{"id":21400,"date":"2019-11-01T02:38:15","date_gmt":"2019-11-01T01:38:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=21400"},"modified":"2019-11-01T02:38:23","modified_gmt":"2019-11-01T01:38:23","slug":"koenig-max-ii-bayern-tracht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2019\/11\/koenig-max-ii-bayern-tracht\/","title":{"rendered":"K\u00f6nig Max II. von Bayern und die Tracht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der Oktoberfestzeit, das sich 1842 bereits zum zweiunddrei\u00dfigsten Mal j\u00e4hrte. In jenem Jahr wurden zu Ehren seiner Heirat mit Prinzessin Marie von Preu\u00dfen f\u00fcnfunddrei\u00dfig Brautpaare, aus unterschiedlichen Regionen des K\u00f6nigreichs, samt deren Hochzeitslader, Familien und all ihrer G\u00e4ste auf die Wiesn eingeladen. Der \u201cHochzeiter\u201d-Zug umfasste fast vierhundert Personen in den unterschiedlichsten bayerischen Trachten. Ein farbenpr\u00e4chtiges und imposantes Spektakel. Endlich konnte man die bayerische Tradition wieder in ihrer ganzen Vielf\u00e4ltigkeit bewundern. Bis auf diese Gelegenheit sah man Mitte des 19. Jahrhunderts die Tracht nur noch selten. Sie war \u201caus der Mode\u201d gekommen und in den Schr\u00e4nken und Truhen der Bev\u00f6lkerung verschwunden. Schon kurz nach Maximilians Hochzeit, also noch w\u00e4hrend seiner Kronprinzenzeit, \u00e4u\u00dferte er den Wunsch, mehr \u00fcber die verschiedenen bayerischen Traditionsgew\u00e4nder, ihre Herkunft und ihr Aussehen zu erfahren. Das Interesse war damals noch ganz privater Natur. Im Jahr 1848, nachdem Max K\u00f6nig geworden war und sich die revolution\u00e4ren Unruhen im Land wieder gelegt hatten, griff er das Thema \u201cTracht\u201d wieder auf. Nur diesmal nicht aus reinem privatem Interesse, jetzt steckte auch ein politischer Gedanke dahinter. K\u00f6nig Max II. von Bayern wusste, die Tracht ist etwas ganz Besonderes, etwas Einzigartiges, nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Vielf\u00e4ltigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab dem 28. Mai 1853 machte Max II. die F\u00f6rderung der bayerischen Trachten und somit deren Erhaltung zur Aufgabe des K\u00f6nigreichs Bayern und dessen Staatsapparates. Er erteilte den Befehl, dass Abbildungen der jeweiligen regionalen Trachtengew\u00e4nder angefertigt werden sollten. Diese mussten f\u00fcr jeden einsehbar an den dazugeh\u00f6rigen Rath\u00e4usern angebracht werden. Die Jugend wurde zum Tragen von Trachtengwand animiert und man ermutigte die Bev\u00f6lkerung nicht nur im Alltag, sondern auch bei festlichen Anl\u00e4ssen, Jubil\u00e4en und Hochzeiten in der traditionellen Kleidung zu erscheinen. K\u00f6nig Max II. lies sogar Pr\u00e4mien an diejenigen ausstellen, die sich dem Erhalt des Gewandes ihrer Region verschrieben hatten. Die Resonanz auf diese Trachtenerhaltungsaktion war gigantisch. Im ganzen Land war die Tracht wieder in aller Munde und wurde aus den Untiefen der Schr\u00e4nke und K\u00e4sten ans Sonnenlicht geholt. Bei Tombolas verloste man Trachtenstoffe, Bildnisse von unterschiedlichen Trachten wurden angefertigt und verteilt, man schickte Trachtenpaare auf die Wiesn und sogar Pfarrer und andere Geistliche predigten das Tragen und die Wichtigkeit dieser traditionellen Kleidung von der Kanzel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 4. April 1859 wurde die Miesbacher \u201cGesellschaft der Gem\u00fctlichkeit\u201d angemeldet, ein Vorg\u00e4nger der sp\u00e4teren Trachtenvereine. Das traditionell bayerische Gwand erfuhr eine noch nie zuvor dagewesene Rettungsaktion. Und auch der K\u00f6nig selbst lebte das Gew\u00fcnschte vor, indem er in Lederhose zur Jagd ging und die Tracht zur \u201choff\u00e4higen\u201d Kleidung machte. Egal zu welchem Anlass und in welcher Umgebung, ob zu Hause oder in der \u00d6ffentlichkeit, ob im Alltag oder bei festlichen Anl\u00e4ssen, selbst am bayerischen K\u00f6nigshof &#8211; die Tracht war willkommen und als vollwertige Kleidung anerkannt. Sie wurde zum Allround-Kleidungsst\u00fcck. Zum \u201cAlles-K\u00f6nner\u201d. Max II. war es dar\u00fcber hinaus sehr wichtig, dass die bayerischen B\u00fcrger nicht gezwungen wurden, diese traditionelle Kleidung zu tragen. Er wollte, dass sie es aus \u00dcberzeugung taten, nicht aus Zwang. Der K\u00f6nig sah in der Tracht mehr als nur eine schlichte Kleidung, vielmehr sah er darin, \u201edie im Volk gewachsenen Traditionen, die es unbedingt wert sind bewahrt zu werden\u201c unabh\u00e4ngig von Stand und Region. \u201cEs ist von gro\u00dfer Wichtigkeit, auch in Bayern das Nationalgef\u00fchl zu leben und zu kr\u00e4ftigen\u201c, notierte der K\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch nicht nur die Tracht, die ganze Bandbreite der Volkskunde wurde von K\u00f6nig Max II. von Bayern gef\u00f6rdert. Gesang, Dichtung, Mundart, Musik und Erz\u00e4hlungen waren f\u00fcr ihn von gro\u00dfer Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Errettung der bayerischen Kultur gab er schlie\u00dflich die \u201cBavaria &#8211; Landes- und Volkskunde des K\u00f6nigreichs Bayern\u201d in Auftrag. Nur in dieser, acht B\u00e4nde umfassenden Literatur, ist ganz Bayern mit seiner Tradition in allen Facetten genauestens beschrieben. Dieses Werk ist bis heute einzigartig. Nach Maximilians Tod 1864 wurde die Trachtenbewegung tr\u00e4ger. In manchen Gegenden Bayerns war sie schnell wieder verschwunden. Gerade einmal die J\u00e4ger trugen noch ab und zu eine Lederhose.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wieder fiel dieser Zustand einem Mann negativ auf. Diesmal keinem Adeligen, sondern einem Lehrer. Sein Name war Josef Vogl. Er wollte sich dem Verschwinden der Tracht entgegenstellen und gr\u00fcndete am 25. August 1883 (am 38. Geburtstag K\u00f6nig Ludwigs II. von Bayern) den ersten \u201cGebirgstrachten-Erhaltungsverein\u201d Bayerns, nachdem er einige andere M\u00e4nner dazu \u00fcberreden konnte, sich auch Lederhosen schneidern zu lassen.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele D\u00f6rfer und St\u00e4dte zogen nach und gr\u00fcndeten ebenfalls ihre eigenen Trachtenvereine. So festigte sich diese bayerische Tradition nach und nach. 1890 wurde es Zeit, die Vielzahl der neu gegr\u00fcndeten Vereine unter einem Dachverband zu organisieren. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man sieht, die Tracht erlebte \u00fcber die Jahrhunderte ein immerw\u00e4hrendes Auf und Ab. War es im 17. und 18. Jahrhundert noch normal Tracht zu tragen, verschwand sie im 19. Jahrhundert fast vollst\u00e4ndig. Nur durch den Einsatz Einzelner konnte ihr g\u00e4nzliches Verschwinden verhindert werden. Gott sei Dank! Denn man stelle sich vor, wie Bayern ohne Tracht aussehen w\u00fcrde. Was w\u00e4re das bayerische Heimatgef\u00fchl ohne Tracht. Auf dem M\u00fcnchener Oktoberfest m\u00f6chte jeder, egal aus welchem Land, oder aus welchem Kulturkreis er stammt, ein bisschen von diesem bayerischen Heimatgef\u00fchl sp\u00fcren k\u00f6nnen. Ja sogar Chinesen oder Amerikaner tragen dort Dirndl und Lederhosen. K\u00f6nig Max II. von Bayern hatte vollkommen recht. Tracht ist viel mehr als nur Kleidung. Sie ist ein St\u00fcck Lebensgef\u00fchl, ein St\u00fcck Heimat. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:12px\">Text: Vanessa Richter, Kulturvermittlerin <br>\nim Museum der bayerischen K\u00f6nige in Hohenschwangau  <br>\nFoto: Hubert Riegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der Oktoberfestzeit, das sich 1842 bereits zum zweiunddrei\u00dfigsten Mal j\u00e4hrte. In jenem Jahr wurden zu Ehren seiner Heirat mit Prinzessin Marie von Preu\u00dfen f\u00fcnfunddrei\u00dfig Brautpaare, aus unterschiedlichen Regionen des K\u00f6nigreichs, samt deren Hochzeitslader, Familien und all ihrer G\u00e4ste auf die Wiesn eingeladen. Der \u201cHochzeiter\u201d-Zug umfasste fast vierhundert Personen in den unterschiedlichsten bayerischen Trachten. 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