{"id":23101,"date":"2020-09-25T08:35:15","date_gmt":"2020-09-25T06:35:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=23101"},"modified":"2020-09-25T08:35:30","modified_gmt":"2020-09-25T06:35:30","slug":"70-jahre-drehhuette-schwangau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2020\/09\/70-jahre-drehhuette-schwangau\/","title":{"rendered":"70 Jahre Drehh\u00fctte in Schwangau"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Sie ist ohne Zweifel eines der beliebtesten Ausflugsziele im s\u00fcdbayerischen Raum, die Drehh\u00fctte, die in diesem Jahr ihr 70. Jubil\u00e4um feiert. Zwar sind \u00fcber den Bau der H\u00fctte keine schriftlichen Aufzeichnungen mehr \u00fcberliefert, auch eine H\u00fcttenchronik wurde bisher nie erstellt, so dass ihre tats\u00e4chliche Entstehung und Entwicklungsgeschichte vielen eher unbekannt sein d\u00fcrfte. Allerdings k\u00f6nnen sich wenige der \u00e4lteren Schwangauer noch gut an diese Zeit erinnern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine abwechslungsreiche Geschichte<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Drehh\u00fctte, fr\u00fcher auch Drehalpe genannt, liegt in 1250 Metern H\u00f6he und blickt auf eine interessante und abwechslungsreiche Geschichte zur\u00fcck. In verschiedenen Steinbr\u00fcchen in der N\u00e4he der urspr\u00fcnglichen H\u00fctte, wurde im 17. und 18. Jahrhundert Wetzstein abgebaut und bearbeitet. Fundstellen, die dies belegen k\u00f6nnen, lassen sich auch heute noch dort ausfindig machen. In wechselnder Besetzung, je nach Jahreszeit, quartierten sich damals Wetzsteinschleifer, Holzknechte oder auch der Alphirte in der Schutzh\u00fctte ein. \u201eDer Bau der heutigen Drehh\u00fctte erfolgte im selben Jahr, in dem auch das Milchh\u00e4usle erbaut wurde\u201c, erz\u00e4hlt Landwirt Josef Schwarz aus dem Schwangauer Ortsteil Brunnen. Als junger Bursche war der heute 85-J\u00e4hrige mit seiner Familie beim Holzschlagen in dem Waldgebiet unterhalb der H\u00fctte dabei. \u201eJeden Tag sind wir dann zu den Arbeitern, die mit dem Bau der Drehh\u00fctte besch\u00e4ftigt waren, hoch gelaufen, um mit ihnen Mittagspause zu machen, weil sie ein Feuer da oben hatten.\u201c Das genaue Baujahr best\u00e4tigt auch Landwirt Leopold Christa, der damals zw\u00f6lf Jahre alt war. \u201eDas war 1950. Ein paar Jahre zuvor hatte man zuerst am M\u00fchlberger \u00c4lpele eine neue H\u00fctte gebaut, bevor man dann die alte Drehh\u00fctte durch den Blockbau ersetzt hat.\u201c Eher ungew\u00f6hnlich d\u00fcrfte dabei das Fundament des Geb\u00e4udes sein. Denn f\u00fcr die Erstellung der Bodenplatte wurden vier bis sechs tief unten abges\u00e4gte Wurzelst\u00f6cke genutzt, die mit Bruchsteinen und Holzbalken aufgef\u00fcllt wurden und somit eine waagerechte und ebene Fl\u00e4che f\u00fcr das Haus bilden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine Legende: Der H\u00fcttenwirt Eugen M\u00fcller<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Zeit der Erbauung der Drehh\u00fctte wurde das Gebiet von der sogenannten Wald- und Weidegenossenschaft bewirtschaftet. Eine Vereinigung von Landwirten und Grundbesitzern, aus der im Jahr 1977 die Waldk\u00f6rperschaft Schwangau hervorging, die auch heute noch im Besitz der Drehh\u00fctte ist. \u201eBis dahin geh\u00f6rte der Grund und Boden noch der Gemeinde und alles, was darauf wuchs, der Genossenschaft\u201c, erkl\u00e4rt Leopold Christa, der selbst Mitglied war. \u201eDiese Regelung galt so lange, bis dann 1977 die gro\u00dfe Waldteilung vollzogen wurde. Seitdem geh\u00f6rt der Gemeinde der gesamte Grund, der rechts von der Tegelbergabfahrt liegt und der Waldk\u00f6rperschaft alles, was links davon liegt, darunter eben auch das Gebiet rund um die Drehh\u00fctte.\u201c Insgesamt sind es etwa 800 Hektar Grundbesitz, \u00fcber die die K\u00f6rperschaft, der 169 Mitglieder angeh\u00f6ren, verf\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Laufe der vergangenen siebzig Jahre hat sich die ehemalige Schutzh\u00fctte schlie\u00dflich zu einem der bekanntesten und meist besuchten Ausflugsziele in der Region entwickelt. Entscheidend gepr\u00e4gt hat diese Entwicklung zweifelsohne der erste Wirt der Drehh\u00fctte, Eugen M\u00fcller. Mit seiner Familie hatte er die H\u00fctte \u00fcber vier Jahrzehnte lang nicht nur bewirtschaftet und bewohnt, er sorgte auch daf\u00fcr, dass das Geb\u00e4ude durch An- oder Umbauten sowie verschiedene Modernisierungen immer mehr an Attraktivit\u00e4t und Standard gewinnen konnte. Der geb\u00fcrtige F\u00fcssener kam 1965 als Hirte auf die H\u00fctte, begann aber bereits in den darauffolgenden Jahren systematisch damit, den Betrieb als Einkehr f\u00fcr Wanderer immer mehr auszubauen. So wurde aus der einfachen H\u00fctte, die M\u00fcller einige Jahre sp\u00e4ter offiziell pachtete, mit der Zeit ein modernes Gasthaus. F\u00fcr die Waldk\u00f6rperschaft stellen die Einnahmen durch ihre Verpachtung, neben dem Holzverkauf, heute das wichtigste Standbein dar.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Leben ohne Pferde undenkbar<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eVor Eugen wurde die H\u00fctte von der Bayerischen Wasserkraft AG gepachtet\u201c, erinnert sich die ehemalige Wirtin Hedwig Doser, die rund 30 Jahre lang zusammen mit ihrem damaligen Ehemann die H\u00fctte betrieben hat. \u201eDann war da auch noch der Wastl Mohrherr, der als Hirte vorher dort gewohnt hat und mit seinem Muli alles Wichtige nach oben transportiert hat. Eugen war ein Aussteiger, w\u00fcrde man heute sagen, er hat das Gymnasium in der zw\u00f6lften Klasse beendet, weil er unbedingt Bauer werden wollte. Dann kam er nach Oberstdorf, wo er seine fr\u00fchere Frau Heike kennenlernte, mit der er dann dort oben eingezogen ist. Er wollte dem Alltag entfliehen.\u201c An Arbeit hat es sicher nicht gefehlt, die M\u00fcllers lebten spartanisch, mussten Holz zum Feuern machen und waren komplett auf sich gestellt. Es war hart, kalt und karg, ohne Stromversorgung. Alles was Eugen M\u00fcller zum Leben ben\u00f6tigte, schaffte er zu jeder Jahreszeit mit Hilfe seiner Pferde hinauf zur H\u00fctte. Oft war die Arbeit m\u00fchsam, besonders im Winter, wenn der Schnee meterhoch lag, oder nach St\u00fcrmen, wenn die Pfade und Wege von umgest\u00fcrzten B\u00e4umen blockiert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Bau eines Fahrweges Mitte der 70er Jahre \u00e4nderte sich der Betrieb auf der Drehh\u00fctte recht schnell. Der Transport der Waren hinauf zur H\u00fctte wurde somit um einiges einfacher. \u201eIch kam am Heilig Abend 1978 auf die Drehh\u00fctte\u201c, erinnert sich Hedwig, die vielmehr unter ihrem Spitznamen Mausl bekannt ist, noch ganz genau. \u201eAllerdings wollte ich nur bis Heilig Drei K\u00f6nig aushelfen, daraus wurden letztendlich gut 35 Jahre\u201c, lacht sie. Damals war in der Winterzeit noch viel mehr los, als im Sommer. Es war vor allem Eugen M\u00fcllers Bekanntheitsgrad, der dazu beigetragen hat, dass die Drehh\u00fctte immer bekannter wurde. \u201eEugen war ein echter Pferdefanatiker\u201c, erz\u00e4hlt Max H\u00e4ring, ehemaliger Vorstand der Waldk\u00f6rperschaft, der auch f\u00fcr M\u00fcller Kutsche gefahren ist. \u201eIhm ist es zu verdanken, dass das Colomansfest wiederbelebt wurde. An der Gr\u00fcndung des jetzigen Colomanvereins, der aus der fr\u00fcheren Interessensgemeinschaft hervorging, war er als Motor ma\u00dfgeblich beteiligt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Wind dreht sich<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihren Namen hat die H\u00fctte \u00fcbrigens von dem Fallwind, der vom Rohrkopf herunter kommt. An der letzten Kurve vor der H\u00fctte dreht sich der Wind. Heute wird die Alpe von den Wirtsleuten Andrea und Hubert Winkler ganzj\u00e4hrig bewohnt und auch bewirtschaftet. Besonders an kalten Wochenenden dr\u00e4ngen sich die Besucher in der urigen H\u00fctte um den warmen Kachelofen, um herzhafte Allg\u00e4uer oder S\u00fcdtiroler Brotzeiten und Spezialit\u00e4ten zu genie\u00dfen. Herzlichen Gl\u00fcckwunsch zum 70. Jubil\u00e4um der Schwangauer Drehh\u00fctte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:12px\">Text: Lars Peter schwarz \u00b7 Foto: Sabina Riegger (Archiv)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie ist ohne Zweifel eines der beliebtesten Ausflugsziele im s\u00fcdbayerischen Raum, die Drehh\u00fctte, die in diesem Jahr ihr 70. Jubil\u00e4um feiert. Zwar sind \u00fcber den Bau der H\u00fctte keine schriftlichen Aufzeichnungen mehr \u00fcberliefert, auch eine H\u00fcttenchronik wurde bisher nie erstellt, so dass ihre tats\u00e4chliche Entstehung und Entwicklungsgeschichte vielen eher unbekannt sein d\u00fcrfte. 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