen getroffen und mit einigen hat er noch Kontakt. \u201eWenn ich meine heutige Kommunikation sehe, dann ist die sehr global\u201c, meint der vielsprachige Schwangauer. Portugiesisch, Spanisch und Englisch spricht er flie\u00dfend. Seit einem Jahr lernt er Franz\u00f6sisch. Dass er nicht mehr lange und strapazi\u00f6se Reisen machen kann, st\u00f6rt ihn nicht. \u201eAlles hat seine Zeit und ich mag nicht mehr in Zelten schlafen. Ich will es bequemer haben, was nicht bedeutet, dass ich nicht wieder unterwegs sein will\u201c, schmunzelt Sepp K\u00f6pf. \u201eRussland w\u00e4re interessant. Jetzt aber geht es erst einmal Richtung Balkan. Es ist die gleiche Anfangsroute wie damals mit dem Fahrrad. Allerdings sind meine Freundin und ich mit dem Auto unterwegs und dieses Mal geht es durch Albanien und Griechenland.\u201c Ein Globetrotter bleibt wohl immer einer oder wie es Kurt Tucholsky sagte: \u201eReisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1015\" src=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-02-1024x1015.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-26440\" srcset=\"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-02-1024x1015.jpg 1024w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-02-300x298.jpg 300w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-02-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-02-20x20.jpg 20w, https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/FA_10_21_Unterwegs-02.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#f6f6f6\"><strong>INFO:<\/strong><br><br>Es ist ein am\u00fcsantes und ehrliches Buch mit einem Einblick in interessante Begegnungen, Gedankenspiele und Emotionen. Der Leser wird von dem Autor auf seinen Reisealltag mitgenommen. \u201eUnterwegs\u201c ist in der Buchhandlung Seitz und Auer in F\u00fcssen, im Gesch\u00e4ft \u201eBiersouvenir\u201c, Schrannengasse 8 in F\u00fcssen sowie im TODOS in Schwangau, erh\u00e4ltlich.<br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\">Text: Sabina Riegger \u00b7 Fotos: privat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sepp K\u00f6pf war viel unterwegs. Es waren Reisen, die ihn bis heute gepr\u00e4gt haben. Das wovon andere manchmal tr\u00e4umten, hat er erleben d\u00fcrfen: Fremde Kulturen kennenlernen, die ungew\u00f6hnlichsten Ger\u00fcche wahrnehmen, an den sch\u00f6nsten Str\u00e4nden schlafen und Dinge erleben, die sch\u00f6n und schaurig, gef\u00e4hrlich und am\u00fcsant waren. Wenn er daran zur\u00fcckdenkt, l\u00e4chelt er. 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