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Fachkräftemangel auch durch Wohnungsknappheit

Hotellerie und Pflege auf der Suche nach Wohnungen

In vielen Bereichen mangelt es in Deutschland an Personal. Im südlichen Ostallgäu sind es zu einem großen Anteil Fachkräfte in der Pflege und der Gastronomie. Für viele potenzielle Mitarbeiter dürften die Wohnungsnot und zu hohe Mieten eine ziemliche Hürde sein, um in der Region zu leben und zu arbeiten.

Dementsprechend kann der Mangel an (bezahlbarem) Wohnraum den Fachkräftemangel noch weiter verstärken. Verschiedene Immobilienbüros und -anbieter kommen auf ähnliche Berechnungen: Der durchschnittliche Mietpreis liegt in der historischen Stadt Füssen bei 11 bis 14 Euro/m². Kein Geheimnis ist, dass viel Wohnraum als Ferienwohnungen und Zweitwohnsitze genutzt wird.

Ein Beherbergungskonzept, für das die Stadt vor rund drei Jahren die CIMA Beratung + Management GmbH beauftragte, kam zu einem aussagekräftigen Ergebnis: Mehr als jede fünfte Wohnung in Füssen ist eine Ferienwohnung oder eine Zweitwohnung. Die Region verliert dadurch nicht nur dringend benötigte Facharbeiter, sie bleibt zudem für Familien unattraktiv.

Berechnungen des Bundesamts für Statistik zufolge steigt der Anteil von 75-Jährigen und Älteren von momentan rund 15,9 Prozent bis 2042 auf 23,3 Prozent. Auch die Bertelsmann-Stiftung geht in ihrem „Wegweiser Kommune“ davon aus, dass bis 2040 mindestens 17,5 Prozent der Füssenerinnen und Füssener 65 bis 79 Jahre alt, neun Prozent der hier lebenden Menschen 80 Jahre und älter sein werden.

Wer aber soll diese Menschen pflegen, wenn die Seniorenheime und Betreuungseinrichtungen kein Personal halten können, weil viele an der Wohnungssuche scheitern? Matthias Stroeher leitet das Seniorenheim St. Michael in Füssen. Das vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) betriebene Pflegeheim steht vor zunehmenden Herausforderungen.

Dass Pflegefachkräfte eine Anstellung bei ihm im Haus nicht annehmen können, weil sie keine Wohnung in Füssen und der Umgebung finden, sieht der Heimleiter kritisch. „Die Gastronomie, die Hotellerie und das Gesundheitswesen brauchen dringend Kräfte. Wir würden in der Regel auch welche finden, aber es scheitert dann wirklich am Wohnraum.“

Er appelliert deshalb an die Vermieter, sich gut zu überlegen, wen sie in ihre Immobilie nehmen. Der Landesverband bürge zudem, wenn er als Mieter fungiert und den Wohnraum an die eigenen Leute untervermietet. „Das sind Menschen, die in Füssen bleiben möchten und der Stadt etwas bringen“, verweist Stroeher auf den zunehmenden Anteil pflegebedürftiger Personen. Gerade die Fachkräfte der systemrelevanten Berufe mit ihren Familien seien diejenigen, die die Stadt dauerhaft bereichern.

Der Tourismus ist im Landkreis ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor. Auch diese Branche kämpft mit der Suche nach Mitarbeitern. Denn längst nicht alle Stellen sind für Saisonkräfte ausgelegt, für die Wohngemeinschaften oder Mitarbeiterzimmer eine Lösung sein können. Stefanie Baier-Ruchti ist Schriftführerin der Dehoga-Kreisstelle Ostallgäu (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) und Inhaberin des Hotel Ruchti in Füssen.

„Wir als Hotel haben ein eigenes Personalhaus, aber ich weiß von vielen Kollegen, dass sie Probleme haben, geeignetes Personal zu finden. Aus dem Grund, dass es in Füssen so schwierig ist, günstige Wohnungen zu bekommen.“ Die Gastronomin ist jedoch überzeugt, dass die Stadt sich darum bemühe, das Thema anzugehen. „Füssen wird noch wachsen, das denke ich auf jeden Fall. Es ist ein guter Standort und einfach schön, man möchte auch gerne hier leben.“

Text: Selma Hegenbarth · Grafik: Hans Böckler Stiftung

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