{"id":11628,"date":"2016-07-29T16:27:21","date_gmt":"2016-07-29T14:27:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=11628"},"modified":"2016-07-29T16:27:21","modified_gmt":"2016-07-29T14:27:21","slug":"heilkraeuter-alpen-teil-2-baeume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2016\/07\/heilkraeuter-alpen-teil-2-baeume\/","title":{"rendered":"Heilkr\u00e4uter der Alpen \u2013  Teil 2: Die B\u00e4ume"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #800000;\">Ja, nicht nur die Kr\u00e4uter, sondern auch die B\u00e4ume der Alpen haben besondere Wirkungen. Der Pflanzenwelt der Berge wohnen oft, sicher auch bedingt durch die Anpassungsf\u00e4higkeit an extreme Witterungsbedingungen, spezielle Heilkr\u00e4fte inne. Wer mit feinem Gef\u00fchl durch diese Natur geht, wird mit Sicherheit auch den einzigartigen Zauber dieser Landschaft versp\u00fcren&#8230;<\/span><\/p>\n<p><strong>Latschenkiefer (Pinus mugo)<\/strong><br \/>\nFr\u00fcheste Erinnerungen verbinden mich als Kind einer Apotheker-Familie mit dem Geruch des Latschenkiefern\u00f6ls, damals war er allerdings bei mir noch nicht so sehr beliebt. Heute sch\u00e4tze ich ihn sehr, nicht nur weil ich inzwischen wei\u00df, welche tollen Wirkungen in dieser Pflanze stecken.<br \/>\nDort, wo kein anderer Nadelbaum mehr das raue Klima der Alpen vertr\u00e4gt, f\u00fchlt sich die Latschenkiefer immer noch wohl und leistet dazu au\u00dferdem einen ganz wertvollen Beitrag zur nat\u00fcrlichen Lawinenkontrolle. Au\u00dferhalb der Alpen ist sie auch in den Pyren\u00e4en, im Erzgebirge und auf dem Balkan zu finden.<\/p>\n<p>Die immergr\u00fcne Latsche, auch Bergf\u00f6hre oder Krummholzkiefer genannt, geh\u00f6rt zur Familie der Piniengew\u00e4chse, die wiederum zu den Nadelh\u00f6lzern z\u00e4hlen. Die Volksmagie schreibt der Latsche eine heilende und sch\u00fctzende Wirkung zu, sie gilt als eine W\u00e4chterin zwischen der Welt der Menschen und der Berggeister, zu sehen heute noch als Zweig \u00fcber der Almt\u00fcr oder als kunstvolles Geflecht auf dem Kopf der Leitkuh beim Almabtrieb. W\u00e4hrend der Rauhn\u00e4chte zwischen dem 24. Dezember und dem 5. Januar dient die Latsche als begehrter R\u00e4ucherstoff.<\/p>\n<p>F\u00fcr medizinische Zwecke wird das \u00e4therische \u00d6l aus den Zweigen destilliert. Aber Achtung: die daf\u00fcr verwendete spezielle Unterart der Latschenkiefer steht unter Naturschutz, also Sammeln verboten! Zur Gewinnung des \u00d6ls werden hierzulande Kulturen rund um Sonthofen in einer H\u00f6he zwischen 800-1.600 Metern angebaut. Wildsammlungen sind nur noch in \u00d6sterreich, Italien und einigen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern erlaubt, aber nat\u00fcrlich nur sehr begrenzt, denn vom Keimen eines jungen Samens bis zum Erhalt des \u00e4therischen \u00d6ls dauert es etwa 10 Jahre!<\/p>\n<p>Das \u00e4therische \u00d6l wird durch Wasserdampfdestillation der frischen Nadeln, j\u00fcngeren \u00c4ste und Zweigspitzen gewonnen und setzt sich vorwiegend aus den Substanzen Caren, alpha- und beta-Pinen, beta-Phellandren und Limonen zusammen.<br \/>\nEs wirkt innerlich und \u00e4u\u00dferlich. Als Inhalation verwendet, kommt die schleiml\u00f6sende Wirkung zu tragen, das Bronchialsekret wird d\u00fcnnfl\u00fcssiger, gleichzeitig wird der Abtransport aus den Atemwegen gef\u00f6rdert und ist daher sehr gut bei Husten und Schnupfen. Au\u00dferdem wird das Wachstum von Bakterien gehemmt! Sch\u00f6n auch als Zusatz zum Sauna-Aufgu\u00df.<\/p>\n<p>Auf der Haut angewendet macht es schnell warm, denn die aromatischen Substanzen regen die Durchblutung an. In Form von fl\u00fcssigen Einreibungen \u2013 der ber\u00fchmte Latschenkiefern-Franzbranntwein \u2013 oder Salben lockert es die verspannte Muskulatur und hilft so z.B. bei Muskelkater, R\u00fcckenschmerzen oder Gelenkbeschwerden. Auch Duschb\u00e4dern oder Badezus\u00e4tzen wird es gerne beigeben. Latschenkiefern\u00f6l sollte man aber auf jeden Fall nicht pur auf der Haut anwenden, es kann stark reizen, bei Babies und Kleinkindern kann selbst die verd\u00fcnnte Version bei Kontakt mit Mund und Nase evtl. Atemnot ausl\u00f6sen. Beim Badezusatz richtig dosieren, besonders wenn Sie unter Herz-Kreislaufbeschwerden, Krampfadern oder fieberhaften Infekten leiden. Vorsicht generell auch bei der Anwendung des \u00d6ls bei Asthma. Aber ansonsten: wie schon mein Opa, der ja auch Apotheker war, selbst praktizierte: eine Einreibung mit einem \u201eLatschenkiefern-Franzbranntwein\u201c ist eine wahre Wohltat f\u00fcr die Muskeln und Gelenke, lindert Kr\u00e4mpfe, Verspannungen und Schmerzen und spendet, so wie ich finde, ein wunderbar frisches K\u00f6rpergef\u00fchl \u2013 schlie\u00dflich liebe ich ja heute den Geruch!<\/p>\n<p><strong>L\u00e4rche (Larix decidua)<\/strong><br \/>\nDie europ\u00e4ische L\u00e4rche ist eine der weltweit etwa 12 verschiedenen L\u00e4rchenarten und geh\u00f6rt zur Familie der Kieferngew\u00e4chse. Bereits vor 60 Millionen Jahren wuchsen sie auf der Erde, fossile Funde best\u00e4tigten au\u00dferdem, dass sie sich vor rund 1 Million Jahren von Sibirien nach Europa ausbreiteten. Der Name L\u00e4rche leitete sich ab von Larix &#8211; so nannten die Gallier den seltsamen Baum, der sich vom sommerlichen Frischgr\u00fcn bis hin zum Herbst ins leuchtende Goldgelb verwandelt, um nach kurzer Zeit kahl dazustehen \u2013 also im Winter seine Nadeln verliert, in Gegensatz zu allen anderen heimischen Nadelh\u00f6lzern. Die europ\u00e4ische L\u00e4rche kann bis zu \u00fcber 50 m hoch und \u00fcber 1.000 Jahre alt werden. Das Holz gilt nicht zu Unrecht als \u201eEiche unter den Nadelh\u00f6lzern\u201c und war so u.a. im Br\u00fccken- oder Schiffsbau sehr beliebt, sowie auch als Schindelholz. 2012 wurde die L\u00e4rche als Baum des Jahres gew\u00e4hlt. Ihr Harz geh\u00f6rt schon seit langer Zeit zu den begehrten Heilmitteln, da es bedeutend besser war als das billigere Kiefernharz. Die B\u00e4ume wurden angebohrt und der heraustretende Harzsaft gesammelt, gereinigt und unter dem Namen Terpentin in den Handel gebracht. Besonders in S\u00fcdtirol wurden gro\u00dfe Mengen des Harzes gewonnen und in Venedig als Hauptumsatzplatz verkauft.<\/p>\n<p>Das L\u00e4rchenharz ist eine gelblich-br\u00e4unliche, honigdicke Fl\u00fcssigkeit. Es riecht feiner als alle anderen Harze, schmeckt w\u00fcrzig und leicht bitter. Es enth\u00e4lt bis zu 8% Wasser, bis zu 18% Terpentin, der Rest besteht aus Kolophonium, einer bernsteinartigen Masse, die auch heute noch f\u00fcr Violinb\u00f6gen und in der Farbindustrie verwendet wird. Durch Destillation werden Terpentin und Kolophonium getrennt. Die Inhaltsstoffe des L\u00e4rchenharzes sind v.a. \u00c4therisches \u00d6l &#8211; 14-15% &#8211; in erster Linie Pinene, daneben Harzs\u00e4uren, Bernsteins\u00e4uren, Bitterstoffe und Farbstoffe.<\/p>\n<p>In der Volksmedizin wurde das L\u00e4rchenharz haupts\u00e4chlich zur Salbenherstellung genutzt (z.B. bei Furunkeln, schlecht heilenden Wunden oder rheumatischen Beschwerden) \u2013 auch heute noch ist es in handels\u00fcblichen naturheilkundlichen Pr\u00e4paraten enthalten &#8211; aber es wurde auch mit Honig vermengt eingenommen und sollte gegen Blasen- und Steinleiden sowie gegen W\u00fcrmer helfen. Allerdings wurde schon damals darauf hingewiesen, dass bei h\u00e4ufiger Einnahme Nierenprobleme auftreten k\u00f6nnen und dass das zu intensive Einreiben Schwellungen und Blasenbildung auf der Haut verursachen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Heilige Hildegard von Bingen empfiehlt bei Ekzemen, Ausschl\u00e4gen und Hautflechten eine Salbe aus 10 g L\u00e4rchenbaumspitzen, m\u00f6glichst jung, die zu einem Brei verarbeitet und in 100 g frischem Schweineschmalz nach kurzem Erw\u00e4rmen verr\u00fchrt werden. Auf die entsprechenden Hautstellen 1 x t\u00e4glich einmassieren. Diese Salbe gibt es allerdings nicht fertig, hier muss schon selbst gesammelt werden&#8230;<br \/>\nAuch interessant zu wissen: In der Bachbl\u00fcten-Therapie ist das Mittel \u201eLarch\u201c gedacht f\u00fcr Menschen mit mangelndem Selbstwertgef\u00fchl, Versagens- und Pr\u00fcfungs\u00e4ngsten.<\/p>\n<p><strong>Zirbe\/Zirbelkiefer (Pinus cembra)<\/strong><br \/>\nDiese Pflanze, auch Arve genannt (ein uralter Name aus vorromanischer Zeit), ist ein Baum des Hochgebirges. Vor allem in den Zentralalpen bildet sie die obersten W\u00e4lder und klettert in H\u00f6hen von 2.500 m und dar\u00fcber, wird bis zu 1.000 Jahre alt und galt als \u201eK\u00f6nigin der Alpen\u201c. Der Name Zirbe wurde urspr\u00fcnglich nicht f\u00fcr den Baum selbst, sondern f\u00fcr seine Zapfen verwendet. Im Althochdeutschen bedeutete zirben soviel wie \u201esich im Kreise drehen\u201c. Die Samen werden demzufolge als \u201eZirbeln\u00fcsse\u201c bezeichnet. Sie sind \u00fcbrigens die Hauptnahrungsquelle der Tannenh\u00e4her, die durch ihre vergessenen Vorratsdepots f\u00fcr die Verbreitung der Zirben sorgen.<\/p>\n<p>Die positiven Wirkungen des Zirbenholzes werden bereits seit Jahrhunderten genutzt. Seinen Inhaltsstoffen wie Limoson, verschiedenen Flavonoiden und \u00e4therischen \u00d6len ist es zu verdanken, dass das Holz zur Entspannung beitragen kann. Laut diversen Forschungen soll die Schlafqualit\u00e4t durch Senkung des Herzschlages deutlich verbessert werden (Zirbenholzbetten oder Schlafkissen gef\u00fcllt mit Sp\u00e4nen). Viele alte H\u00e4user enthalten Schindeln, M\u00f6bel oder ganze Stuben aus Zirbenholz, die auch nach Jahrzehnten einen warmen, balsamischen Duft verbreiten.<\/p>\n<p>Das \u00e4therische Zirben\u00f6l wird durch Wasserdampfdestillation der Zweige samt Nadeln und Zapfen gewonnen und ist ein hervorragendes Mittel zur Raumluftreinigung. Schlechte Ger\u00fcche wie K\u00fcchendunst oder Zigarettenqualm werden sehr gut neutralisiert. Auch Motten k\u00f6nnen diesen Geruch absolut nicht leiden. In der Duftlampe spendet eine Mischung 1:1 mit Mandarinen\u00f6l Wohlbefinden. Ein Milchbad mit einigen Tropfen \u00d6l zugesetzt pflegt nicht nur die Haut, sondern auch die Psyche. Bei Erk\u00e4ltungskrankheiten reinigt\u00a0 und st\u00e4rkt eine Inhalation mit Wasserdampf die Bronchien. Eine Spezialit\u00e4t im Alpenraum ist auch der Zirbenschnaps, bei dem 3-4 Zapfen und etwas brauner Zucker pro Liter mehrere Wochen eingelegt werden. Der \u201eEinsatz\u201c ist h\u00e4ufig nach einer Brotzeit auf einer Bergh\u00fctte zur besseren Verdauung.<\/p>\n<p>In diesem Sinne w\u00fcnsche ich Ihnen eine wundersch\u00f6ne Zeit in unseren Alpen!<\/p>\n<p>Ihre Apothekerin Simone Wagner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, nicht nur die Kr\u00e4uter, sondern auch die B\u00e4ume der Alpen haben besondere Wirkungen. 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