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Oxymel: Eine kleine vergessene Heilkraft

Oxymel? Was ist denn das? Falls es Sie beruhigt, ich wusste es bis zum Herbst letzten Jahres auch noch nicht. Durch Zufall habe ich in einer Zeitschrift einen Artikel über Hagebutten und deren Verwendung gelesen. Und da habe ich mir gedacht, nachdem diese so schön bei uns am Haus wachsen, da probiere ich dieses Rezept doch gleich mal aus. Ist mir für meinen Geschmack etwas zu sauer geraten, aber meine Mama nimmt es gerne, nächstes Mal wird es hoffentlich besser…

Ja, was ist denn jetzt der „geheimnisvolle“ Oxymel? Auch, wenn der Name dieses Extraktes sehr modern anmutet, hat Oxymel , ebenfalls als „Sauerhonig“ bekannt, eine Jahrhunderte alte Tradition, von der wir heute noch und vielleicht mehr denn je profitieren können. Der Name dieses Konzentrates setzt sich zusammen aus Oxy für Säure und Mel für Honig. Also, nun ist es heraus: Dieses tolle Präparat hat als Grundlagen Essig und Honig und je nach Belieben, entsprechende natürliche Zutaten!

Erfrischende Mischgetränke aus Wasser, Essig und Honig sind schon seit der Antike geläufig. Ihre Popularität hat sich trotz der allgegenwärtigen zuckerhaltigen Limonaden gottseidank in einigen Ländern Asiens und des nahen Ostens erhalten. Der Grundstoff dieser Getränke oder Zubereitungen ist immer Honig und Essig im Verhältnis 3:1. Das war leider mein Fehler, ich war mit dem Essig etwas zu großzügig.

Zur Naturmedizin entwickelt sich dieser süßsaure Extrakt eigentlich erst dann, wenn man Honig und Essig in ebendieser oben genannten Menge zusätzlich mit bestimmten Pflanzen, Gewürzen oder Früchten versetzt und die Mischung einige Wochen durchziehen lässt. Die Heilwirkung wird von der Auswahl der zugesetzten Kräuter bestimmt, dazu komme ich später noch.

Mit Wasser, Tee oder Säften aufgegossen, ergibt sich ein wahrer „Zaubertrank“, der z.B. in Russland oft schon vor dem Frühstück getrunken wird. Da Oxymel komplett ohne Alkohol als Lösungsmittel auskommt, kann er auch Kindern (nicht unter 2-3 Jahren) gegeben werden. Die Süße macht ihn angenehm und lecker.

Jetzt sind Sie sicher gespannt, mein persönliches Rezept kennenzulernen: mein Oxymel mit Hagebutten stärkt das Immunsystem und wirkt kräftigend.

Die Zutaten sind denkbar einfach:
300 ml Bio-Honig, ich empfehle eine flüssige Sorte, wie z.B. Akazienhonig o.ä.
100 ml Bio-Essig, naturtrüber Apfel-Essig, ist sicher die beste Wahl. Eine Handvoll frische Hagebutten, wenn nicht vorhanden, gehen sicher auch getrocknete.

Die Zubereitung:
Honig und Essig gut miteinander verrühren, bis sich der Honig gelöst hat – deshalb eben einen möglichst flüssigen Honig verwenden, dann geht es deutlich leichter!

Nun wird diese Mischung mit den klein geschnittenen Hagebutten vermengt und alles mit einem Stabmixer püriert. Mindestens sieben Tage lang ziehen lassen. Ich habe ihn aus eigener Erfahrung sogar länger als 14 Tage kühl ruhen lassen. Es werden z.T. sogar bis zu 4 Wochen geraten. Dann, das ist natürlich wichtig: Durch ein feines Sieb oder einen Teefilter abseihen und in desinfizierte Gläser füllen. Nach dem Öffnen, zur Sicherheit, im Kühlschrank aufbewahren.

Zur Anwendung:
Bei Erkältung mehrmals täglich einen Esslöffel pur oder verdünnt mit warmem Wasser einnehmen, zur Vorbeugung reicht 1 x täglich . Übrigens ist Oxymel auch hervorragend als Beiwerk zu einer feinen Salatmarinade geeignet. Ist das Glas noch zu, ist es ohne weiteres bei Zimmertemperatur und dunkel gelagert bis zu einem Jahr haltbar. Es gibt tatsächlich dieses Produkt auch bereits fertig zu kaufen, aber dann ist die individuelle Note, gerade mit den speziellen Kräutern, allerdings nicht dabei, das ist natürlich schade!

Während der Ruhezeit lösen die Säure aus dem Essig und der Zucker aus dem Honig die Inhaltsstoffe aus den Kräutern und machen sie für den Körper besser verwertbar. Gerade der Apfelessig wirkt im Darm antibakteriell und sorgt für den Aufbau einer gesunden Darmflora, in der Darmpilze relativ schlechte Karten haben. Die Dosierung kann man, je nach Geschmack, wie schon gesagt, selbst entscheiden: 1 EL morgens nach dem Aufstehen pur einnehmen oder nach Bedarf in Wasser, Tee oder Saft trinken.

Eine sehr interessante Variante, die ausnahmsweise sogar ohne Apfelessig auskommt, ist Ingwer-Oxymel mit Lindenblüten zum Aufwärmen. 300 g Bio-Ingwer, geraspelt oder fein gewürfelt, 3 Bio-Zitronen, mit Schale geachtelt, 3 Hände voll Lindenblüten, frisch aufgeblüht oder getrocknet, 1 kg Honig.

Der Zitronensaft ersetzt in diesem Fall eben den Apfelessig. Ansonsten wird mit den Zutaten genauso verfahren wie beim Grundrezept. Dieser Oxymel wirkt schweißtreibend und fördert das heilsame Fieber bei Erkältungen. Im Winter mit kaltem oder warmem Wasser aufgegossen, mobilisiert der Extrakt die eigene Körperwärme und hilft dabei, gesund zu werden. Sozusagen ein kleiner Katalysator für die eigene innere Heizung. Toll wäre es natürlich, bereits im Juni, zur Zeit der Lindenblüte, sich einen Vorrat für den kalten Winter zuzubereiten. Das Vitamin C aus den Zitronen sorgt für den eigenen extra „Vitaminstoß“.

Ein weiteres Rezept ist der Hustenoxymel. 250 g einer Mischung aus Fichtennadeln (diese auch am besten wieder im Frühling gesammelt, und zwar die jungen weichen Triebspitzen), Thymian und Spitzwegerich, 600 g Waldhonig, der ist auch schön flüssig, 1 Tasse Apfelessig.

Dieser Oxymel wirkt sehr schön hustenlösend, antibakteriell und beruhigend auf die Atemwege.

Auch ein Oxymel als Abendtrunk ist eine feine Sache. Eine Mischung aus 250 g Rosenblättern, Lavendel, Baldrianwurzel kleingeschnitten und Kamille zu gleichen Anteilen mischen mit 500 g Honig, 200ml Apfelessig. Wegen der Baldrianwurzel ist eine Ruhezeit von 4 Wochen sinnvoll, damit der Wirkstoff gut eindringen kann. Wie bekannt abseihen. Abends in lauwarmem Wasser vor dem Schlafengehen trinken. Dieser Sauerhonig wirkt beruhigend und fördert einen tiefen, erholsamen Schlaf.

Klar gibt es unendlich viele Varianten, welche den Honig, den Essig und die Kräuter betreffen, hier sind Ihrer Phantasie eigentlich keine Grenzen gesetzt.

Was ich aber noch erwähnen wollte: Oxymel 1:1 mit Wasser verdünnt (hier eignet sich der Zusatz von Spitzwegerich besonders gut) ist ganz prima bei Sonnenbrand oder Insektenstichen. Hierzu ein Tuch tränken und auf die entsprechenden Stellen auflegen.

So, jetzt kennen Sie hoffentlich, wie ich auch, etwas ganz Neues und doch so Einfaches.

Viel Spaß beim Experimentieren!

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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