{"id":22124,"date":"2020-02-28T15:46:15","date_gmt":"2020-02-28T14:46:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=22124"},"modified":"2020-03-05T09:49:26","modified_gmt":"2020-03-05T08:49:26","slug":"letzte-koenig-bayerns-ludwig-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2020\/02\/letzte-koenig-bayerns-ludwig-iii\/","title":{"rendered":"Der letzte K\u00f6nig Bayerns Ludwig III."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 7. November 1918 endete die 738-j\u00e4hrige Regentschaft der Dynastie Wittelsbach in Bayern. Sechs Tage sp\u00e4ter entband der letzte bayerische K\u00f6nig, Ludwig III. seine Beamten und Soldaten vom Treueeid, den sie nur wenige Jahre vorher auf ihn geleistet hatten. Eine Abdankung lehnte der K\u00f6nig jedoch ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Regentschaft K\u00f6nig Ludwigs III. von Bayern dauerte nur knapp sechs Jahre. Nach dem Tod seines Vaters Luitpold \u00fcbernahm er das Amt des Prinzregenten. Ein knappes Jahr sp\u00e4ter wurde er zum K\u00f6nig von Bayern proklamiert. Auch Ludwig, wie bereits sein Vater vor ihm, trat dieses hohe Amt im fortgeschrittenen Alter an. Er war 67 Jahre alt. Bei seiner Regierungs\u00fcbernahme konnte der Cousin des gleichaltrigen M\u00e4rchenk\u00f6nigs Ludwig II. auf ein ereignis- und erfahrungsreiches Leben zur\u00fcckblicken. Sein bisheriges Hauptaugenmerk galt einem, f\u00fcr einen k\u00f6niglichen Prinzen eher au\u00dfergew\u00f6hnlichen Besch\u00e4ftigungsfeld. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1875, Ludwig war 30 Jahre alt, erwarb er das Schloss Leutstetten am Starnberger See, das sich zwei Stunden mit der Pferdekutsche au\u00dferhalb von M\u00fcnchen befand. Das Schloss bewohnte er mit seiner Ehefrau Marie Therese, einer Erzherzogin von \u00d6sterreich-Este und der stetig wachsenden Kinderschar. Aus deren Ehe gingen dreizehn Kinder hervor. Das Schloss platzte bald aus allen N\u00e4hten und so wurden die dem Schloss nahegelegenen H\u00e4user renoviert und von den k\u00f6niglichen Prinzessinnen bewohnt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem Ludwig das Anwesen und die dazugeh\u00f6rigen L\u00e4ndereien erstanden hatte, kaufte er in den darauffolgenden Jahrzehnten gr\u00f6\u00dfere Fl\u00e4chen und verdoppelte somit den anf\u00e4nglichen Grundbesitz nahezu. Sein Privatgut umfasste schlie\u00dflich ein Gebiet von 2793,51 Tagwerk, was ca. 957 Hektar entspricht. Es teilte sich in ca. 830 Tagwerk Acker- und Weidefl\u00e4chen, ca. 1500 Tagwerk Wald und ca. 400 Tagwerk Torf und Moos auf. Man kann sagen, dieses Gut war einer der gr\u00f6\u00dften landwirtschaftlichen Betriebe unter den gro\u00dfen Besitzungen der damaligen Zeit in Bayern.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz des \u00fcberwiegenden Waldanteils war die Forstwirtschaft nicht der gr\u00f6\u00dfte wirtschaftliche Sektor dieses Anwesens. Das Gut hatte in unterschiedlichen Stallungen 158 Milchk\u00fche, man baute Hafer und Roggen an und besa\u00df eine kleine, aber nicht unbedeutende Vollblutpferdezucht. Prinz Ludwig war ein Landwirt mit Leib und Seele, denn er betrieb die Landwirtschaft nicht nur auf dem Papier in seinem Arbeitszimmer, er legte auch selbst t\u00e4glich mit Hand an. \u201eWas nun die Landwirtschaft besonders betrifft, so erkenne ich ihren Wert f\u00fcr das ganze Volk wohl. Ist sie doch von allen Gewerben das, welches die Grundlage bildet. Wenn es der Landwirtschaft gut geht, befinden sich auch die anderen wohl.\u201c sagte Ludwig im Jahr 1892. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gut Leutstetten avancierte nach und nach zum Mustergut. In seinen Kuhst\u00e4llen wurde penibel auf Hygiene und Reinlichkeit geachtet. Jede Kuh unterzog man alle zwei Wochen einer tier\u00e4rztlichen Kontrolle und impfte sie halbj\u00e4hrlich gegen \u201eTuberkelbazillen\u201c. Die Rinder wurden ausgesprochen gut gepflegt, t\u00e4glich geb\u00fcrstet und gestriegelt und gewaschen, sobald es erforderlich war. Von seinen 158 Milchk\u00fchen, die t\u00e4glich zweimal gemolken wurden, gab jede Kuh etwa acht Liter Milch am Tag. Die Milch der 58 Rinder aus dem Stall Rieden wurde als spezielle Kindermilch, vor allem an Kinderspit\u00e4ler und S\u00e4uglingsheime verkauft. Die Milch der weiteren 100 K\u00fche wurde zweimal t\u00e4glich mit der Eisenbahn in die Zentralmolkerei nach M\u00fcnchen transportiert. Die Hygienema\u00dfnahmen galten dabei nicht nur f\u00fcr den Umgang mit dem Tierbestand. Auch das Personal wurde \u00e4rztlich \u00fcberpr\u00fcft und hatte sich nicht nur w\u00e4hrend seiner Arbeit mit den Tieren an genaue Hygienerichtlinien zu halten.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prinz Ludwig investierte viel in seinen landwirtschaftlichen Betrieb. Dabei verfolgte er mehrere Ziele. Unter anderem war er davon \u00fcberzeugt, dass die gro\u00dfen landwirtschaftlichen G\u00fcter die Pflicht h\u00e4tten, die neuesten Methoden und Maschinen zu testen. Nur sie h\u00e4tten die M\u00f6glichkeit, diese \u201eExperimente\u201c durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, ohne bei einem eventuellen Fehlschlag daran zugrunde zu gehen. Sobald eine Methode Rentabilit\u00e4t versprach, konnte das neu erworbene Wissen an kleinere landwirtschaftliche Betrieb weitergegeben werden. Diese konnten davon profitieren, indem sie die Praktiken kopierten. So waren auf seinem Gut schon fr\u00fch Allzweck-Dampfmaschinen in Betrieb, die wahlweise mit einer Holzspaltmaschine, Dreschmaschine oder H\u00e4ckselmaschine verbunden werden konnten. Aufgrund dieser hohen finanziellen Investitionen konnte das Gut jedoch keine gro\u00dfen Gewinne erzielen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Resultate der neuen landwirtschaftlichen Versuche gab Ludwig stets an kleinere Betriebe weiter, jedoch nicht nur im Umland von Leutstetten oder M\u00fcnchen. Er war \u00fcber viele Jahrzehnte Teil der landwirtschaftlichen Wanderversammlung des bayerischen Landwirtschaftsvereins, die im ganzen K\u00f6nigreich Bayern gastierte und erl\u00e4uterte hier in Reden und Vortr\u00e4gen seine Erkenntnisse. Im Bayern der damaligen Zeit war die Landwirtschaft der gr\u00f6\u00dfte wirtschaftliche Faktor und der gr\u00f6\u00dfte Arbeitgeber. F\u00fcnfzig Prozent der Berufst\u00e4tigen hatten in den 80iger Jahren des 19. Jahrhunderts ihre Besch\u00e4ftigung in einem Bereich der Landwirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ludwig wusste somit, wie es einem Gro\u00dfteil des bayerischen Volkes erging. Er kannte seine \u00c4ngste und N\u00f6te genau und strebte danach zu helfen und zu unterst\u00fctzen, wo er nur konnte. So versuchte er u.a. auf die politischen Entscheidungen dieser Zeit ma\u00dfgeblich einzuwirken und f\u00fcr die Belange der Landwirtschaft einzutreten. Dabei war er aber auch auf die Eigeninitiative der Landwirte bedacht: \u201eAlle gesetzgeberischen Ma\u00dfnahmen helfen nichts, wenn nicht der Mann selbst um seine Wirtschaft sich annimmt, wenn nicht der Landwirt die Erfahrung und wissenschaftliche Entdeckung der Neuzeit sich zu Nutze macht.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-very-light-gray-background-color wp-block-paragraph\"><strong>Vortrag am 26.3., ab 18 Uhr, <br> im Museum der bayerischen K\u00f6nige<\/strong><br><br>Es berichtet der Historiker Klaus Reichold \u00fcber das Leben des letzten bayerischen K\u00f6nigs im letzten Teil des \u201eWittelsbacher Wintersemesters 2019\/2020\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:12px\">Text: Vanessa Richter, Kulturvermittlerin im <br>\nMuseum der bayerischen K\u00f6nige in <br>\nHohenschwangau  <br>\nFoto: Wikipedia <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 7. 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