{"id":12707,"date":"2017-01-27T12:25:47","date_gmt":"2017-01-27T10:25:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=12707"},"modified":"2017-01-27T12:25:47","modified_gmt":"2017-01-27T10:25:47","slug":"arbeit-gibt-einen-beruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2017\/01\/arbeit-gibt-einen-beruf\/","title":{"rendered":"F\u00fcr jede Arbeit gibt es einen Beruf"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #800000;\">Anton Wiest und Andreas Joye haben einen ungew\u00f6hnlichen Beruf. Sie sind Bestatter, oder wie man im Volksmund sagt: Totengr\u00e4ber. Es ist ein Beruf, der noch nicht in der Gesellschaft angekommen ist. Vielleicht deswegen, weil man sich mit dem Thema Sterben und Tod nicht besch\u00e4ftigen will.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"tie-dropcap \">D<\/span>ie beiden F\u00fcssener kennen diese Vorbehalte. Es ist ein anstrengender aber sehr sch\u00f6ner Beruf, sagen beide und ernten oft fragende Blicke.\u00a0 Kann der Beruf eines Totengr\u00e4bers wirklich sch\u00f6n sein? F\u00fcr sie ist es das. \u201eEs ist ein Beruf, der viel mit Respekt und W\u00fcrde zu tun hat\u201c, meint Andreas Joye.\u00a0 \u201eMan kann nicht nur einen Beruf aus\u00fcben, der von der Gesellschaft angesehen wird. Wir sind Dienstleister und Handwerker zugleich.\u201c<\/p>\n<p>Der 31-j\u00e4hrige Familienvater hat sich lange mit dem Beruf auseinander gesetzt. Erst ein Praktikum brachte ihm die Gewissheit, eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft zu machen. Von Buchf\u00fchrung, Materialkunde, Beratungsgespr\u00e4chen, Trauerpsychologie, dem Ausschlagen von S\u00e4rgen bis zur Versorgung von Leichen\u2026 die Anforderungen an den Beruf sind sehr umfangreich.\u00a0 Die Lehrer kommen aus der Praxis, sind Einbalsamierer, Rechtsanw\u00e4lte, Betriebswirtschaftler, Pfarrer, Psychologen und Bestatter. Gr\u00e4ber ausgraben und wieder zusch\u00fctten ist nur eine Aufgabe von vielen. Die Fachbereiche sind so vielf\u00e4ltig und ungew\u00f6hnlich wie die Farben und Formen der Urnen, die bei ihnen im Betrieb stehen. Seine Pr\u00fcfung hat Andreas Joye mit \u201egut\u201c bestanden. Jetzt macht er gerade seinen Meister.<\/p>\n<p>Abschalten und an das Leben denken, das ist ein Muss f\u00fcr die beiden jungen M\u00e4nner. \u201eDas lernt man mit der Zeit. Man darf es nicht mit nach Hause nehmen, sonst geht man zugrunde\u201c, erz\u00e4hlt Anton Wiest, der Koch gelernt hat. Er k\u00f6nnte jederzeit in seinem alten Beruf einen Job finden &#8211; \u201eaber das will ich nicht mehr. Ich wei\u00df, f\u00fcr andere h\u00f6rt sich das komisch an, wenn ich sage, dass mir mein jetziger Beruf viel gibt. Ich bin n\u00e4her am Leben dran, als man sich das vorstellen kann\u201c, so der 32-J\u00e4hrige. Sein Arbeitskollege und Freund Andreas Joye pflichtet ihm bei. \u201eMan wird dem\u00fctiger und sieht vieles aus einer anderen Perspektive. Das Leben kann schnell vorbei sein.\u201c Der Vater zweier Kinder wei\u00df, wovon er spricht. Als Zeitsoldat war er in Afghanistan und hat vieles erlebt und gesehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Beiden ist ihr Beruf und der Friedhof Alltag, f\u00fcr die Trauernden kann es der schwerste Gang ihres Lebens sein. \u201eWenn wir einen Verstorbenen abholen, merken wir, ob die Angeh\u00f6rigen Informationen brauchen oder nicht. Es ist die Angst, die die Leute im Kopf haben, es passiert etwas, was sie nicht in der Hand haben. Da macht die Empathie eines Bestatters sehr viel aus, weil die Angeh\u00f6rigen ihren lieben Menschen in seine Hand geben\u201c, erkl\u00e4rt Andreas Joye.\u00a0 Obwohl sie sehr professionell arbeiten, haben auch sie einen Moment, den sie als Bestatter durchstehen m\u00fcssen. Das ist der Moment kurz bevor der Sarg in die Grube gelassen wird. Der Pfarrer hat aufgeh\u00f6rt zu beten. Alle Anwesenden schauen auf die M\u00e4nner in Schwarz. \u201eDadurch blickt man direkt in ihre Gesichter\u201c, sagt Anton Wiest. \u201eUnd in diesem Moment wird man mit ihren Gef\u00fchlen konfrontiert.\u201c<\/p>\n<p>Meistens kennen die beiden jungen Bestatter den Toten nicht und wissen fast nichts \u00fcber ihn. Aber die Art und Weise, wie um ihn getrauert wird, l\u00e4sst viele R\u00fcckschl\u00fcsse zu. \u201eMan merkt, ob die verstorbene Person wirklich beweint und betrauert wird. Man merkt auch, wer trauert: das Enkelkind der Oma zum Beispiel, das als einziges weint, w\u00e4hrend sich die anderen ganz normal unterhalten. Oder die Erleichterung der Angeh\u00f6rigen, dass der Verstorbene endlich gehen durfte, und er vielleicht von einer schweren Krankheit erl\u00f6st wurde\u201c, erz\u00e4hlt Anton Wiest.<\/p>\n<p>Als Bestatter mache man sich mehr Gedanken \u00fcber das Sterben, sagt Joye. \u201eDenn es ist ja nicht so, dass man nur alte Menschen beerdigt.\u201c Es sind auch junge Menschen und Kinder dabei. Solche F\u00e4lle sind anders. Trost findet er im Glauben: \u201eJeder Mensch hat seine Aufgabe, die er erf\u00fcllen muss oder darf &#8211; das gibt mir einen Halt.\u201c<\/p>\n<p>Text \u00b7 Bild: Sabina Riegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anton Wiest und Andreas Joye haben einen ungew\u00f6hnlichen Beruf. Sie sind Bestatter, oder wie man im Volksmund sagt: Totengr\u00e4ber. Es ist ein Beruf, der noch nicht in der Gesellschaft angekommen ist. Vielleicht deswegen, weil man sich mit dem Thema Sterben und Tod nicht besch\u00e4ftigen will. 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