
Divertikulose – Der Darm auf „Irrwegen“
Waren Sie schon einmal bei einer Darmspiegelung, die ja ab einem gewissen Alter durchaus angeraten ist. Darmkrebs ist nun wirklich keine schöne Erkrankung, deshalb sollte man schon mal nachschauen, ob hier alles in Ordnung ist oder bleibt. Schlimm ist die ganze Prozedur eigentlich gar nicht, das Abführen ist etwas anstrengend, aber das geht vorbei… Danach hat man wieder Sicherheit und das ist doch schön!
Was durchaus dabei als Nebenbefund herauskommen kann, sind Divertikel, Ausstülpungen im Darm, vor allem im Dickdarm, die meist gar keine Symptome machen und nur im Rahmen einer Koloskopie entdeckt werden. Sie entstehen häufig im Alter von 40-70 Jahren durch vermehrten Druck im Darm und machen zu 70-80 Prozent keine Beschwerden. Falls doch, sind sie oft unspezifisch: Bauchschmerzen, meist im linken Unterbauch, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall. Diese Beschwerden sind gar nicht so leicht von dem sogenannten „Reizdarm“, von dem man jetzt immer so viel hört, zu unterscheiden. Mehr als die Hälfte der über 75-jährigen weist Divertikel auf, aber wie oben schon genannt auch durchaus schon jüngere Erwachsene. Trotz des starken Verbreitungsgrades ist deren Entstehung noch nicht vollständig geklärt.
Neben einer falschen Ernährung (ballaststoffarm) und einer ungesunden Lebensweise, sprich zu wenig Bewegung, spielt wohl aber auch Übergewicht eine Rolle. Es scheint auch die Genetik nicht ganz unbeteiligt zu sein. Beschrieben werden ebenfalls Veränderungen im Bindegewebe, eine verdickte Wand des Dickdarmes sowie Störungen in dem betreffenden Nervensystem sowie in der Darmbewegung. Dass in einem höheren Lebensalter die Elastizität der Darmwand nachlässt, steht leider außer Frage und begünstigt das Ganze…
Erstaunlicherweise spielen noch ganz andere Begleit-Erkrankungen, die man gar nicht vermuten würde, oft mit eine Rolle. So zeigten sich in Studien wohl Zusammenhänge einer Divertikelkrankheit mit Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes 2, arteriellem Bluthochdruck oder chronischen Nierenerkrankungen. Komplizierte Fälle wurden auch bei Personen mit allergischer Vorbelastung gegenüber Pollen, Nahrungsmitteln, diversen Medikamenten, leider auch Haustieren und einer Immunschwäche dokumentiert.
Geht es nun in eine symptomatische Form über, die wie die bereits oben beschriebenen Beschwerden beinhalten, gilt es, sie natürlich dringend gegenüber dem Reizdarm abzuklären. Aber leider kann es jetzt noch viel schlimmer kommen: wenn die Divertikelwand sich entzündet, liegt eine mehr oder minder schwere, generell behandlungsbedürftige „Diverkulitis“ vor und das ist nun wirklich nicht ganz ungefährlich. Sie wird durch Ablagerung von Stuhl, Nahrungsresten, Schleim oder gar Eiter in den Ausbuchtungen verursacht, weshalb sich oft Bakterien ansiedeln. Im weiteren Krankheitsverlauf kann die Entzündung auf weiteres Darmgewebe übergreifen.
In diesem hochakuten Stadium leiden die Betroffenen an richtig heftigen, linksbetonten Unterbauchbeschwerden, häufigem Stuhldrang sowie einem Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung, aber auch Übelkeit, Fieber, ein allgemeines Krankheitsgefühl treten auf, die weit über die vorigen Probleme hinausgehen. Weil diese Symptome mitunter wenig spezifisch sind, und so auch durch andere Krankheiten bedingt sein könnten, wäre bei Verdacht auf eine Diverkulitis sowohl eine körperliche als auch eine labortechnische, sprich Blutuntersuchung durchaus angeraten. Auch eine Computertomografie, Ultraschall oder bei Frauen eine gynäkologische Abklärung ist hier sinnvoll.
Das klingt momentan ziemlich aufwendig, aber dadurch kann man viele andere Ursachen relativ schnell ausschließen. Was letztendlich zur Entzündung dieser Ausbuchtungen führt, ist nicht abschließend geklärt. Neuere Studien konnten zumindest widerlegen, dass sich Divertikel durch Nüsse oder Kerne, die sich darin verfangen, entzünden.
Wird eine Diverkulitis zu spät erkannt oder nicht entsprechend therapiert, drohen erhebliche Komplikationen. Die Divertikel können bluten, perforieren und es kann zu Abszessen im Bauchraum führen. Es kann schlimmstenfalls zu einer Bauchfellentzündung und Sepsis kommen. Darmverengungen aufgrund dieser entzündlichen Schwellungen bergen sogar die Gefahr eines Darmverschlusses. Außerdem ist eine Fistelbildung zwischen verschiedenen Darmabschnitten oder zu benachbarten Organen möglich. Ich fürchte fast, diesmal habe ich Ihnen eventuell sehr große Angst gemacht! Das wollte ich natürlich nicht, aber ich finde es schon wichtig, zu wissen, auf welche Symptome man achten sollte und zeitnah etwas dagegen zu tun.
Heilende Nahrung?
Leider ist zur Behandlung der Divertikelkrankheit keine wirklich bekannte Ernährungstherapie bekannt, doch haben sich je nach den Problemen verschiedene Empfehlungen als bewährt etabliert. Die Empfehlungen richten sich nach dem „Schweregrad“:
Man hat noch keine Beschwerden: Dann ballaststoffreiche Kost, reichlich Flüssigkeit und viel Bewegung.
Leichte Beschwerden: Nicht zu viele Ballaststoffe, je nach Verträglichkeit, auch wieder viel Flüssigkeit, Bewegung, auch ein Arztbesuch wäre auf jeden Fall angeraten.
Unkomplizierte Diverkulitis:
Jetzt Ballaststoff-reduzierte Ernährung und natürlich eine ambulante Behandlung.
Komplizierte Diverkulitis:
Anfänglich absolute Nahrungskarenz, um den Dickdarm zu entlasten. Das bedeutet, die Betroffenen dürfen also gar nichts essen, sondern nur Wasser, Kräutertee oder fettfreie Brühe zu sich nehmen. In aller Regel werden sie dann im Krankenhaus versorgt. Später wird nach Abklingen der Beschwerden die Nahrungsaufnahme wieder langsam gesteigert. Sobald Reis- oder Haferschleim wieder vertragen wird, kann schrittweise folgende ballast- und fettarme Nahrung eingeführt werden: Klare Brühe mit Einlage: Nudeln, Reis, Kartoffeln, Zucchini
Gedünstetes und püriertes Gemüse: Spinat, Kürbis, Karotten · Passiertes Obst · Zwieback, Weißbrot · Fettarmer Joghurt · Gedünstetes, mageres Fleisch · Reichlich Kräutertee
Sobald eine Diverkulitis vollständig ausgeheilt ist, wird ganz langsam auf eine ballaststoffreiche und überwiegend pflanzliche Ernährung umgestellt. Da man nicht ganz sicher weiß, dass man mit Medikamenten vorbeugen kann, ist diese Form der Ernährung sicher vorteilhaft, denn wenn die Divertikel schon mal da sind, werden sie kaum von selber wieder verschwinden…
Zu diesem Thema gibt es ganz tolle Kochbücher, um dem Chaos im Darm Einhalt zu gebieten.
Da ja die „Geschmäcker“ sehr verschieden sein können, gibt es eine Vielzahl von Rezepten, da ist sicher etwas für Sie dabei, sowohl mit Fleisch, aber genauso für Vegetarier und Veganer.
Ein Rezept, das mir auf jeden Fall schmecken würde, wäre folgendes:
Zitronenhähnchen
25 g Mandelmehl, 1TL Salz und etwas Zitronenschale in einer mittelgroßen Schüssel mischen. Circa 900 g halbierte Hähnchenbrüste hineingeben, sie sollten gut mit der Mischung bedeckt sein. Die restliche Zitrone in feine Scheiben schneiden. In einer großen Pfanne 1 EL Knoblauchöl oder auch ein anderes Öl bei mittlerer bis hoher Temperatur erhitzen.
Es empfiehlt sich, die Hähnchenbrüste in einer einzigen Schicht hineinzulegen und etwa fünf Minuten zu braten, bis die Unterseite gebräunt ist.
Das Hähnchen in der Pfanne mit dem ausgetretenen Wasser und den Zitronenscheiben drei Minuten lang kochen oder bis hier entstandene Soße leicht reduziert ist. Servieren mit dieser Soße und frischer Petersilie. Guten Appetit!



