
75 Jahre Kaisersaalkonzerte
Kammermusik mit Tradition im Herzen Füssens
Einer der schönsten Konzertsäle Bayerns, Weltklasse-Musiker und eine Konzertreihe, die seit 75 Jahren aus Füssen nicht wegzudenken ist: Die Kaisersaalkonzerte im Barockkloster St. Mang feiern in diesem Sommer ein besonderes Jubiläum – und haben sich dafür etwas Besonderes vorgenommen. Was 1951 als private Initiative eines einzelnen Mannes begann, ist heute ein Leuchtturmprojekt der Stadt:
Am 8. Juli 1951 organisierte der Leiter der städtischen Singschule, Hanns Lang, das erste öffentliche Konzert im Fürstensaal, wie der Festsaal des Klosters St. Mang lange genannt wurde. Was heute selbstverständlich klingt, war damals eine mutige Unternehmung: Lang trug in den ersten Jahren privat das finanzielle Risiko und wurde später durch die Stadt und die damalige Kurverwaltung unterstützt. Karina Hager, die die Kaisersaalkonzerte seit 1990 organisiert, hat beim 50-jährigen Jubiläum vor 25 Jahren mit Langs Sohn gesprochen und dabei erfahren, wie viel der Gründer persönlich investiert hat:
1968 übernahm Oberschullehrer Schweiger die Konzertorganisation. Er gab diese Aufgabe 1972 an Alfons Nieberle ab, der die Künstler- und Programmauswahl Anfang der 1990er Jahre ganz in die Hände des Kulturamts legte.
Damit wandelte sich die Konzertreihe von einer privaten Herzensangelegenheit zu einem institutionell getragenen Kulturangebot der Stadt – was Karina Hager ausdrücklich begrüßt: „Es ist der Rückhalt der Stadt da und ein finanzielles Budget, das dafür zur Verfügung gestellt wird.“ Und sie ergänzt mit Blick auf die gestiegene Komplexität des Veranstaltungsbetriebs: „Das könnte heute von privater Seite – nicht nur finanziell, sondern auch organisatorisch – nicht mehr gestemmt werden.“
Der Saal als Maßstab
Der Kaisersaal mit seiner hervorragenden Akustik bietet den idealen Rahmen für Kammermusik. Die hohe handwerkliche und künstlerische Qualität des von Carlo Andrea Maini gestalteten Prunksaales gilt bis heute als Maßstab – auch für die Konzertauswahl. Hier treffen eine außergewöhnliche Architektur, musikalische Spitzenleistungen und die historische Kompetenz Füssens als Wiege des europäischen Lauten- und Geigenbaus aufeinander.
Dass Saiteninstrumente bei der Programmgestaltung eine besondere Rolle spielen, ist dabei kein Zufall: Die Verbindung zur Füssener Musikgeschichte ist für Hager ein bewusstes Kriterium bei der Auswahl. „Die Geigen beziehungsweise die Saiteninstrumente spielen eine ganz wichtige Rolle bei der Konzertauswahl.“
Dabei ist Qualität nicht nur ein Schlagwort, sondern ein Grundprinzip, das von Anfang an zu Grunde gelegt wurde: „Die Qualitätsmaßstäbe hat dabei schon 1951 Hanns Lang gesetzt“, erklärt Hager. Ein weiterer Baustein ihrer Arbeit ist die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Musikrat, über die sie junge Preisträgerinnen und Preisträger zu Beginn ihrer Karriere nach Füssen holen kann – und der Saal damit immer wieder frischen Wind bekommt: „Da ist mir einfach auch wichtig, dass man diese jungen Preisträger einlädt und sie fördert.“
36 Jahre, eine Herzensangelegenheit
Karina Hager übernahm die Organisation der Kaisersaalkonzerte Mitte des Jahres 1990. Seit 1984 ist sie bei der Stadt Füssen tätig, heute als Kulturamtsleiterin, einem Amt, das vier Bereiche umfasst: Konzert-Organisation, Archiv, Stadtbibliothek und Museum. Die Kaisersaalkonzerte sind zwar Teil ihrer Stellenbeschreibung, aber längst mehr als das: „Für mich ist es eine Herzensangelegenheit. Und ich genieße die Konzertabende auch persönlich immer sehr. Es ist eine Belohnung für die Arbeit, die dahinter steckt.“
Die Planung beginnt übrigens weit im Voraus: Etwa ein Jahr vor der Saison trifft Hager die Künstlerauswahl – eine Aufgabe, die angesichts der täglichen Flut an Bewerbungen viel Fingerspitzengefühl erfordert. „Es bewerben sich so viele tolle Künstler und Künstlerinnen. Am liebsten würde ich allen eine Chance geben, aber das geht leider nicht bei diesen wenigen Konzerten.“
Das Jubiläumsjahr: Sechs Konzerte statt fünf
Zum 75-jährigen Bestehen wird die Reihe in diesem Sommer erstmals auf sechs Konzerte erweitert – bisher waren es stets fünf. Zwischen 40 und 45 Abonnements werden pro Saison vergeben – eine Zahl, die sich laut Hager in den vergangenen zehn Jahren stabil eingespielt hat. Nach einem Rückgang in den 1990er Jahren ist das Interesse am Abo wieder erfreulich groß.
Das Stammpublikum macht mit den Abonnenten und weiteren treuen Gästen etwa zwei Drittel der Besucher aus, ein Drittel entfällt auf Touristen – darunter sowohl Kenner, die ihre Karten schon von daheim buchen, als auch Kurzentschlossene, die das Angebot bei ihrer Ankunft in Füssen entdecken. Oft, so Hager, gibt es kurz vor dem Konzert schlicht keine Karten mehr.
Dass das Publikum eher reiferen Alters ist, sei eine Beobachtung, mit der Hager gelassen umgeht. Das Argument, dem Saal würde irgendwann das Publikum wegsterben, hört sie schon seit Jahrzehnten – und widerlegt es jedes Mal aufs Neue: „Diese Frage wurde vor 30 Jahren gestellt und die wird mir heute auch gestellt. Wenn es wirklich so wäre, dann müsste heute der Saal leer sein – und das ist er ja nicht.“
Gerade ein Blick auf die Künstlerinnen und Künstler selbst spreche Bände: Es sind oft junge Menschen, die sich der Kammermusik verschreiben und mit ihrer Leidenschaft auch ein neues Publikum ansprechen. „Das könnte auch ein Signal an ein junges Publikum sein“, so Hager.
Leuchtturmprojekt mit Bodenhaftung
Das Feedback, das Karina Hager erreicht, ist durchweg positiv – besonders die Kombination aus musikalischer Qualität, historischem Saal und überragender Akustik wird von Besuchern immer wieder hervorgehoben. „Wer schon einmal ein Konzert besucht hat, kommt meistens wieder“, sagt sie.
Von politischer wie touristischer Seite genießt die Konzertreihe höchste Wertschätzung: Sowohl Bürgermeister Maximilien Eichstetter und Stadtrat als auch Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier bezeichnen die Kaisersaalkonzerte als Leuchtturmprojekt der Stadt. Und so soll es auch bleiben: „Das wollen wir auf jeden Fall weiterführen“, bekräftigt die Kulturamtsleiterin.
Eine der zentralen Herausforderungen dabei bleibt die Balance zwischen Finanzierbarkeit und Qualität. Für Karina Hager ist es eine stete Gratwanderung: „Wir wollen möglichst vielen Menschen die Konzertbesuche ermöglichen und nicht elitär sein.“
Info:
Karten sind bei folgenden Verkaufsstellen erhältlich:
Tourist Information Füssen
Kaiser-Maximilian-Platz 1
Füssen
Allgäuticket
0831/206-5555 oder www.allgaeuticket.de
Gegebenenfalls können zusätzlich Gebühren entstehen
(Sie gelangen beim jeweiligen Konzert unter Karten direkt auf die Bestellseite)
Abonnement der sechs Konzerte
Preis 192 € | 168 € ermäßigt* | 96 € Schül./Stud.
Bestellung +49 (0)8362 903 146 oder kultur@stadt-fuessen.de
Text: Sabina Riegger · Foto: Hubert Riegger



