{"id":23079,"date":"2020-09-25T08:30:16","date_gmt":"2020-09-25T06:30:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=23079"},"modified":"2020-09-25T08:30:35","modified_gmt":"2020-09-25T06:30:35","slug":"traurigkeit-krank-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2020\/09\/traurigkeit-krank-macht\/","title":{"rendered":"Wenn Traurigkeit krank macht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#6d6e6f\"><strong><em>Depressive St\u00f6rungen geh\u00f6ren zu den h\u00e4ufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten untersch\u00e4tzten Erkrankungen. Sch\u00e4tzungen zufolge leiden weltweit inzwischen circa 350 Millionen Menschen unter einer Depression. Depressionen oder affektive St\u00f6rungen sind laut Weltgesundheitsorganisation weltweit die zweith\u00e4ufigste Volkskrankheit.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fr\u00fcherkennung erh\u00f6ht Heilungschancen<\/h3>\n\n\n\n<p>Stimmungsschwankungen geh\u00f6ren zu den allgemeinen Erscheinungen menschlichen Erlebens. Auch Trauer als schmerzliche Reaktion auf einen Schicksalsschlag ist eine nat\u00fcrliche Reaktionsweise. Depressionen lassen sich jedoch in der Regel zuverl\u00e4ssig von normalen Stimmungsschwankungen abgrenzen. Wird eine depressive Erkrankung fr\u00fchzeitig erkannt, ist sie in den meisten F\u00e4llen gut behandelbar. Zur Therapie der depressiven St\u00f6rungen gibt es psychotherapeutische und medikament\u00f6se Behandlungsformen sowie andere unterst\u00fctzende Ma\u00dfnahmen. Die Krankheit kann praktisch jeden treffen \u2013 niemand ist davor immun. Sogar Kleinkinder und Babys k\u00f6nnen betroffen sein. Auch wei\u00df man, dass bei M\u00e4nnern eine Depression oft anders aussieht als bei Frauen und Jugendlichen. Depressionen sind einem zeit- und gesellschaftsbedingten Wandel unterworfen, was H\u00e4ufigkeit, Beschwerdebild, Ursache und Verlauf angeht. Gl\u00fccklicherweise haben sich auch die therapeutischen M\u00f6glichkeiten verbessert, von Psychotherapie, \u00fcber soziotherapeutische Hilfen und Korrekturen bis hin zu nicht-medikament\u00f6sen Behandlungsma\u00dfnahmen. Zur Mitte des letzten Jahrhunderts setzte man bei der Behandlung von Depressionen vor allem auf Psychopharmaka, insbesondere die stimmungsaufhellenden Antidepressiva.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Diagnose und erste Ansprechpartner<\/h3>\n\n\n\n<p>Die erste \u00e4rztliche Anlaufstelle f\u00fcr Betroffene ist in der Regel der behandelnde Haus- oder Allgemeinarzt. Man vermutet, dass jeder vierte bis zehnte Patient, der seinen Hausarzt aufsucht, an einer Schwermut unterschiedlichen Schweregrades leidet. Das besondere Problem der meisten Depressionen aber ist der Umstand, dass sie sich gar nicht wie eine Depression \u00e4u\u00dfern m\u00fcssen, zumindest nicht so, wie man sich das in der Allgemeinheit vorstellt. Und der Arzt kann nat\u00fcrlich bei einem Leiden ohne organische Krankheitszeichen nur dann eine seelische St\u00f6rung diagnostizieren, wenn ihm der Patient in seinem Verhalten die entsprechenden Symptome bietet oder direkt und offen \u00fcber seine Probleme spricht. Dies geschieht leider so selten, dass die H\u00e4lfte der depressiv Erkrankten nicht als solche erkannt werden. Wenn man dann noch bedenkt, dass Viele erst gar nicht ihren Arzt aufsuchen, obwohl sie sich elend und leistungsschwach f\u00fchlen oder andere Leiden aufweisen, dann kann man sich vorstellen, dass die \u00fcberwiegende Zahl depressiv Erkrankter nicht einmal wei\u00df, was sie hat. Dabei geh\u00f6rt die Depression zu den seelischen Krankheitsbildern, die heute am erfolgreichsten behandelt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Depressionen bei Kindern und Jugendlichen<\/h3>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle ist auch das Umfeld der Betroffenen gefragt. Bei Erwachsenen ist die Chance vergleichsweise hoch, dass diese selbst mit ihrem Leiden den Arzt aufsuchen. Bei Kindern und Jugendlichen sind vor allem Familie und Freundeskreis gefragt, um ein vorliegendes Leiden zu erkennen und entsprechend zu handeln. Depressionen bei Minderj\u00e4hrigen gelten als besonders besorgniserregend. Es wird unterschieden zwischen Depressionen im Kleinkind-Alter, beim Vorschul-Kind, im Schulkind-Alter sowie bei Jugendlichen und Heranwachsenden. Jede Altersstufe hat einen besonderen Schwerpunkt in Hinblick auf die Beschwerden. Und dieser hat in der Mehrzahl mit den klassischen Depressions-Symptomen, wie man sie von Erwachsenen kennt, nicht viel zu tun. Je j\u00fcnger die Betroffenen sind, desto mehr unterscheiden sich ihre Krankheitszeichen einer Depression von der klassischen Symptomatik im Erwachsenenalter. Die H\u00e4ufigkeit depressiver St\u00f6rungen schwankt bei den Grundschul-Kindern zwischen 1,9 und 3,4 Prozent, bei Jugendlichen zwischen 3,2 und 8,9 Prozent. Ab dem 13. Lebensjahr treten Depressionen eindeutig h\u00e4ufiger auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Kindern im Schulkind-Alter wird das Krankheitsbild dem von Erwachsenen immer \u00e4hnlicher. Das Kind kann nun aber auch endlich \u00fcber seine belastende Befindlichkeit berichten, wozu es vorher noch nicht in der Lage war. Auch hier ist grundloses Weinen auff\u00e4llig, dazu eine schwer beschreibbare Traurigkeit, insbesondere aber Lustlosigkeit und Antriebslosigkeit. Das Desinteresse an allem und jedem w\u00e4chst. Merk- und Konzentrationsst\u00f6rungen f\u00fchren schlie\u00dflich zu schulischen Leistungseinbr\u00fcchen. Schlaf- und Ess-St\u00f6rungen ohne k\u00f6rperlichen Befund z\u00e4hlen zu den k\u00f6rperlichen Auff\u00e4lligkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Depressionen Jugendlicher \u00e4hneln schlie\u00dflich denen von Erwachsenen am meisten. Man redet hier von Verlangsamung von Denken und Handeln und damit einhergehend geistige Einschr\u00e4nkungen und Leistungsprobleme. Dazu Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit, Desinteresse, Teilnahmslosigkeit, R\u00fcckzug, mangelndes Selbstbewusstsein bis hin zu Lebensm\u00fcdigkeit. Auch nach innen gerichtete Wut mit Suizidgedanken kann auftreten. K\u00f6rperlich auff\u00e4llig sind Schlaf- und Ess-St\u00f6rungen, aber auch das sogenannte Morgentief, also \u201eMorgengrauen\u201c mit Angst vor dem kommenden Tag, Berg auf der Brust und Hoffnungslosigkeit. Auch wird meist eine durchgehende Unf\u00e4higkeit zur Entspannung und damit Erholung beobachtet. Reizbarkeit, sozialer R\u00fcckzug, Alkohol- und Drogenmissbrauch k\u00f6nnen ebenso auftreten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Arten der Depression<\/h3>\n\n\n\n<p>Bei Erwachsenen wird zwischen akuten, chronisch rezidivierenden und chronischen Depressionen unterschieden. Aktuell wird \u00fcber das Krankheitsbild der m\u00e4nnlichen Depression vermehrt geforscht. Bei M\u00e4nnern zeigt sich eine Depression oft mehr durch gereiztes und aggressives Verhalten, so dass hier eine Erkrankung leicht \u00fcbersehen wird. Das kann fatale Folgen haben, da M\u00e4nner oft zu harten und dann auch \u201eerfolgreichen\u201c Suiziden neigen. Nach Angaben der Bundesregierung leiden \u00fcber 3,1 Mio. Bundesb\u00fcrger im Alter von 18 bis 65 Jahren an einer Depression. Im Schnitt leiden 10 Prozent der Erwachsenen ein- oder mehrmals in ihrem Leben an einer schweren depressiven Episode. Zu den verschiedenen Arten der Erkrankung z\u00e4hlt beispielsweise die sogenannte unipolare Depression mit stark l\u00e4hmender Niedergeschlagenheit. Als Bipolare Erkrankung bezeichnet man die manisch-depressive St\u00f6rung, bei der es auch Phasen der \u00fcberm\u00e4\u00dfig guten Stimmung gibt. Unterscheiden kann man noch die depressive Einzelepisode, eine sich wiederholende depressive St\u00f6rung, Dysthymie, die organische depressive St\u00f6rung, das Somatische Syndrom oder die Atypische Depression.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erste Anlaufstellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Behandelnder Hausarzt, bzw. Kinderarzt<\/li><li>BKH Kaufbeuren<\/li><li>Psychosomatische Klinik Buching<\/li><li>Fachklinik Enzensberg, Hopfen am See<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Text: Sven Ademi<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Depressive St\u00f6rungen geh\u00f6ren zu den h\u00e4ufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten untersch\u00e4tzten Erkrankungen. 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