{"id":22441,"date":"2020-05-01T02:06:57","date_gmt":"2020-05-01T00:06:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=22441"},"modified":"2020-05-01T02:07:53","modified_gmt":"2020-05-01T00:07:53","slug":"angst-verdraengt-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2020\/05\/angst-verdraengt-geht\/","title":{"rendered":"Angst verdr\u00e4ngt man soweit es geht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist nach 18 Uhr. Die vier Krankenschwestern aus der Dialysepraxis Dr. Robert Betz in F\u00fcssen machen noch die letzten Handgriffe. Es muss alles gereinigt und desinfiziert werden. Die Dialysestation ist ein hochsensibler Bereich. Hier darf nichts passieren, erst recht nicht in diesen schwierigen Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nierenkranke haben als Risikogruppe f\u00fcr einen schweren Verlauf bei COVID-19 in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung bislang eine eher untergeordnete Rolle gespielt. Dabei sind diese Menschen doppelt hart betroffen: Zum einen sind sie stark gef\u00e4hrdet, bei einer Infektion ernst zu erkranken. Zum anderen m\u00fcssen sie auch mit Einschr\u00e4nkungen bei der Dialyse rechnen. Die jungen behandelnden Krankenschwestern und Arzthelferinnen tragen Schutzausr\u00fcstung, sie sind nicht wiederzuerkennen. \u201eSie leisten hier ausgezeichnetet Arbeit\u201c, sagt ihr Chef Dr. Robert Betz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Valentina Dashballa, eine der Krankenschwestern, erz\u00e4hlt, dass das Atmen durch die Mund-Nasen-Maske ungef\u00e4hr so sei, als ob man durch einen Strohhalm atmen m\u00fcsste. \u201eDie Schutzausr\u00fcstung ist notwendig, um unsere Patienten zu sch\u00fctzen\u201c, sagt Funda Cakin. \u201eZum Schutz der Patienten haben wir uns freiwillig einer Umkehrquarant\u00e4ne unterzogen, die auch von meinen jungen Mitarbeitern vorbildlich eingehalten wird. Seit der gleichen Zeit gilt strikte Mundschutzpflicht f\u00fcr alle behandelnden Personen, wie auch ausnahmslos alle Dialyse- und ambulanten Patienten, sowie alle Taxifahrer, die Dialysepatienten transportieren. Inwiefern die Patienten selbst einen konsequenten Eigenschutz durchf\u00fchren, haben wir nat\u00fcrlich nicht in der Hand. Wir haben wiederholt Informationsmaterial zur Verf\u00fcgung gestellt und diskutieren die Situation regelm\u00e4\u00dfig. Ich habe mittlerweile jedoch schon den Eindruck, dass die Gefahr f\u00fcr Gesundheit und Leben mental angekommen ist\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Robert Betz.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote is-style-default\"><blockquote><p>Zu den Schutzma\u00dfnahmen geh\u00f6rt ber\u00fchrungsfreie H\u00e4ndedesinfektion am Hauseingang und vor dem Betreten der Behandlungseinheiten, eine automatisch \u00f6ffnende Eingangt\u00fcr zum Nordtrakt, die Isolation des Bautrakts Nord, die freiwillige Umkehrquarant\u00e4ne von Personal und \u00c4rzten seit Mitte Februar, sowie die Aufgabe von Nebenbesch\u00e4ftigungen.<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ersten Entscheidungen hinsichtlich Schutzma\u00dfnahmen und Corona traf der Arzt bereits im Februar. Die Informationen aus China haben in beunruhigt. Ein Schreiben an den Bundesminister f\u00fcr Gesundheit, in dem er \u00fcber die Risiken f\u00fcr die Versorgung von Dialysepatienten berichtete und anregte, f\u00fcr Dialyseeinrichtungen Tests auf COVID-19 als Kassenleistung vorzunehmen, blieb unbeantwortet. \u201eDa wir durch die zust\u00e4ndigen Stellen sowohl hinsichtlich Patientenschutz und Krisenkonzept wie auch Schaffung von Behandlungspl\u00e4tzen f\u00fcr aerogene Infektionen im Regen stehengelassen worden sind und werden, haben wir seit Mitte Februar professionelle Schutzaustattung beschafft, als sie noch halbwegs, wenn auch schon zu erh\u00f6hten Preisen, erh\u00e4ltlich war\u201c, so Betz. Versorgungsengp\u00e4sse in punkto Desinfektionsmittel hat die Praxis nicht. \u201eWir beziehen die Desinfektionsmittel z.T. kostenlos und z.T. zu sehr fairen Preisen von der regionalen Destillerie Albert Frey AG aus Wald.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie gut die Zusammenarbeit zwischen dem Direktorat und der Dialyse ist, sieht man an der Verlegung der KVB-Bereitschaftsdienstpraxis aus den gemeinsamen R\u00e4umen von Krankenhaus und Dialyse. \u201eDas ist ein ganz entscheidender und wichtiger Punkt, weil dort unkontrolliert Atemwegsinfektionen einschlie\u00dflich noch nicht diagnostizierter Coronapatienten zusammentreffen. Ich bin \u00e4u\u00dferst dankbar f\u00fcr die umsichtigen Entscheidungen des Direktorats der Kliniken Ostallg\u00e4u\u201c, freut sich Betz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch kann die Dialysepraxis keine COVID-19-infizierten Dialysepatienten behandeln. Dazu fehlen nicht nur die r\u00e4umlichen Voraussetzungen zur strikten Isolation aerogener Infektionen und das Mehr an Personal, sondern auch die Genehmigung, die durch das Bayerische Landesamt f\u00fcr Lebensmittelsicherheit und Gesundheit auf nichtinfekti\u00f6se Patienten beschr\u00e4nkt wird. Da auch keine andere Einrichtung in der Region \u00fcber eine den Richtlinien des RKI entsprechende Infrastruktur f\u00fcr die Behandlung aerogener Infektionen vorh\u00e4lt und aufgrund der Geb\u00fchrenordnung auch nicht vorhalten kann \u2013 Dialysepl\u00e4tze kosten einschlie\u00dflich Raumprogramm je nach Region zwischen 50.000,-\u20ac bis 100.000,-\u20ac pro Behandlungsplatz \u2013 bleibt nur die Option, Patienten auf einer Intensivstation aufnehmen zu lassen, die \u00fcber eine H\u00e4mofiltration oder Dialyse verf\u00fcgt. Diese Ausstattung ist ausgew\u00e4hlten Kliniken vorbehalten, darunter gl\u00fccklicherweise auch die Klinik F\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch ein paar wenige Vorbereitungen, und ein weiterer Tag geht f\u00fcr die jungen Krankenschwestern und Arzthelferinnen zu Ende. Angst vor Ansteckung verdr\u00e4ngen sie soweit es geht. Es muss weiter gehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:12px\">Text \u00b7 Foto: Sabina Riegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist nach 18 Uhr. Die vier Krankenschwestern aus der Dialysepraxis Dr. Robert Betz in F\u00fcssen machen noch die letzten Handgriffe. Es muss alles gereinigt und desinfiziert werden. Die Dialysestation ist ein hochsensibler Bereich. Hier darf nichts passieren, erst recht nicht in diesen schwierigen Zeiten. 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