{"id":15046,"date":"2017-10-29T01:43:08","date_gmt":"2017-10-28T23:43:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=15046"},"modified":"2017-10-29T01:43:08","modified_gmt":"2017-10-28T23:43:08","slug":"unterwegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2017\/10\/unterwegs\/","title":{"rendered":"Unterwegs"},"content":{"rendered":"<p>Ich freue mich. Das mache ich jedes Mal. Jedes Mal, wenn mein Mann und ich zusammen in die Stadt gehen. Ich meine bummeln. Ich bin romantisch. Ein bisschen naiv vielleicht auch. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich zu viele dieser kitschigen \u201eWir schlendern total verliebt und engumschlungen durch die Walisische Altstadt, bevor wir uns dann sp\u00e4ter in unserem verwilderten Cottage bei einer Tasse Earl Grey die ewige Liebe schw\u00f6ren\u201c-Filme gesehen habe. Und die enden meistens auf dem Boden. Vor dem knisternden Kamin. Mit Schwei\u00dfperlen am K\u00f6rper und beschlagenen Fenstern. Und einem \u201eOhh, ist das sch\u00f6n\u201c von mir, und einem \u201eWas f\u00fcr ein Schei\u00df\u201c von meinem Mann.<\/p>\n<p>Das Problem ist also: Fiktion und Realit\u00e4t. Trotzdem. Es ist doch nichts unm\u00f6glich. Oder anders gesagt, alles ist m\u00f6glich. Klar, wahrscheinlich wird meine Abneigung f\u00fcr Earl Grey nicht auf einmal verschwinden und Zuhause wird wahrscheinlich auch kein knisternder Kamin auf uns warten \u2013 wodurch sich die Sache mit dem Boden und den beschlagenen Fenstern automatisch erledigt hat. Aber es k\u00f6nnte doch sein, dass wir Arm in Arm, tiefenentspannt und liebestrunken durch verwinkelte Gassen ziehen, kleine Flagshipstores erkunden und sp\u00e4ter in einem versteckten Caf\u00e9 Marokkanischen Datteltee trinken und den Tag ausklingen lassen.<br \/>\nEs k\u00f6nnte aber auch sein, dass wir 40 Minuten lang einen Parkplatz suchen. Ich in einen gigantisch gro\u00dfen Hundehaufen trete, dessen Geruch zwischen den Rillen meiner Sohle einen engen K\u00f6rperkontakt zwischen meinem Mann und mir unm\u00f6glich macht. Und sp\u00e4ter stehen wir dann da. Schwei\u00dfgebadet in einem dunklen, stickigen Klamottenladen, mitten in der restlos \u00fcberf\u00fcllten Innenstadt.<\/p>\n<p>Die Elektro-Musik dr\u00f6hnt so laut aus der Decke, dass wir eine Grundsatzdiskussion \u00fcber \u201eWarum Frauen Anziehsachen durch den Laden schleppen, obwohl sie nicht mal sicher sind, ob Ihnen die Sachen \u00fcberhaupt gefallen\u201c br\u00fcllend f\u00fchren m\u00fcssen. Auf unserem H\u00f6hepunkt werden wir unterbrochen. Die Musik ist aus. \u201eJanine bitte an Kasse eins \u2013 Janine bitte. Danke!\u201c<\/p>\n<p>Und dann ist er da, der \u201eHarry und Sally-Moment\u201c, der alles vernichtet. Laut und ungeniert:<br \/>\n\u201eIch rieche nach Hundedreck, also lass mich mit Deinen Thesen, warum ich Klamotten rumtrage, die mir vielleicht gar nicht gefallen, endlich in Ruhe!\u201c<br \/>\n\u201eDie Musik ist aus, Schatz!\u201c<br \/>\nUnd das k\u00f6nnte vermutlich der Moment sein, indem wir jetzt doch lieber auf Bonny und Clyde machen und das Weite suchen. Und das versteckte Caf\u00e9\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich freue mich. Das mache ich jedes Mal. Jedes Mal, wenn mein Mann und ich zusammen in die Stadt gehen. Ich meine bummeln. Ich bin romantisch. Ein bisschen naiv vielleicht auch. 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