
Kleiner Prinz – Großer Bruder Ludwig
Im März 1848 brachten die Revolutionsunruhen mit dem sogenannten „Märzerlass“ am 06. März desselben Jahres die noch junge bayerische Monarchie ins Wanken. Der Märzerlass zwang den amtierenden König Ludwig I. zu weitreichenden Zugeständnissen, denen Folge zu leisten er nicht in der Lage war oder wollte.
Diese Ereignisse sorgten dafür, dass der amtierende König die Krone zugunsten seines ältesten Sohnes Maximilian am 20. März aufgeben musste, um das Königreich Bayern aufrechterhalten zu können. Prinzessin Marie Frederike von Bayern, eine Nichte des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. und Ehefrau Maximilians, bekam die Aufregung um die Revolution 1848 nicht gut.
Die zu dieser Zeit 22-Jährige war im siebten Monat schwanger, als sich die Ereignisse in München überschlugen und die junge Frau plötzlich zur Königin von Bayern wurde. Die Unruhen im Land und sicher auch in der bayerischen Königsfamilie sorgten wohl dafür, dass sich das neue Familienmitglied früher einstellte als erwartet. Königin Marie befand sich gerade im Kinderzimmer ihres Erstgeborenen, als die Wehen einsetzten, und so wurde der 27. April 1848 zu dem Tag, an dem Ludwig ein großer Bruder wurde.
Viel zarter und kleiner als Ludwig war das neugeborene Geschwisterchen. Aber der kleine Prinz erholte sich bald, und nur zwei Tage später erfolgte die feierliche Taufe. Otto Wilhelm Luitpold Adalbert Waldemar von Bayern erhielt den ursprünglich für Ludwig geplanten Rufnamen „Otto“. Der zweieinhalb Jahre alte Ludwig und sein gleichnamiger Cousin, der dreijährige Sohn des späteren Prinzregenten Luitpold, durften während der Zeremonie stolz die Taufkerzen halten.
Schnell entwickelte sich der aufgeweckte, charismatische und manchmal freche Prinz Otto zum Liebling des bayerischen Hofes – nicht immer zum Wohlgefallen seines großen Bruders, der eher als schüchtern und reserviert galt. Auch optisch unterschieden sich die Brüder maßgeblich. Ludwig, dunkelhaarig, groß und schlank, war das ganze Gegenteil zum eher gesetzteren, in manchen Zeiten fast schon pummeligen, blonden Otto.
Die Geschwister, so unterschiedlich sie waren, standen sich sehr nahe und waren insbesondere in frühen Kindertagen enge Verbündete, vor allem gegen ihre oft sehr strengen Lehrmeister. Auch gegen die strenge Erziehung ihres königlichen Vaters rebellierten die Prinzen.
So erwirkte Otto eine Verdopplung des für ihn zu knappen und von König Maximilian II. bestimmten Taschengeldes, indem er sich einen gesunden Zahn ziehen lassen wollte. Er hatte gehört, man könne diesen „versilbern“ und als Implantat verkaufen. Der Vater bestrafte ihn dafür, die Mutter erhöhte beiden Kindern gegen das Versprechen, solchen Unfug zukünftig zu lassen, das Taschengeld. Viele ihrer gemeinsamen Abenteuer erlebten die Prinzen in Hohenschwangau – sei es beim Wandern, Angeln oder Schwimmen, bei Geburtstagsfesten und Familienbesuchen.
Mehr über das Leben der beiden Brüder, ihre Zeit in Hohenschwangau und das Verhältnis zu ihren Eltern erfahren Sie in den Pfingstferien bei der „Prinzen und Prinzessinnen“-Führung auf Schloss Hohenschwangau.
Die Führungen finden an folgenden Terminen jeweils mit Einlass um 10:25 Uhr statt und sind insbesondere für Kinder von 4–10 Jahren gestaltet: 27.05., 28.05., 31.05., 01.06., 04.06. und 05.06.2026. Preise: Erwachsene € 26,50 pro Person, Kinder von 4 bis einschließlich 17 Jahren € 12,00,
Kinder bis einschließlich 3 Jahre frei. Reservierungen sind per E-Mail an events@hohenschwangau.de möglich. Die Tickets müssen am Besuchstag spätestens eine Stunde vor Einlass im Ticket Center Hohenschwangau abgeholt werden.
Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.hohenschwangau.de
Text: Louise-H. Meinicke, Kulturvermittlerin
im Museum der bayerischen Könige
Foto: Wikipedia



