{"id":20112,"date":"2019-04-27T01:23:16","date_gmt":"2019-04-26T23:23:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=20112"},"modified":"2019-04-27T01:23:21","modified_gmt":"2019-04-26T23:23:21","slug":"koenigin-marie-bayern-bergsteigerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2019\/04\/koenigin-marie-bayern-bergsteigerin\/","title":{"rendered":"K\u00f6nigin Marie von Bayern: Die Bergsteigerin"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"color:#880a0c\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">Am 11. Oktober 1842 betrat die sechzehnj\u00e4hrige Marie, Prinzessin von Preu\u00dfen, das erste Mal bayerischen Boden. Sie befand sich auf ihrem Brautzug von Berlin nach M\u00fcnchen, wo sie am n\u00e4chsten Tag mit dem bayerischen Kronprinzen und sp\u00e4teren K\u00f6nig Maximilian II. verm\u00e4hlt werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Dennoch war Marie bei ihrer Ankunft in Bayern bereits eine verheiratete Frau. Sechs Tage zuvor, am 5. Oktober 1842, war sie im Berliner Stadtschloss im Beisein der gesamten preu\u00dfischen K\u00f6nigsfamilie vor den Traualtar getreten. Auch bei dieser Zeremonie war der Br\u00e4utigam eigentlich der vierzehn Jahre \u00e4ltere Kronprinz Maximilian von Bayern. Jedoch gl\u00e4nzte dieser mit Abwesenheit. Der stellvertretende \u201eBr\u00e4utigam\u201c hie\u00df Wilhelm von Preu\u00dfen. Er \u00fcbergab Marie den Ring. Eine solche Eheschlie\u00dfung \u201eper procurationem\u201c, also durch einen Stellvertreter, galt in Adelskreisen als v\u00f6llig normal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Wochen nach der vollzogenen M\u00fcnchner Trauung reiste das frisch verm\u00e4hlte Brautpaar das erste Mal nach Hohenschwangau. Das dortige Schloss, das Max zehn Jahre vorher kaufte und wiederherrichten lie\u00df, sollte einer der bevorzugten Aufenthaltsorte von Marie werden. Die gesamte Fahrt von M\u00fcnchen nach Hohenschwangau stand die bayerische Bev\u00f6lkerung auf den Stra\u00dfen, um das junge Brautpaar zu sehen. Ab Peiting s\u00e4umten Ehrenpforten die letzten Kilometer bis nach Hohenschwangau. Die Stra\u00dfen waren mit Fahnen, Kr\u00e4nzen und Bannern dekoriert und \u00fcberall jubelten die Menschen dem jungen Paar zu. Zu Ehren der Hochzeit von Max und Marie fanden in Hohenschwangau mehrt\u00e4gige Feierlichkeiten statt, an denen die Bev\u00f6lkerung der umliegenden Ortschaften teilnahm. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Marie liebte die malerische Landschaft des Alpenvorlandes. Die Berge, die Seen, die Wiesen und W\u00e4lder. \u201eVon der Bergen bin ich ganz weg!\u201c schrieb sie ihrer Mutter in einem ihrer ersten Briefe aus Hohenschwangau. So bald wie m\u00f6glich wollte sie die Berge besteigen d\u00fcrfen. Das gestaltete sich allerdings aufgrund der damaligen Mode eher schwierig, wenn nicht sogar gef\u00e4hrlich. Weite R\u00f6cke mit gro\u00dfen Reifr\u00f6cken, die bis zu drei Meter Umfang hatten, waren auf schmalen Wegen in den Bergen hinderlich. Marie wollte nicht nur kleine Wanderungen auf niedrige Anh\u00f6hen unternehmen. Nein, sie wollte richtig bergsteigen.  Es musste eine L\u00f6sung gefunden werden, die sie sowohl gesittet als auch dem Zeitgeist entsprechend gekleidet erscheinen lie\u00df und dabei ein maximales Ma\u00df an Sicherheit bot. Zu diesem Zweck entstand ein neuartiges Wanderkost\u00fcm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses bestand aus einem Lodenrock, der \u00fcber den Kn\u00f6cheln abschloss, einem Schn\u00fcrmieder und einem Stopselhut. Der Clou an diesem Wanderoutfit war jedoch die bodenlange Lodenhose, die Marie unter dem Rock trug. Eine Hose f\u00fcr die Frau &#8211; etwas ganz Neues zu dieser Zeit. Ein Wanderstock komplettierte ihr Kost\u00fcm. So konnte ihre Bergsteigerlaufbahn beginnen. Die umliegende Bergwelt wurde von Marie in den kommenden Jahren erkundet: Aggenstein, Breitenberg, Hochplatte und S\u00e4uling waren nur einige der Gipfel, die Marie bezwang. Der h\u00f6chste Gipfel war allerdings der Watzmann bei Berchtesgaden. Nach der dreimaligen Besteigung der Achsel bei Musau in Tirol stiftete sie 1844 sogar einen Orden: Den Alpenrosenorden. Dieser sollte keinen politischen Hintergrund haben, sondern als Symbol der Freundschaft und Verbundenheit getragen werden. Einer dieser Alpenrosenorden sowie einer von Maries Wanderst\u00f6cken kann im Museum der bayerischen K\u00f6nige besichtigt werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich ging Marie nie allein in die Berge. Stets begleiteten sie ihre Hofdamen und ihre Obersthofmeisterin. Die somit auch alle \u201ebergfest\u201c und schwindelfrei sein mussten. Nur w\u00e4hrend der beiden Schwangerschaften unternahm Marie keine ausgedehnten Bergtouren und schonte sich. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ihre S\u00f6hne Ludwig, der sp\u00e4tere K\u00f6nig Ludwig II. und Otto, der sp\u00e4tere K\u00f6nig Otto I., das Kindesalter erreicht hatten, durften sie ihre Mutter auf den ausgedehnten Bergwanderungen begleiten. Beide erbten von ihren Eltern die Liebe zu Natur und Berge. Noch heute zeugen die Marienbr\u00fccke und das Schweizerhaus in der Bleckenau von Maries Bergsteigerleidenschaft. Beides lie\u00df Max II. zu Ehren seiner jungen Frau errichten. Die Bleckenau wurde ein beliebtes Ausflugsziel der k\u00f6niglichen Familie. In der Hohenschwangauer Schlosschronik ist zu lesen: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(\u2026) Morgens acht Uhr begaben Sich Ihre Majest\u00e4t mit Allerh\u00f6chst Dero Frau Obersthofmeisterin Gr\u00e4fin von der M\u00fchle und der Hofdame Freyin von Redwitz zu Wagen, Ihre k\u00f6niglichen Hoheiten der Kronprinz Ludwig und Prinz Otto in Begleitung des Herrn Oberst Grafen von La Ros\u00e9e und Herrn Artillerie Hauptmann Orff, s\u00e4mtliche zu Pferde, in die Bl\u00f6ckenau, machten von da eine Fu\u00dfparthie in den niedern Strau\u00dfberg, wo Alpenrosen gepfl\u00fcckt wurden. Von da aus erstiegen die Allerh\u00f6chsten Herrschaften die Gabel, woselbst das Fr\u00fchst\u00fcck eingenommen wurde. Um sechs Uhr abends trafen die Allerh\u00f6chsten Herrschaften ganz wohl erhalten im Schweizerhaus in der Bl\u00f6ckenau ein, dinirten daselbst und kamen zu Wagen Abends acht Uhr in das Schlo\u00df wieder zur\u00fcck. (\u2026)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Dinner in der Bleckenau wurde ein Sechs-G\u00e4nge-Men\u00fc serviert. Es gab Reiscremesuppe auf k\u00f6nigliche Art, Omeletts mit Schinken, Rinderschmorbraten mit Kartoffelp\u00fcree, gebratene Kalbsnuss mit gr\u00fcnen Bohnen, gegrilltes H\u00e4hnchen und Schmarrn mit Apfelkompott. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So lange sie konnte, bestieg Marie die bayerische Bergwelt. Doch mit zunehmendem Alter wurden aus den Bergpartien Spazierg\u00e4nge. Einem weiteren Hobby ging sie allerdings bis ins hohe Alter nach. Sie liebte es zu fischen. Am Liebsten angelte sie Hechte im Alpsee oder Forellen in einem kleinen Bach bei Trauchgau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem Fr\u00fchjahr des Jahres 1889 schwanden Maries Kr\u00e4fte zusehends. Im M\u00e4rz des Jahres traf sie nach einem Kuraufenthalt in Hohenschwangau ein, wohin man das Hoflager verlegt hatte. Sie war schwach und abgemagert und nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Kur hatte nicht die erhoffte Besserung gebracht. Ab Anfang Mai festigte sich die Vermutung, dass Marie wohl nicht mehr gesund werden w\u00fcrde. Au\u00dfer zum t\u00e4glichen Gottesdienst in der Schlosskapelle verlie\u00df sie ihre R\u00e4umlichkeiten im Schloss nur noch selten. Prinzregent Luitpold, seine Tochter Therese und andere Familienmitglieder trafen abwechseln im Schloss Hohenschwangau ein, um die K\u00f6nigin Mutter zu besuchen. Am 16. Mai 1889 verschlechterte sich ihr Zustand rapide. Sie konnte nicht einmal mehr in die Schlosskapelle gehen. Um trotzdem einer Messe beiwohnen zu k\u00f6nnen, wurde ein Gottesdienst im Ortsgeschichtenzimmer in der N\u00e4he ihres Schlafzimmers abgehalten, so dass sie keine Treppen mehr steigen musste. Pfarrer Waibel aus Elbigenalp war bereits einige Tage vorher angereist, um Marie beizustehen. Bis zum letzten Atemzug war sie wach und segnete die Menschen um sie herum. Am Vormittag des 17. Mai 1889 tat sie ihren letzten Atemzug, nur drei Jahre, nachdem ihr Sohn K\u00f6nig Ludwig II. verstorben war. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maries Leben pr\u00e4gten viele Schicksalsschl\u00e4ge. Der pl\u00f6tzliche Tod ihres Mannes, die psychische Erkrankung ihres Sohnes Otto, die Entm\u00fcndigung und der fr\u00fche Tod ihres Sohnes Ludwig. Nach ihrem \u00dcbertritt zur katholischen Konfession fand sie zunehmend Halt in ihrem Glauben. Ihr Tod j\u00e4hrt sich heuer zum 130. Mal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:12px\">Text: Vanessa Richter \u00b7 Foto: Hubert Riegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 11. Oktober 1842 betrat die sechzehnj\u00e4hrige Marie, Prinzessin von Preu\u00dfen, das erste Mal bayerischen Boden. Sie befand sich auf ihrem Brautzug von Berlin nach M\u00fcnchen, wo sie am n\u00e4chsten Tag mit dem bayerischen Kronprinzen und sp\u00e4teren K\u00f6nig Maximilian II. verm\u00e4hlt werden sollte. 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