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Premiere für „Welfs Erbe“

Großes Freilichttheater kehrt am Samstag, 18. Juli 2026 nach Steingaden zurück

Nebelschwaden ziehen über den historischen Marktplatz von Steingaden. Hufschläge hallen auf dem Kopfsteinpflaster und mischen sich mit mächtiger Musik, während aus dem Dunkel langsam Ritter auf kräftigen Kaltblütern hervortreten. Fackeln tauchen Mauern und Gesichter in flackerndes Licht – Herzog Welf VI. reitet ein. Mit dem Freilichtspiel „Welfs Erbe“ kehrt in diesem Sommer großes Theater in den Pfaffenwinkel zurück.

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An neun Abenden lassen über 200 ehrenamtliche Darsteller aller Generationen – vom Gauklerkind bis zum betagten Chorherren – das Mittelalter lebendig werden: Chorherren und berittene Soldaten, Gaukler mit Jonglage und Akrobatik, ein rauschendes Festmahl im 12. Jahrhundert, rotzfreche Spielleute, ein zunehmend entnervter Herzog Welf. Dazu erklingt live gespielte Musik, die den Platz füllt: Bläserklänge, mittelalterliche Musici, ein 80-köpfiger Chor. Dazwischen lebhafte Momente: Ein Mistfuder wird entladen, ein Roßknecht provoziert die Obrigkeit, Soldaten preschen hoch zu Ross in die Menschenmenge. Das Spektakel vereint Dramatik und Humor zu einem beeindruckenden Gesamterlebnis mit tieferem Sinn.

Im Zentrum steht eine entscheidende Phase der Steingadener Geschichte: Das Stück spannt den Bogen von der Auflösung des Klosters 1803 zurück zu Herzog Welf VI., dem Stifter des Prämonstratenserklosters Steingaden. Es geht um Macht und Glauben, um Zweifel, Verantwortung und Entscheidungen mit weitreichenden Folgen.

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Viele Mitwirkende investieren seit Monaten unzählige Stunden ihrer Freizeit. Unter der Leitung der erfahrenen Regisseurin Gisela Maria Schmitz wird an den Rollen gefeilt: Manche Szene wird acht-, zehn- oder fünfzehnmal gespielt, bis Betonung, Mimik und Gestik stimmen. Besonders die örtlichen Bauern und Pferdehalter tragen zum Erfolg bei. Sie stellen ihre kräftigen Kaltblüter und historischen Fuhrwerke zur Verfügung – trotz enormen Zeitaufwands mitten in der arbeitsintensiven Sommerzeit. Kräftige Kaltblüter, staatstragend für die Ritter, spritzig für die Soldaten – ohne die „Rosserer und Rosserinnen“ wäre das Spiel in dieser Form nicht denkbar.

Ein Stück mit Tradition

Geschrieben wurde „Welfs Erbe“ 1997 von Karl Müller-Hindelang anlässlich der 850-Jahrfeier Steingadens. Der große Erfolg führte 2003 zur Wiederaufführung und machte das Stück zum identitätsstiftenden Kulturereignis des ehemaligen Klosterdorfes. Karl Müller-Hindelang ist auch dieses Mal wieder dabei – als Teil des dreiköpfigen Spielleitungsteams. Zusammen mit Christian Schönfelder, ebenfalls ein Mann der ersten Stunde, fügt er die einzelnen Puzzleteile aus Schauspiel, Reiterei, Musik und Statisterie zu einem großen Ganzen zusammen.

Die eigens komponierte Musik von Manfred Glowatzki erklingt wieder live nach den handschriftlichen Originalnoten. Das gut 20-köpfige Theaterorchester der örtlichen Blaskapelle spielt die durchaus anspruchsvolle Komposition. Zusammen mit dem Kopfsteinpflaster, das jedem Hufschlag seinen eigenen Klang verleiht, entsteht eine Atmosphäre, die man nicht nur sieht, sondern hört und fühlt.

Die Aufführungen

Seit über zwei Jahren laufen die Vorbereitungen. Seit Januar proben die Darstellenden zweimal wöchentlich, ab Mitte April auf dem Marktplatz unter freiem Himmel. Das große Ziel ist die Premiere am 18. Juli vor hoffentlich voll besetzter Tribüne mit 714 Plätzen.

Insgesamt bieten neun Vorstellungen über 6.000 Zuschauern Platz. Gespielt wird jeweils ab 20.30 Uhr, wenn der Tag langsam in die Dämmerung übergeht – ein besonderes Erlebnis. Schon ab 18 Uhr laden Rahmenprogramm und Kulinarisches am Marktplatz ein, auch die örtlichen Wirtschaften sind geöffnet. Und natürlich darf der eigens gebraute Welfentrunk nicht fehlen – ein süffiges, naturtrübes Kellerbier mit Kultstatus.

Freuen Sie sich auf ein außergewöhnliches Freilichttheater: bildgewaltig, emotional, überraschend – und getragen von einem Dorf, das seine Geschichte mit Herzblut erzählt.

Tickets und Infos: www.welfenbühne.de oder
Tourist Information Steingaden, Tel. 08862 910113

Text · Fotos: pm / Ti Steingaden

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