{"id":23081,"date":"2020-09-25T08:35:00","date_gmt":"2020-09-25T06:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=23081"},"modified":"2020-09-25T08:35:19","modified_gmt":"2020-09-25T06:35:19","slug":"heilerden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2020\/09\/heilerden\/","title":{"rendered":"Heilerden"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Wir reagieren heutzutage sehr schnell mit Vorsicht und Ablehnung, wenn wir h\u00f6ren: Erde zu essen sei gesund. Steckt sich ein kleines Kind Erde in den Mund, gehen wir sogleich in Alarmbereitschaft und wollen es davon abhalten. Mir f\u00e4llt in diesem Zusammenhang immer der Spruch \u201eDreck macht Speck\u201c aus fr\u00fcherer Zeit ein, der jetzt zwar nichts mit der Wirkung der Heilerden zu tun hatte, sondern eher damit, dass das, was auf die Erde gefallen ist, durchaus noch zu essen war. Sieht man heute nicht mehr ganz so.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Was aber Tatsache ist, dass schon seit Jahrtausenden der Instinkt Menschen dazu brachte, Erde zu essen. Wahrscheinlich beobachteten wir schon seit Urzeiten Tiere, die bei Krankheit Lehm und Schlamm zur Heilung benutzten. Durch dieses Beispiel angeregt, behandelte der Mensch seine Verletzungen und Erkrankungen schon in grauer Vorzeit mit Erde.<\/p>\n\n\n\n<p>Hildegard von Bingen empfahl unter anderem sogenannte Wurzelerden, d.h. Erde aus dem Wurzelbereich bestimmter Pflanzen, z.B. Lindenwurzelerde bei L\u00e4hmungen oder Gicht. Anfang des 20. Jahrhunderts war das \u201eErdessen\u201c nicht mehr allzu verbreitet, aber nie ganz vergessen. 1906 ver\u00f6ffentlichte dann Prof. Dr. Julius Stumpf eine Abhandlung \u00fcber die Erfolge der Therapie von Cholera, Brechdurchf\u00e4llen und Bakterienerkrankungen mit Bolus Alba (Kaolin, wei\u00dfe Erde). Ein durchaus kurioser Vorfall gab dazu den Anstoss: er war Zeuge der Ausgrabung einer fast unverwesten Leiche gewesen, die in Lehm begraben war, und zog daraus den Schluss, dass organisches Leben in Ton kaum oder gar nicht m\u00f6glich sei. Der ber\u00fchmte Kr\u00e4uterpfarrer Sebastian Kneipp nutzte Lehm haupts\u00e4chlich \u00e4u\u00dferlich, wenn entgiftende, k\u00fchlende Umschl\u00e4ge n\u00f6tig waren, z.B. bei Venenproblemen, Wunden, Entz\u00fcndungen, Hautausschl\u00e4gen oder Bienenstichen. Eine Art Nachfolger Kneipps war der gelernte Buchh\u00e4ndler Adolf Just, der nach medizinischer Weiterbildung im Harz eine Heilanstalt namens Jungborn gr\u00fcndete. Dort fand er ein gro\u00dfes L\u00f6ssvorkommen und es gelang ihm, den L\u00f6ss so fein zu vermahlen, dass die Sorptions- bzw. Bindekr\u00e4fte gesteigert wurden, au\u00dferdem enthielt dieser bioverf\u00fcgbare Mineralien. Just nannte diesen speziellen L\u00f6ss \u201eHeilerde\u201c. In Deutschland ist das heutzutage die einzige Erdart, die als Arzneimittel zugelassen ist. Pastor Emanuel Felke machte schon in seiner Jugend positive Erfahrungen mit Lehmpackungen zur Wundheilung. Nach einem Besuch von Justs \u201eJungborn\u201c entwickelte er die Felke-Kur, deren Kernst\u00fcck das sogenannte Felke-Bad ist. Der Badende sitzt f\u00fcr 10-45 Minuten an frischer Luft in einer badewannengro\u00dfen Grube, die mit geschmeidigem Lehm gef\u00fcllt ist. Danach wird die Erde abgestreift, der Rest darf antrocknen. H\u00f6rt sich doch ganz nach einer modernen Wellness-Kur an, oder? Die Anwendung bei Beschwerden des Verdauungstraktes, wie Gastritis, zu viel Magens\u00e4ure, Bl\u00e4hungen und Durchfallerkrankungen habe ich Ihnen bereits bei meinem Artikel \u00fcber Sodbrennen beschrieben. Vielleicht nochmals zur Verwendung: 1-5 x t\u00e4glich 1 Teel\u00f6ffel oder 1 Kapsel fr\u00fchestens 1 Stunde nach anderen Medikamenten, da diese sonst ebenfalls gebunden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heilerde kann aber noch viel mehr, daher m\u00f6chte ich Ihnen auch noch weitere Gebiete vorstellen, bei der sie au\u00dferdem noch eingesetzt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Venenbeschwerden:<\/strong> bei schweren Beinen und geschwollenen Kn\u00f6cheln, und das nicht nur im Sommer, hilft ein k\u00fchlender Wadenwickel mit Heilerde. Man bereitet sich einfach eine streichf\u00e4hige Paste zu und tr\u00e4gt sie messerr\u00fcckendick auf beide Unterschenkel auf. H\u00fcllen Sie ein feuchtes Leinen- oder Baumwolltuch darum und ein trockenes Tuch dar\u00fcber. Lassen sie den Wickel liegen, bis die Heilerde getrocknet ist. Dieser Wickel eignet sich auch ganz hervorragend bei Sportverletzungen wie Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen und das auf ganz nat\u00fcrliche Art.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcberm\u00e4\u00dfiges Schwitzen (Hyperhydrosis): <\/strong>trinken Sie 2-3 x t\u00e4glich konzentriertes Heilerdewasser \u2013 1 TL Heilerde in ein gro\u00dfes Glas geben und mit kaltem Wasser \u00fcbergie\u00dfen, umr\u00fchren und das Ganze einige Stunden stehen lassen, eventuell sogar \u00fcber Nacht. Den Satz wieder aufr\u00fchren und das Erdwasser schluckweise trinken. Dabei immer wieder Wasser und den Bodensatz miteinander vermischen. Das unterst\u00fctzt die Ausscheidungsorgane, damit die Haut entlastet wird. Danach noch ein ordentliches Glas Wasser trinken. Die Meinung, dass man zu viel trinkt, wenn man zu viel schwitzt, ist ein Irrtum. Eher ist das Gegenteil der Fall. Trocknen Sie die am meisten schwitzenden Hautstellen nach dem Waschen gut ab und pudern Sie sie mit Heilerde gut ein, eventuell auch den ganzen K\u00f6rper. Das verhindert, dass sich Bakterien vermehren und ein peinlicher Schwei\u00dfgeruch entsteht. Bei Schwei\u00dff\u00fc\u00dfen machen Sie jeden Abend ein k\u00f6rperwarmes Fu\u00dfbad mit 10 EL Heilerde auf 10 L Wasser. Sie k\u00f6nnen auch 1 L lauwarmen Eichenrindensud zugeben (2 EL Eichenrinde mit 1 L Wasser 15 Minuten k\u00f6cheln lassen, dann abseihen). Funktioniert \u00fcbrigens auch als Handbad (2 EL Heilerde auf 2 L Wasser) bei chronisch schwitzenden H\u00e4nden. Allerdings braucht man schon etwas Geduld, denn es kann schon einige Wochen dauern, bis die Wirkung eintritt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Halsschmerzen:<\/strong> Halsentz\u00fcndungen k\u00f6nnen durch Bakterien, Viren, Pilze, Allergien, aber auch durch Rauchen hervorgerufen werden. Heilende Erde bindet die Erreger, lindert die Reizung und st\u00e4rkt die Abwehrkr\u00e4fte und Schleimh\u00e4ute.<br>Das k\u00f6nnen Sie tun: 2 TL Heilerde in ein Glas lauwarmen Salbeitee geben. Damit t\u00e4glich bis zu 8 x gurgeln. R\u00fchren Sie 1 EL feine Tonerde mit Wasser und 1 Tropfen \u00e4therisches Teebaum- oder Cajeput\u00f6l zu einer dicken Masse, geben Sie bis zu 6 x t\u00e4glich eine kleine Menge davon in den Mund und lassen Sie den Brei dort langsam zergehen. Trinken Sie danach warmes Wasser.<br>Legen Sie bei akuten Halsschmerzen kalte Halswickel an. Ein vorbereiteter Heilerdebrei, der dick und geschmeidig sein sollte, wird messerr\u00fcckendick oder bis zu 3 cm dick direkt auf die Haut aufbebracht. Grunds\u00e4tzlich gilt: je gr\u00f6\u00dfer die behandelte Fl\u00e4che, desto d\u00fcnner die Erdschicht \u2013 das geht nat\u00fcrlich also auch f\u00fcr andere, auch gr\u00f6\u00dfere K\u00f6rperteile mit Entz\u00fcndungen. Dar\u00fcber kommt ein feuchtes Tuch, das etwas gr\u00f6\u00dfer ist als die Fl\u00e4che der mit der Heilerde behandelten Haut. Mit ihm wird das betreffende K\u00f6rperteil abgedeckt oder umwickelt. Dar\u00fcber schl\u00e4gt man ein trockenes Leintuch. Es d\u00fcrfen keine Luftl\u00f6cher entstehen, also recht stramm wickeln! Dar\u00fcber kommt noch ein Wolltuch oder eine Bandage. Nach einiger Zeit entwickelt sich W\u00e4rme, was zu Schwei\u00dfbildung und Kribbeln f\u00fchren kann. Die Heilerde darf nicht vollst\u00e4ndig durchtrocknen, eventuell daher nachbenetzen. Nach etwa 60 \u2013 90 Minuten den Umschlag abnehmen und nachruhen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ekzeme\/Neurodermitis:<\/strong> sch\u00f6n w\u00e4re es sicher zu wissen, welche Ursachen hierf\u00fcr in Frage kommen, aber das ist immer so leicht herauszufinden. Auf jeden Fall k\u00f6nnen heilende Erden den Stoffwechsel unterst\u00fctzen, die Haut entgiften und \u00e4u\u00dferlich angewandt schnelle Linderung bringen. Bei akutem Ekzem trinken Sie t\u00e4glich 1 Tasse starken, abgek\u00fchlten Cystustee (aus dem Kraut der Zistrose) mit 1 TL Heilerde. Bei chronischen Hautentz\u00fcndungen gen\u00fcgen auch nur 2 TL Erde pro Tag.<br>Ist die Haut trocken entz\u00fcndet, dann mischen Sie 1 EL Heilerde mit 2 EL Oliven\u00f6l und etwas Wasser zu einer dicken Paste, streichen sie auf die betroffene Stelle und bedecken Sie sie mit einem Tuch. Nach 30 \u2013 60 Minuten feucht abnehmen und mit Johanniskraut\u00f6l einreiben, das Ganze 2 x t\u00e4glich praktizieren.<br>Bei sehr starker Entz\u00fcndung und Schwellung machen sie eine kalte Auflage mit einer sehr dicken Schicht Heilerde 2-3 Stunden lang. Den Brei k\u00f6nnen Sie statt mit Wasser auch mit kaltem Cystustee anr\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sind nur einige wenige Anwendungsgebiete der heilenden Erden, es gibt noch sehr viele weitere M\u00f6glichkeiten, von diesem wunderbaren \u201eDreck\u201c zu profitieren!<\/p>\n\n\n\n<p>Genie\u00dfen Sie den Oktober,<br>Ihre Apothekerin<br>Simone Wagner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir reagieren heutzutage sehr schnell mit Vorsicht und Ablehnung, wenn wir h\u00f6ren: Erde zu essen sei gesund. Steckt sich ein kleines Kind Erde in den Mund, gehen wir sogleich in Alarmbereitschaft und wollen es davon abhalten. 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