KulturLeben

Drei Filme gegen Rechts

Am 11. und 12. Juni im Alpenfilmtheater in Füssen

Sein Markenzeichen ist ein echter Lindenberger Strohhut und der wird ebenfalls zu sehen sein, wenn Leo Hiemer am 11. und 12. Juni zum Lechflimmern ins Alpenfilmtheater nach Füssen kommt. Im Gepäck sein jüngstes Projekt namens „3 FILME GEGEN RECHTS“. Drei Kurzfilme, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit der nationalsozialistischen Vergangenheit unserer Region auseinandersetzen.

Hiemer kam im westallgäuerischen Meierhöfen zu Welt und wuchs als Sohn eines Landwirts auf einem Bauernhof auf. Bereits während des Studiums – Germanistik- und Geschichte – sammelte der heute in Kaufbeuren lebende Regisseur und Autor erste Erfahrungen hinter der Kamera.

Bis heute setzt sich der zweifache Vater kritisch aber stets liebe-, ja mitunter auch humorvoll mit seiner Heimat und deren Bewohnern auseinander. Einen besonderen Schwerpunkt legt Hiemer dabei auf das sehr düstere Kapitel der Deutschen Geschichtsschreibung: den Nationalsozialismus im Allgäu. 

„3 FILME GEGEN RECHTS“ liefen bereits an einigen Orten, nicht nur im Allgäu. In Ulm kam die Kulturbürgermeisterin und sprach ein Grußwort, in Kempten richtete die Kulturbeauftragte des Stadtrats einige Worte an die Gäste und in Kaufbeuren war es der stellvertretende Oberbürgermeister.

Von Seiten des Füssener Kulturamts bekam Hiemer einen Korb und kann das nicht nachvollziehen. „Ich war etwas irritiert, dass es hieß, es handle sich um eine politische Veranstaltung“, gab er zu und fügte lachend hinzu: „Es ist doch alles Politik. Aber es handelt sich hierbei nicht um eine parteipolitische Veranstaltung.“

Politische Bildung könne es genannt werden. „Es geht darum, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, was ein autoritäres, ein diktatorisches Regime in Deutschland schon mal angerichtet hat und vor allem, dass diese Spuren bis heute noch feststellbar sind.“

Zum Filmtrio aus der Hand des Produzenten und Autors gehört das Interview „Wally Koch. Das Schicksal meiner Mutter Veronika Zettler (1896-1945)“. Die damals 85-jährige Zeitzeugin erzählte Hiemer, wie ihre Mutter 1944, sie war damals zehn Jahre alt, in Oberthingau wegen sogenannter Wehrkraftzersetzung verhaftet und nach Kaufbeuren ins Gefängnis gebracht wurde. Kurz darauf starb Zettler in Folge einer Gewalttat. Beim Erzählen zieht Wally Koch ihre eigenen Schlüsse aus der Geschichte.

Für den Dokumentarfilm „Kann Spuren von Nazis enthalten“ war Hiemer in Memmingen auf Spurensuche nach Opfern der NS-Herrschaft. Verweise und Indizien führten ihn auch in Nachbarlandkreise, nach Kempten und Kaufbeuren. Wie von Anfang seines Schaffens an recherchierte der Regisseur akribisch, lässt Zeitzeugen, Historiker und Experten zu Wort kommen. Darüber hinaus beleuchete er in diesem Beitrag den aktuellen Rechtsruck in unserer Gesellschaft kritisch. „Heute spielen die sozialen Medien dabei eine große Rolle, über die sich einfache und radikale Botschaften schnell verbreiten lassen.“ 

Den dritten Teil bildet ein 15-minütiger Kurzspielfilm, der von Hitlers Festungshaft in Landsberg am Lech erzählt. Es ist der Schauspieler Ernst Konarek, der den ehemaligen Gefängniswärter des „Führers“ spielend davon berichtet. Von der Vorzugsbehandlung, die Hitler in seiner Gefangenschaft erhielt, von den 1930er Jahren, als die Hitler-Zelle Kultstatus erhielt und wie ein Wallfahrtsort Besucherströme anlockte und von den harten Haftbedingungen, die wiederum Hitlers Gegner dort ertragen mussten.

„Ich wurde auf die Memoiren des echten Hitler-Wärters, Franz Hemmrich, hingewiesen. Die habe ich zur Grundlage für meinen kleinen Kurzspielfilm gemacht.“ Für den Film wurde Hiemer vom Landsberger Stadtmuseum beauftragt. „Ich habe einige Filme für Museen gemacht. Die Museen sind alles andere als eingestaubt, sondern haben ihren Finger mittlerweile am Puls der Zeit. Letztendlich ist es dem Zuschauer überlassen, seine Schlüsse aus dem zu ziehen, was er sieht.“

Für Kinder unter zwölf Jahren seien die Filme nicht geeignet. „Für manche Szenen braucht man schon eine gewisse Reife“, so Hiemer. Nach oben gibt es allerdings keine Altersgrenze.

Sehr freuen würde er sich, dass die Füssener Schulen sich bei ihm oder im Alpenfilmtheater melden. „Es ist garantiert möglich, noch vor den Sommerferien eine Sondervorstellung zu machen.“

Persönlich wird er bei beiden Vorstellungen jetzt im Juni auch dabei und für die Kinobesucher durch seinen hellen Strohhut klar erkennbar sein.

Text: Selma Hegenbarth · Foto: Privat

Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das könnte Dich auch interessieren
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"