Menschen

Internationaler Tag der Muttersprache am 21. Februar

Sprache ist Mittel zum Ausdruck, Instrument zur Weitergabe von Informationen, Wissen und Kultur. Damit ist sie Schlüssel zum Verstehen und zu gesellschaftlicher Teilhabe. Eine entsprechende Ausbildung in einer Sprache, die Menschen selbst sprechen und verstehen, erhalten hingegen nur 60 Prozent der Weltbevölkerung. 40 Prozent bleibt eine solche Ausbildung verwehrt.

Die UNESCO glaubt an die Bedeutung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt für nachhaltige Gesellschaften. Im Rahmen ihres Mandats für den Frieden setzt sie sich für die Bewahrung der Unterschiede in den Kulturen und Sprachen ein, die die Toleranz und den Respekt gegenüber anderen fördern.  

Viele Sprachen verschwinden oder werden bald verschwinden. Um den Status dieser bedrohten Sprachen zu überwachen, sammelt die UNESCO in einem interaktiven Online-Atlas Daten zu Sprachen, die vom Aussterben bedroht sind. Auch deutsche Mundarten wie das Sorbische, Jiddische oder Rhein- und Moselfränkische stehen auf der UNESCO-Liste der bedrohten Sprachen.

Um die weltweite Aufmerksamkeit auf die kritische Situation vieler indigener Sprachen zu lenken und Akteure und Ressourcen für ihre Erhaltung, Wiederbelebung und Förderung zu mobilisieren, erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen 2019 die Jahre 2022 bis 2032 zur Internationalen Dekade der indigenen Sprachen.

Vielsprachiges Füssen

In der Lechstadt leben derzeit mehr als 5000 Menschen, die gut 100 unterschiedliche Staatsangehörigkeiten haben und deren Muttersprache größtenteils nicht Deutsch ist. Von den rund acht Milliarden Menschen auf der Welt werden mehr als 7000 verschiedene Sprachen gesprochen, was zeigt, wie vielfältig die Menschheit ist.

Dabei sind zahlreiche Sprachen, die früher existierten, genauso längst ausgestorben wie manche Völker. Um die sprachliche und kulturelle Vielfalt und Mehrsprachigkeit auf der Erde aber zu erhalten und zu fördern, hat die UNESCO schon vor geraumer Zeit den „Internationalen Tag der Muttersprache“ ausgerufen, der seit dem Jahr 2000 jährlich am 21. Februar begangen wird.

Vor dem Hintergrund, dass gut die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht ist, hat sich die UNESCO zum einen die Förderung von Sprachen als Zeichen der kulturellen Identität der Sprechenden auf ihre Fahnen geschrieben. Zum anderen geht es ihr auch um den Fremdsprachenunterricht und die Mehrsprachigkeit als Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis und Respekt.

Daher soll der jährliche Gedenktag dazu dienen, die Aufmerksamkeit auf Minderheitensprachen mit weniger als 10 000 Sprechern zu lenken. Denn vielfach werden diese Sprachen nicht mehr an nachfolgende Generationen weitergegeben und geraten so in Vergessenheit. Und schließlich sind viele Sprachen mit teilweise weniger als 100 Sprechern noch nicht einmal erfasst und dokumentiert.

Alle zwei Wochen stirbt eine Sprache: Weltweit ist von den 7000 heute gesprochenen Sprachen die Hälfte vom Verschwinden bedroht. Alle zwei Wochen geht gemäß der UNESCO eine Sprache verloren.

Das gilt für die zahlreichen Sprachen, die in Füssen mit seinen fast 18 000 Einwohnern gesprochen werden, jedoch nicht. Und so gibt es in der Lechstadt neben der überwiegenden Mehrheit von Menschen, deren Muttersprache Deutsch ist, auch eine Vielzahl von Menschen, die in ihren Heimatländern andere Sprachen gelernt haben. Nach einer aktuellen Statistik gehören insgesamt 5096 unter den derzeit 17 822 Einwohnern der Lechstadt 112 anderen Nationalitäten an.

Sprache ist Kultur

Die Sprache ist ein wichtiger Teil unserer Persönlichkeit. Sie sagt, woher jemand kommt und erzählt damit einen Teil seiner Geschichte. Sprache ist mehr als ein Verständigungsmittel. Die Sprache macht nicht nur den intellektuellen Hintergrund eines Volkes aus. Sie ist Tradition und eng mit dem Denken, den Bräuchen und der Kunst verbunden. Wer andere Völker verstehen will, muss in erster Linie seine eigenen Wurzeln kennen und das geht nur über Sprache. Um die eigene Muttersprache nicht zu vergessen, gibt es in Deutschland, auch in Füssen, einen Herkunftssprachlichen Unterricht. Der Herkunftssprachliche Unterricht (HSU) für Schülerinnen und Schüler mit internationaler Familiengeschichte ist fester Bestandteil der Integrationspolitik.

Gesammelte Sprachen

Die Sammlungen zur Sprachenvielfalt im Sprachenarchiv „The Language Archive“ (TLA) des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik in den Niederlanden umfasst 64 digitale Kollektionen. Die audiovisuellen und textlichen Quellen zu 102 Sprachen und Kulturen aus der ganzen Welt stellen einen Meilenstein der internationalen Sprachdokumentation und Sprachwissenschaft dar.

Die Sammlungen enthalten Dokumentationen von als besonders gefährdet eingestuften Sprachen, beispielsweise in Form von Darstellungen von Mythen und Geschichten, mündlich überliefertem Wissen oder persönlichen Geschichten. Diese sind ein Wissensfundus von unschätzbarem Wert für die Erforschung von bedrohten Sprachen und Kulturen. Gleichzeitig sind sie Gedächtnis des kulturellen Erbes früherer Gesellschaften. Anhand der Zusammenstellung wird die große Vielfalt an Sprachen auf der Welt sicht- und vermittelbar, zum Beispiel in Schulen.

Das Dossier wurde vom Forschungsarchiv „Gefährdete Sprachen“ des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik in den Niederlanden, der Königlichen Akademie der Wissenschaften der Niederlande, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Volkswagen Stiftung auf Basis der Ergebnisse von zehn Jahren weltweiter Forschung erarbeitet. Dabei wurde besonders Wert darauf gelegt, dass die Sammlungen online zur Verfügung stehen. Infolgedessen wurden Technologien entwickelt, um die Dokumente internationalen Standards entsprechend auch digital zu archivieren.

Text: rie, pm, ale

Verwandte Artikel

Das könnte Dich auch interessieren
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"