{"id":15095,"date":"2017-12-01T10:35:34","date_gmt":"2017-12-01T09:35:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=15095"},"modified":"2017-12-01T10:35:34","modified_gmt":"2017-12-01T09:35:34","slug":"fussball-verbindet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2017\/12\/fussball-verbindet\/","title":{"rendered":"Wo Fu\u00dfball verbindet"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #800000;\">Es ist fr\u00fcher Abend. Mich erwarten einige Herren, die leidenschaftlich gern Fu\u00dfball spielen. Aber das nur so. Zum Spa\u00df. Und damit etwas sehr Wichtiges f\u00fcr die Gesellschaft tun.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"tie-dropcap \">A<\/span>us der anf\u00e4nglichen Stammtischmannschaft vor circa 20 Jahren hat sich etwas viel Gr\u00f6\u00dferes entwickelt. \u201eEine Art Integration durch das Spiel\u201c, wie Marcel Goldammer, ein Mitspieler, treffend erkl\u00e4rt. Wo fr\u00fcher nur Einheimische f\u00fcr die Kleinfeldturniere kickten, spielen heute verschiedene Nationalit\u00e4ten wild zusammengew\u00fcrfelt Fu\u00dfball miteinander, und nicht gegeneinander. Jochen Knaebel blieb als einziger aus der Stammtischgruppe \u00fcbrig und freut sich, nicht aufgeh\u00f6rt zu haben, als die damalige Mannschaft auseinander brach. \u201eWas fr\u00fcher noch irgendwie organisiert wurde, ist heute ein Selbstl\u00e4ufer geworden\u201c, erz\u00e4hlt der 46-j\u00e4hrige. \u201eIch wei\u00df selbst nicht, wer alles am Dienstag erscheint. Ob ganz Neue oder Altbekannte.\u201c Das ist nun mehr die einzig feste Konstante: Von Mai bis Oktober wird sich immer dienstags um 18 Uhr auf dem Bolzplatz in Pfronten getroffen. Und das egal bei welchem Wetter. Vielen ist dieser Termin sogar \u201eheilig\u201c. Doch sie sind keine richtige Mannschaft, die gegen andere antreten. \u201eNur ein paar Kerle, die ein bisschen bolzen wollen\u201c, wie sie selbst sagen.<\/p>\n<p>Oft kommt es auch vor, dass Vereinsspieler in der Sommerpause oder nach Verletzungen vorbeischauen, um wieder ein wenig Spielpraxis zu bekommen. \u201eSolche, wie auch wenig talentiertere sind willkommen.\u201c<\/p>\n<p>Aber auch beim Hobby gibt es Regeln: Da es keinen Schiedsrichter gibt, m\u00fcssen sie sich selbst bei kniffligen Entscheidungen irgendwie einigen. In der Regel gibt derjenige, der eine Regelwidrigkeit begangen hat, den Fehler einfach zu. \u201eDas funktioniert bis auf wenige Ausnahmen reibungslos.\u201c Und das obwohl hier viele Nationalit\u00e4ten aufeinandertreffen und es Konflikte geben k\u00f6nnte. Die Spieler kommen zum Beispiel aus dem Senegal, Bosnien, der T\u00fcrkei, Ungarn, Uruguay, Spanien, Mazedonien, Irland, Kroatien, Italien, \u00d6sterreich, Syrien, Afghanistan, Benin, Rum\u00e4nien, Russland, Serbien oder Albanien. \u201eEs gab aber auch schon Ausl\u00e4nder aus Franken und Schwaben!\u201c, witzelt Jochen Knaebel. Hier geht es um Fu\u00dfball, die Hautfarbe, die Religion oder das Alter spielen keine Rolle. In der Hobbymannschaft spielen vom Arbeitssuchenden \u00fcber Sch\u00fcler, Handwerker, \u00fcber Beamte bis hin zum Ingenieur, vom Einheimischen \u00fcber den Urlauber bis hin zum Einwanderer, im Alter zwischen 12 und 53 Jahren miteinander. \u201eNur Frauen haben bislang noch keine mitgespielt&#8230; Aber da h\u00e4tten wir auch nichts dagegen!\u201c Hier gibt es kein Schubladendenken oder Vorurteile gegen\u00fcber \u201eanderen\u201c. Hier wird einfach gespielt und nicht viel dar\u00fcber nachgedacht. Unkompliziert eben.<\/p>\n<p>Doch manchmal merkt man \u201eUnterschiede\u201c zwischen den Hobbykickern. Wenn zum Beispiel bei der taktischen Nachbesprechung die Muslime einen Orangensaft statt einem Bier bestellen. Oder v\u00f6llig kraftlos zu Zeiten des Ramadan auf dem Platz stehen, weil sie den ganzen Tag nichts trinken d\u00fcrfen. \u201eIch habe mich davor nie damit besch\u00e4ftigt, geschweigedenn dar\u00fcber nachgedacht, was es beim Sport machen bedeutet\u201c, gibt Jochen Knaebel zu.<\/p>\n<p>Gabor Bocskor kam 2001 aus Ungarn nach Deutschland. Ohne Sprachkenntnisse in einem fremden Land. Durch das w\u00f6chentliche Fu\u00dfballspiel lernte er Deutsch und kn\u00fcpfte Kontakte. Und diese Entwicklung kann sich sehen lassen. Er schaffte es vom Sp\u00fcler zum selbstst\u00e4ndigen Unternehmer mit f\u00fcnf Angestellten. \u201eFu\u00dfball hat uns wirklich zusammengebracht. Wir wurden richtige Kumpels, die zusammenhalten\u201c, freut sich der 37-j\u00e4hrige \u00fcber die Freundschaft.<\/p>\n<p>Gerade in der heutigen Zeit, in der sehr viel von Integration gesprochen wird und was wir alle daf\u00fcr tun m\u00fcssen, damit auch alle ordnungsgem\u00e4\u00df integriert werden, sollte einfach mal dienstags zum Bolzplatz geschaut werden. Als Polizeibeamter und zudem Angeh\u00f6riger einer Randgruppe, als geb\u00fcrtiger evangelischer Niederbayer im erzkatholischen Allg\u00e4u, sagt Jochen Knaebel zu Leuten, die meinen zu wissen, welche Nationalit\u00e4ten auf welche Art und Weise kriminell sein sollen: \u201eEs gibt nette Menschen und andere. Und die anderen k\u00f6nnen uns gestohlen bleiben. Da ist es auch v\u00f6llig egal, wie alt, wie jung, wie dick und d\u00fcnn, wie klein, wie gro\u00df, hell oder dunkel jemand ist.\u201c<\/p>\n<p>Text \u00b7 Bild: Julia Siemons<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist fr\u00fcher Abend. 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