{"id":21500,"date":"2019-11-29T15:14:49","date_gmt":"2019-11-29T14:14:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=21500"},"modified":"2019-11-29T15:15:18","modified_gmt":"2019-11-29T14:15:18","slug":"kinder-psychisch-krank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2019\/11\/kinder-psychisch-krank\/","title":{"rendered":"Wenn Kinder psychisch krank werden"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-color has-vivid-red-color wp-block-paragraph\">Kinder und Jugendliche, die psychisch krank werden, unter Depressionen, \u00c4ngsten, Schlaf- oder Essst\u00f6rungen leiden. Das sind Probleme, die vermehrt in Ballungsr\u00e4umen oder sozialen Brennpunkten einiger Gro\u00dfst\u00e4dte zu finden sind. W\u00fcrde man meinen. Doch weit gefehlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Unwohlgef\u00fchle oder Anpassungsschwierigkeiten, Burnout, ja sogar suizidale Gedanken sind Gr\u00fcnde, warum auch in unserer Region immer mehr Kinder und Jugendliche eine psychologische Hilfe oder Beratung aufsuchen. Im Vergleich zu 2007 stiegen die Behandlungszahlen vor allem bei den Jugendlichen bundesweit teils um mehr als 100 Prozent. Das belegen Statistiken gleich mehrerer Krankenkassen in Deutschland. Nach Angaben einer Studie des Robert Koch-Instituts waren zuletzt etwa 17 Prozent der Kinder und Jugendlichen psychisch auff\u00e4llig. Als Ursachen gelten oft der hohe Leistungsdruck durch Schule und Eltern, Mobbing oder auch Versagens\u00e4ngste. Gr\u00fcnde k\u00f6nnen aber auch der Verlust eines Familienmitglieds oder eine Trennung der Eltern sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u201eKinder lernen oft nicht mehr zu selektieren oder zu filtern\u201c <\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eVielleicht war die Situation vor zwanzig Jahren auch so\u201c, sagt Elmar Schmitt, Leiter der Anton-Sturm-Mittelschule in F\u00fcssen. \u201eVielleicht hat damals aber auch die Familie oder das Umfeld noch mehr aufgefangen. Heute ist der Anteil an alleinerziehenden Eltern, die oft auch aufgrund der Arbeit weniger Zeit f\u00fcr die Probleme ihrer Kinder haben, wesentlich h\u00f6her. Fehlt dann noch die Geborgenheit, die Kinder gerade im jungen Alter ben\u00f6tigen, kann das zu massiven Belastungen f\u00fchren. Meiner Meinung nach kommt aber auch die gesamte digitale Entwicklung dazu. Der Anteil an Kindern, die unter Aufmerksamkeitsst\u00f6rungen leiden, ist heute viel h\u00f6her. Sie lernen oft nicht mehr zu selektieren oder zu filtern, was wichtig ist und was nicht.\u201c Denn oft verbringen junge Menschen heutzutage schon im Kindesalter zu viel Zeit vor dem Fernseher, Computer oder dem Handy, was letztendlich zu psychischen Problemen f\u00fchren kann. So gibt es auch an der Anton-Sturm-Schule nicht selten F\u00e4lle von Sch\u00fclern, die sich beispielsweise n\u00e4chtelang mit Computerspielen besch\u00e4ftigen, ohne dass die Eltern etwas davon wissen, erkl\u00e4rt Schmitt. \u201eOft m\u00fcssen wir die Eltern dann darauf aufmerksam machen, dass ihre Kinder dem Unterricht sehr schwer oder gar nicht folgen k\u00f6nnen. Die Vielzahl der psychischen St\u00f6rungen und ihrer Erscheinungsbilder hat in den letzten zehn bis zwanzig Jahren definitiv zugenommen. Allerdings werden psychische Probleme heute auch generell wesentlich fr\u00fcher erkannt.\u201c <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Rahmen zu schaffen, die dem Kind gut tun <\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgel\u00f6st werden diese Probleme aber insgesamt durch die unterschiedlichsten Gr\u00fcnde. \u201eEs ist die gesamte Bandbreite, mit der sich junge Sch\u00fcler an uns wenden\u201c, erkl\u00e4rt Stefan Seitz, Diplom-Sozialp\u00e4dagoge bei der KJF, der Kinder und Jugendhilfe Kaufbeuren-Ostallg\u00e4u. \u201eDas kann von \u00c4rger mit Kameraden oder Mobbing sogar bis hin zu h\u00e4uslicher oder auch sexueller Gewalt gehen und zieht sich durch alle Schularten und auch Gesellschaftschichten hindurch. Essst\u00f6rungen, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit sind nur wenige der Resultate, zu denen psychische Probleme f\u00fchren k\u00f6nnen.\u201c Die KJF ist eine der wenigen Einrichtungen im Landkreis, die in solchen F\u00e4llen Hilfe anbieten. F\u00fcr die Sch\u00fcler ist es oft der k\u00fcrzeste Weg, schlie\u00dflich steht die T\u00fcre der Beratungsstelle, die direkt in der Schule integriert ist, immer offen. Stefan Seitz macht den Job bei der Jugendsozialarbeit bereits seit 24 Jahren. F\u00fcr die Sch\u00fcler, die zu ihm kommen, stellt er eine Vertrauensperson dar, die der Schweigepflicht unterliegt. \u201eUnsere Aufgabe ist es, einen Rahmen zu schaffen, der dem Kind gut tut\u201c, sagt er. \u201eWir sind auch oft die Vermittler zwischen Sch\u00fclern und Eltern oder Lehrern, vorausgesetzt, die Kinder wollen das.\u201c Nur in besonders schlimmen oder vermeintlich aussichtslosen F\u00e4llen arbeiten Erziehungsberater, Jugend und Sozialarbeit, wie auch Schule und Eltern dann enger zusammen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Bed\u00fcrfnisse der Kinder <\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eOft ist es so, dass Kinder mit Problemen auf uns zukommen, die auf den ersten Blick nicht wirklich schwierig erscheinen. Im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch stellt sich dann aber auch heraus, dass die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Probleme wesentlich ernster sein k\u00f6nnen.\u201c So sind Kinder und Jugendliche h\u00e4ufig einfach nur froh, mit dem Jugendsozialarbeiter einen Menschen gefunden zu haben, der sich Zeit nimmt und ihnen zuh\u00f6rt. Dabei kommt es auch durchaus vor, dass das jeweilige Problem dadurch schon hinter geschlossener T\u00fcr gel\u00f6st werden kann. In anderen F\u00e4llen sind mehrere Gespr\u00e4che notwendig. Stellt sich allerdings heraus, dass das sogenannte Kindeswohl gef\u00e4hrdet ist, weil Gewalt im Spiel ist, m\u00fcssen gegebenenfalls auch h\u00e4rtere Ma\u00dfnahmen ergriffen oder andere hilfeleistende Beh\u00f6rden eingeschaltet werden. \u201eDie sozialen und monet\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse sind in unserer Zeit allgemein schwieriger geworden\u201c, so Stefan Seitz. \u201eDurch viele gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen und modernere Lebensstile geraten oft die Bed\u00fcrfnisse der Kinder, die in der Kette die schw\u00e4chsten sind, in den Hintergrund. K\u00f6nnen wir nicht mehr helfen, raten wir den Sch\u00fclern schlie\u00dflich, auch einen Kinder- und Jugendpsychologen zu konsultieren.\u201c Als einziger Kinder- und Jugendpsychotherapeut und Experte seines Fachs mit Sitz in F\u00fcssen war Sascha H\u00e4u\u00dfler f\u00fcr uns allerdings aus zeitlichen Gr\u00fcnden leider nicht erreichbar. Zu eng ist sein Terminkalender, wie uns mitgeteilt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:12px\">Text: Lars Peter Schwarz \u00b7 Foto: unspash<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder und Jugendliche, die psychisch krank werden, unter Depressionen, \u00c4ngsten, Schlaf- oder Essst\u00f6rungen leiden. Das sind Probleme, die vermehrt in Ballungsr\u00e4umen oder sozialen Brennpunkten einiger Gro\u00dfst\u00e4dte zu finden sind. W\u00fcrde man meinen. Doch weit gefehlt. 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