{"id":21398,"date":"2019-11-01T02:51:33","date_gmt":"2019-11-01T01:51:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=21398"},"modified":"2019-11-01T02:52:42","modified_gmt":"2019-11-01T01:52:42","slug":"schmieden-leidenschaft-feuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2019\/11\/schmieden-leidenschaft-feuer\/","title":{"rendered":"Schmieden ist Leidenschaft und Feuer"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-color has-vivid-red-color wp-block-paragraph\">Der Schmied war fr\u00fcher einer der wichtigsten Berufe im Dorf. Schon lange gibt es keine Waffen-, Nagel- oder Messerschmiede mehr, geschweige denn einen Dorfschmied, der fr\u00fcher als Allesk\u00f6nner galt. Statt Radnaben, Werkzeugen, Hufen von Ochsen und Pferden und L\u00f6chern in Kocht\u00f6pfen sind heute vor allem Kunstschmiedearbeiten, Z\u00e4une und Gel\u00e4nder gefragt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Von Ohrensch\u00fctzern h\u00e4lt Thomas Ruppel nichts. Er muss die Schl\u00e4ge h\u00f6ren, denn seine Ohren sind sein \u201eF\u00fchlorgan\u201c. \u201eWenn man Musik h\u00f6rt, f\u00fchlt man den Ton auch. Und ich f\u00fchle und h\u00f6re jeden Fehlschlag\u201c, erkl\u00e4rt der 57-J\u00e4hrige. Sein Filzhut, er war mal braun, ist sein Markenzeichen. Seit 30 Jahren hat er ihn w\u00e4hrend seiner Arbeit auf, nur im Sommer, dann, wenn es hei\u00df ist, legt er ihn ab. Ruppel ist Bau-, Kunst- und Restaurationsschlosser, der sein Handwerk lebt. Noch f\u00e4hrt er jeden Tag 86 Kilometer zu seinem Arbeitsplatz hin und zur\u00fcck. Doch nicht mehr lange. Bald wird er in Pfronten leben, \u201edann sind die Wege nicht mehr weit\u201c, freut er sich. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den ehemaligen Hanfwerken hat er die alte Schmiede gemietet, ein wahres Schmuckst\u00fcck mit gro\u00dfem Nostalgie-Charakter. Pl\u00e4ne und Zeichnungen liegen auf dem gro\u00dfen Tisch, dazwischen eine Zigarettenschachtel, Lineale und ein Bleistift. Der Wassertrog fehlt genauso wenig wie der gro\u00dfe Industriehammer, der Amboss und die Kohlen. Zig ru\u00dfgeschw\u00e4rzte Zangen h\u00e4ngen \u00fcber dem Ofen und der Geruch von Eisen und Feuer liegt in der Luft. In dem kleinen Raum nebenan sind Schrauben, Metall und viel Werkzeug. Mittendrin ein gro\u00dfer Bilderrahmen, in dem die Arbeiten von Thomas Ruppel abgebildet sind. Es sind Dinge, die man braucht und den Alltag erleichtern, aber auch solche, wo man denkt, sie brauchen zu m\u00fcssen, wie Eisenschnecken oder Blumen. Der Raum ist eine Fundgrube, mit vielen kleinen und gro\u00dfen Sch\u00e4tzen, wie zum Beispiel dem selbstgeschmiedeten eleganten Messer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gro\u00dfe Industriehammer hinter der T\u00fcre ist aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein ohrenbet\u00e4ubendes Monstrum, der das Eisen butterweich schl\u00e4gt. Thomas Ruppel f\u00fchrt ihn vor. Eine Unterhaltung ist nicht mehr m\u00f6glich, selbst ein Schreien  geht unter. Doch unter den Schmieden gibt es Signale, die mit dem Schlagen auf dem Amboss get\u00e4tigt werden. Schl\u00e4gt der Schmied mehrmals mit dem Hammer schnell auf dem Amboss, ist es ein Rufzeichen f\u00fcr seinen Gesellen oder Helfer, um an einem Werkst\u00fcck zusammenzuarbeiten. In der Werkstatt steht auch ein s\u00fcddeutscher Amboss. Auf den ersten Blick sehen sich Ambosse \u00e4hnlich. Sie weisen die ganz typische  Grundform auf. Doch die Anzahl der Amboss-Formen ist sehr vielf\u00e4ltig. Von Region zu Region und von Land zu Land verschieden. Die H\u00e4nde von Thomas Ruppel sind von Ru\u00df geschw\u00e4rzt und sein Pullover mit Rauch getr\u00e4nkt. Dass er Schmied ist, sieht man an seinen H\u00e4nden. Wie oft er auch seine H\u00e4nde waschen mag, der Ru\u00df unter seinen Fingern\u00e4geln wird bleiben, erst einmal schwarz und mit den Jahren wird er verblassen so wie ein Tatoo auf der Haut.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thomas Ruppel geh\u00f6rt zu den Start-Up Firmen und Einmannbetrieben, die sich in den Hanfwerken in F\u00fcssen niedergelassen haben. Das alte Fabrikgel\u00e4nde mit seinen gro\u00dfen Hallen hat ein charismatisches Flair. Hier ist er einer unter Vielen, eine gro\u00dfe Familie wie er meint und doch jeder f\u00fcr sich besonders. Als der Familienvater das erste Mal die Schmiede sah, gab es kein langes \u00dcberlegen oder Z\u00f6gern. Dass er eine stillgelegte Schmiede auf Vordermann bringen kann, hat er schon einmal mit Erfolg bewiesen. Den Schritt ins Allg\u00e4u zu wagen hat er, jetzt nach f\u00fcnf Jahren, nicht bereut. Seine Restaurationen an Eisenkreuzen und Gel\u00e4ndern sind gefragt genauso wie seine Arbeiten im Innen- und Au\u00dfenbereich von H\u00e4usern wie zum Beispiel sch\u00f6ne Treppengel\u00e4nder, Z\u00e4une, Tore und vieles mehr. \u201eMittlerweile sind die Schn\u00f6rkel wieder im Kommen. Zwischenzeitlich hatte das Schlichte die Oberhand\u201c, erz\u00e4hlt der Oberbayer. So zu schmieden ist eine wahre Kunst. Da verwandeln sich schwere Eisenstangen in scheinbar federleichte Werke, die ineinanderflie\u00dfen und verschmelzen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:12px\">Text \u00b7 Foto: Sabina Riegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schmied war fr\u00fcher einer der wichtigsten Berufe im Dorf. 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