{"id":11625,"date":"2016-07-29T16:18:10","date_gmt":"2016-07-29T14:18:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/?p=11625"},"modified":"2016-07-29T16:18:10","modified_gmt":"2016-07-29T14:18:10","slug":"meine-nordische-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuessenaktuell.de\/index.php\/2016\/07\/meine-nordische-liebe\/","title":{"rendered":"(M)eine nordische Liebe"},"content":{"rendered":"<p>Meine Freundin hat vor Kurzem geheiratet. Richtig spektakul\u00e4r, mit viel Tamtam, viel Kleid, hunderten von G\u00e4sten, Live-Musik, Show-Koch und einer Tanzeinlage der Uroma. Danach ging\u00b4s weiter nach Amerika zum Flittern. Drei Wochen lang\u2026<br \/>\nBei mir ist das alles schon ein bisschen her, aber ich kann mich noch erinnern, als w\u00e4r\u00b4s gestern gewesen:<\/p>\n<p>Sechs Tage, drei Koffer und zwei Taschen, 28 Grad, vier-spurige Stra\u00dfen, ein Auto-Tank auf Reserve und das Graffiti links neben mir: \u201eMoin, Moin Digga!\u201c<br \/>\nMoin, Moin auch! Endlich hab ich es gesehen, das Stadtschild. 800 Kilometer hab ich mich darauf gefreut. Und dann war es direkt vor mir. Mann, war ich gl\u00fccklich.<br \/>\nDas gelbe Blechschild, auf dem ein fetter, schwarzer \u201eDeine Mudda, du Fischkopp\u201c Sticker zwischen den Worten Frei und Hansestadt klebte, war die Eintrittskarte ins Gl\u00fcck. Mein Gl\u00fcck. Unser Gl\u00fcck. Ich war sowas von bereit. Auf alles. Auf die Ehe. Die Reeperbahn, die Alster, den Hafen und unser Hotel.<br \/>\nWir checkten also ein, in ein F\u00fcnf-Sterne-Design-Hotel. Und das Wort \u201eDesign\u201c war hier mehr als nur Programm. Es war DAS Mantra.<\/p>\n<p>Der Eingangsbereich war eine Mischung aus K\u00f6lner Dom, Andy Warhol und Purismus.<br \/>\nUnd mitten im Foyer, zwischen Skulpturen, Leuchten und Pop Art, standen wir. Zwei Liebesverr\u00fcckte mit blinkenden Neon-Herzen in den Augen, kurzer Hose, Flip Flops und Baby.<br \/>\nSp\u00e4testens beim Anblick des vollverglasten Badezimmers war ich sicher: \u201eDas wird so toll, Schatz!\u201c Das Bad war in die Suite integriert, bunt beleuchtet mit Holzboden, eingearbeiteten Steinen und Bambuspflanzen am Boden. Die Badewanne war Grasgr\u00fcn und so gro\u00df wie zehn Geburtswannen zusammen. Nur in sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Und nicht zu vergessen- der Vergr\u00f6\u00dferungsspiegel mit Rundum-Beleuchtung, f\u00fcr den optimalen Blick auf das Wesentliche: Gesichtsbehaarung und Poren. Das Hotel, die Suite, ganz Hamburg und wir, das war wie Topf und Deckel, Kuchen und Sahne, Bonnie und Clyde.<br \/>\nIch war verliebt. In mein neues Bad. Den Ring an meinem Finger. In die Stadt.<br \/>\nAber weil zu viel Entspannung auch nicht gut ist, sah die Sache sechs Tage, drei hausinterne Zimmer-Umz\u00fcge und einen genervten Concierge sp\u00e4ter ein bisschen anders aus:<br \/>\nEin kamerascheuer Zuh\u00e4lter war hinter mir her. Ein halbnackter Jesus-Fanatiker und seine fliegenden Bibeln w\u00fcteten in der Stadt, ich reiherte fast \u201eR\u00fcdiger\u201c das Boot voll und beinahe brannte auch noch das Hard Rock Caf\u00e9 ab.<\/p>\n<p>Und was soll ich sagen, das waren die sch\u00f6nsten Flitterwochen \u00fcberhaupt. Aber nur, weil du dabei warst. Meine gro\u00dfe Liebe aus dem Norden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Freundin hat vor Kurzem geheiratet. Richtig spektakul\u00e4r, mit viel Tamtam, viel Kleid, hunderten von G\u00e4sten, Live-Musik, Show-Koch und einer Tanzeinlage der Uroma. Danach ging\u00b4s weiter nach Amerika zum Flittern. 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