{"id":25592,"date":"2021-06-05T09:07:30","date_gmt":"2021-06-05T07:07:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=25592"},"modified":"2021-06-05T09:24:25","modified_gmt":"2021-06-05T07:24:25","slug":"tag-organspende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2021\/06\/tag-organspende\/","title":{"rendered":"Tag der Organspende"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>In Deutschland stehen ca. 9.200 Menschen auf der Warteliste f\u00fcr ein Spenderorgan. 2020 gab es bundesweit 913 Organspenderinnen und Organspender, trotz Corona- Pandemie entspricht dies ungef\u00e4hr dem Stand vom Vorjahr mit 932 Organspenden. Auch wenn ein gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung laut repr\u00e4sentativer Umfragen f\u00fcr eine Organspende w\u00e4re, besitzt nur rund jeder 4. tats\u00e4chlich einen Organspendeausweis. Zum Tag der Organspende (5. Juni) haben wir die h\u00e4ufigsten Fragen an die Transplantationsbeauftragte Frau Dr. Hildegard Kees-Kautzky vom Klinikum Kaufbeuren gestellt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frau Dr. Kees-Kautzky, Sie sind als Ober\u00e4rztin der An\u00e4sthesie im OP und auf den Intensivstationen des Kliniums t\u00e4tig, haben w\u00e4hrend Ihrer Laufbahn in Gro\u00dfhadern auch viele Transplantationen begleitet und selbst einen Organspendefall in Ihrer Familie hautnah miterlebt. Viele Menschen haben jedoch Angst, dass sie in einer Klinik z. B. nicht ausreichend versorgt werden oder vorzeitig f\u00fcr tot erkl\u00e4rt werden, wenn die \u00c4rzte wissen, dass sie Organspender sind? Ist das \u00fcberhaupt m\u00f6glich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEin ganz klares Nein. Unser h\u00f6chstes Ziel ist immer, dass unsere Patienten nach M\u00f6glichkeit wieder gesund werden. Dabei ist es v\u00f6llig egal, ob der Patient Organspender ist oder nicht, das wird im Vorfeld auch nicht erfragt. Jeder erh\u00e4lt mit Sicherheit die f\u00fcr ihn bestm\u00f6gliche Therapie, die auch mit seinen, z. B. in einer Patientenverf\u00fcgung niedergeschriebenen W\u00fcnschen \u00fcbereinstimmt. Damit eine Organspende \u00fcberhaupt in Betracht gezogen werden kann, gibt es zwei Faktoren die erf\u00fcllt sein m\u00fcssen: Die wichtigste Voraussetzung ist, dass bei dem Patienten der unumkehrbare Ausfall aller Hirnfunktionen (Hirntod) festgestellt worden ist. Die zweite Voraussetzung ist eine Zustimmung des Patienten, idealerweise durch einen Organspendeausweis oder ersatzweise die Einwilligung eines nahen Angeh\u00f6rigen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wann genau gilt ein Mensch als hirntot?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEs sind Patienten, bei denen alle Teile des Gehirns komplett und unumkehrbar ausgefallen sind. Als Ursache wurde das Hirn entweder direkt schwer verletzt oder gesch\u00e4digt z. B. durch einen schweren Unfall, durch Hirnblutungen bzw. Infarkte \u2013 oder eine langdauernde Reanimation f\u00fchrte zum Sauerstoffmangel und somit zum Erl\u00f6schen aller Hirnfunktionen. Auch wenn diese Patienten optisch nicht anders als andere beatmete Intensivpatienten aussehen, ist ihr Hirn bereits abgestorben und somit ist jegliche Funktion wie Denken, F\u00fchlen, Bewegungen oder die Atmung vollkommen erloschen \u2013 der Patient gilt juristisch als tot. Die Feststellung des Hirntodes erfolgt dabei erst nach sorgf\u00e4ltigen Untersuchungen von zwei erfahrenen und unabh\u00e4ngigen Fach\u00e4rzten, wovon einer ein Neurologe sein muss. Im Anschluss wird durch weitere \u00dcberpr\u00fcfungen und Nachweise sichergestellt, dass der festgestellte Hirnfunktionsverlust auch zweifelsfrei unumkehrbar ist. Der Hirntod ist also ein seltenes Ph\u00e4nomen, sodass nur wenige Verstorbene \u00fcberhaupt f\u00fcr eine Organspende infrage kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gibt es noch weitere Voraussetzungen die erf\u00fcllt werden m\u00fcssen bis es zu einer Organentnahme kommt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eJa, neben der Zustimmung des Patienten sowie dem festgestellten Hirntod ist es nur in einem kleinen Zeitfenster m\u00f6glich, das Herz-Kreislauf-System, welches unabh\u00e4ngig vom Gehirn funktioniert, mithilfe k\u00fcnstlicher Beatmung aufrechtzuerhalten. Viele meinen, dass ein toter Patient mit Organspendeausweis automatisch ein Spender wird, das stimmt jedoch so nicht, da die Organe weiterhin durchblutet und versorgt werden m\u00fcssen um eventuell transplantiert werden zu k\u00f6nnen \u2013 und das geht nur durch die k\u00fcnstliche Beatmung und intensivmedizinische Behandlung. Erst dann wird der Organspendeprozess eingeleitet und ein Koordinator der DSO (Deutsche Stiftung Organspende), der auch mit Eurotransplant in Kontakt steht, kommt ins Haus und unterst\u00fctzt unsere \u00c4rzte und auch die Angeh\u00f6rigen. Dabei wird gepr\u00fcft, welche Organe in Frage kommen, am h\u00e4ufigsten sind dies Nieren, Leber und Herz. Der Koordinator pr\u00fcft anschlie\u00dfend weitere Laborwerte, R\u00f6ntgen- und Ultraschallaufnahmen und f\u00fchrt zudem eine Anamnese durch, denn die Organe m\u00fcssen z. B. frei von bestimmten Infektionen oder akuten Krebserkrankungen sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie geht es dann weiter, im Hinblick auf die Organentnahme kommt auch immer wieder die Sorge, dass man \u201eausgeschlachtet\u201c wird. Wie muss man sich die Entnahme vorstellen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eNachdem das Organ und auch der Empf\u00e4nger festgelegt und vorbereitet wurde, wird der Eingriff im Operationssaal der Entnahmeklinik, also hier in Kaufbeuren vorbereitet. Wir werden dabei vom Entnahmeteam der Transplantationsklinik begleitet, wohin das Organ dann sp\u00e4ter auch gebracht wird. Die OP l\u00e4uft wie jede andere OP auch schonend ab, von au\u00dfen sieht man nach der Organentnahme nur noch eine s\u00e4uberlichst zugen\u00e4hte Wunde und die W\u00fcrde des Verstorbenen wird jederzeit selbstverst\u00e4ndlich gewahrt. Nach dem Eingriff ist f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen auf Wunsch auch eine Aufbahrung und Abschiednahme m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was empfehlen Sie Ihren Patienten bzw. den Angeh\u00f6rigen generell?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIch habe selbst einen Organspendefall im engsten Familienkreis miterlebt und kann nur anregen, sich mit den Themen Organspende und Organtransplantation auseinanderzusetzen, zu diskutieren und f\u00fcr sich eine Entscheidung zu treffen. Generell z\u00e4hlt zuerst immer der Wille des Patienten, im besten Fall schriftlich dokumentiert durch einen Organspendeausweis, den man z. B. im Geldbeutel mit sich tr\u00e4gt. Liegt dieser nicht vor, wissen in der Regel die Angeh\u00f6rigen von dem m\u00fcndlichen oder mutma\u00dflichen Wunsch des Patienten bzw. haben eine Bevollm\u00e4chtigung. Wenn es f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen unklar ist, sind sie dazu angehalten, im Sinne des Verstorbenen zu entscheiden. Aus Erfahrung wei\u00df ich, man tut nicht nur einem Organempf\u00e4nger, sondern auch den eigenen Angeh\u00f6rigen etwas Gutes, wenn man einen Organspendeausweis bei sich tr\u00e4gt. Die Angeh\u00f6rigen haben nat\u00fcrlich durch den Schock erstmal Fragen und \u00c4ngste. Wir haben f\u00fcr Sie im Haus ein neutrales und sehr breites Team von Spezialisten, Beratern und Seelsorger, welches Ihnen immer zur Seite steht. F\u00fcr viele Angeh\u00f6rige ist es tr\u00f6stlich, dass durch die Organspende extremes Leiden gelindert wird und andere ein deutlich besseres Leben haben.\u201c<\/p>\n\n\n<style>.wp-block-kadence-column.kb-section-dir-horizontal > .kt-inside-inner-col > #kt-info-box_af8dbc-cc .kt-blocks-info-box-link-wrap{max-width:unset;}#kt-info-box_af8dbc-cc .kt-blocks-info-box-link-wrap{padding-top:var(--global-kb-spacing-xs, 1rem);padding-right:var(--global-kb-spacing-xs, 1rem);padding-bottom:var(--global-kb-spacing-xs, 1rem);padding-left:var(--global-kb-spacing-xs, 1rem);}#kt-info-box_af8dbc-cc .kadence-info-box-icon-container .kt-info-svg-icon, #kt-info-box_af8dbc-cc .kt-info-svg-icon-flip, #kt-info-box_af8dbc-cc .kt-blocks-info-box-number{font-size:50px;}#kt-info-box_af8dbc-cc .kt-blocks-info-box-media{color:#444444;border-top-width:0px;border-right-width:0px;border-bottom-width:0px;border-left-width:0px;padding-top:10px;padding-right:10px;padding-bottom:10px;padding-left:10px;}#kt-info-box_af8dbc-cc .kt-blocks-info-box-media-container{margin-top:0px;margin-right:15px;margin-bottom:0px;margin-left:15px;}#kt-info-box_af8dbc-cc .kt-blocks-info-box-link-wrap:hover .kt-blocks-info-box-media{color:#444444;}#kt-info-box_af8dbc-cc .kt-blocks-info-box-learnmore{background:transparent;border-width:0px 0px 0px 0px;padding-top:4px;padding-right:8px;padding-bottom:4px;padding-left:8px;margin-top:10px;margin-right:0px;margin-bottom:10px;margin-left:0px;}<\/style>\n<div id=\"kt-info-box_af8dbc-cc\" class=\"wp-block-kadence-infobox\"><span class=\"removed_link\" title=\"www.organspende-info.de\"><div class=\"kt-blocks-info-box-media-container\"><div class=\"kt-blocks-info-box-media kt-info-media-animate-none\"><div class=\"kadence-info-box-icon-container kt-info-icon-animate-none\"><div class=\"kadence-info-box-icon-inner-container\"><span style=\"display:block;justify-content:center;align-items:center\" class=\"kt-info-svg-icon kt-info-svg-icon-fe_alertCircle\"><svg style=\"display:inline-block;vertical-align:middle\" viewbox=\"0 0 24 24\" height=\"50\" width=\"50\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" stroke-width=\"2\" stroke-linecap=\"round\" stroke-linejoin=\"round\"><circle cx=\"12\" cy=\"12\" r=\"10\"><\/circle><line x1=\"12\" y1=\"8\" x2=\"12\" y2=\"12\"><\/line><line x1=\"12\" y1=\"16\" x2=\"12\" y2=\"16\"><\/line><\/svg><\/span><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"kt-infobox-textcontent\"><p class=\"kt-blocks-info-box-text\">In Deutschland sterben j\u00e4hrlich mehr als 1000 Patienten, weil nicht rechtzeitig ein passendes Spenderorgan gefunden wurde. Den kostenlosen Organspendeausweis gibt es bei vielen Apotheken, Haus\u00e4rzten, den Krankenkassen oder direkt auf www.organspende-info.de. Auf der Website kann man sich den Organspendeausweis auch direkt als pdf herunterladen, speichern oder gleich ausdrucken. Der Organspendeausweis wird an keiner offiziellen Stelle registriert oder hinterlegt. Bei weiteren Fragen steht Frau Dr. Hildegard Kees-Kautzky vom Klinikum Kaufbeuren gerne zur Verf\u00fcgung: Hildegard.Kees-Kautzky@kliniken-oal-kf.de.<\/p><\/div><\/span><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:12px\">Text \u00b7 Foto: pm<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland stehen ca. 9.200 Menschen auf der Warteliste f\u00fcr ein Spenderorgan. 2020 gab es bundesweit 913 Organspenderinnen und Organspender, trotz Corona- Pandemie entspricht dies ungef\u00e4hr dem Stand vom Vorjahr mit 932 Organspenden. 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