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Einweihung der Frühförderstelle Füssen

„Wir sind da, wo die Menschen sind. Nicht andersherum.“

Nach über acht Jahren Suche endlich angekommen: Die Interdisziplinäre Frühförderstelle der Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren ist nun zentral im Bahnhofsgebäude in Füssen zu finden. Die Räumlichkeiten wurden vor kurzem offiziell in Betrieb genommen. Mit dabei waren viele Netzwerk- und Kooperationspartner aus der Region, die gemeinsam die Entwicklung der Frühförderstelle für Kinder von Geburt an bis zur Einschulung Revue passieren ließen.

Interdisziplinäre Frühförderstellen sind offene Anlaufstellen für Familien, die sich Sorgen um die Entwicklung ihrer Kinder machen, die während der ersten Lebensjahre bei ihrer körperlichen, sprachlichen, kognitiven, emotionalen oder sozialen Entwicklung Unterstützung benötigen.

Bei der Eröffnungsfeier in Füssen wurde deutlich, dass die Nachfrage nach Förderungen in den Bereichen Heilpädagogik, Logopädie, Physio- und Ergotherapie bei den Jüngsten hoch ist. Aktuell werden durch das zehnköpfige Füssener Team 73 Kinder in 15 Kitas sowie zuhause oder in den neuen Therapieräumlichkeiten am Bahnhof gefördert.

„Um so schöner, dass wir nun mit geeigneten Räumlichkeiten eine bestmögliche Therapie umsetzen können,“ freut sich Sigrun Bögle, Leiterin der Frühförderstelle Marktoberdorf und deren Außenstelle in Füssen. Ralf Grath, Geschäftsführer der Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren, betonte die Relevanz von sozialraumorientierten Angeboten. „Wichtig ist, dass wir da sind, wo die Menschen sind. Und nicht andersherum.“ Deswegen sei eine Außenstelle in Füssen, die den südlichen Landkreis versorge, nicht wegzudenken.

Seit der Gründung der Frühförderstellen in Bayern in den 1970er Jahren habe sich deren Arbeitsfeld massiv verändert, beschreibt Wolfgang Neumayer, Vorsitzender der Lebenshilfe und früherer Geschäftsführer u.a. im Bereich der Frühförderung, im Dialog mit Elisabeth Zeller und Sandra Linder. Wurden früher vor allem Kinder mit deutlichen Beeinträchtigungen gefördert, kamen in den letzten Jahrzehnten verstärkt sozial-emotionale Schwerpunkte und Verhaltensauffälligkeiten hinzu.

Heute sind rund 60 Mitarbeiter interdisziplinär in den vier Frühförderstellen der Lebenshilfe-Ostallgäu für rund 350 Kinder zuständig. Dass sich die Arbeit als Logopädin in einer Frühförderstelle deutlich von der in einer Praxis unterscheidet, beschreibt Sandra Linder. „Es ist ein anderes arbeiten, denn häufig müssen erst einmal sozial-emotionale Aufgabenbereiche bearbeitet werden, bis wir zum eigentlichen Therapieinhalt vordringen. Da können gelernte Muster und Förderpläne nicht stringent umgesetzt werden.“ Doch gleichzeitig mache dies die wertvolle Arbeit in der Frühförderstelle so reizvoll und motivierend.

Elisabeth Zeller, stellvertretende Leiterin, skizziert die heutigen Rahmenbedingungen von Familien im Gespräch. So haben diese oftmals weniger familiäre Unterstützung, weniger Kontakte und dadurch Kinder weniger Vorbilder in ihrem Umfeld als früher. Unterschiedlichste Erziehungskonzepte werden gelebt, die natürliche Intuition von Eltern gehe im Vergleich zu früher leichter verloren. Der Umgang damit zeigt sich auch deutlich im Arbeiten des Frühförderstellen-Teams: Erfolgten früher Therapien ausschließlich zuhause, sind die Pädagoginnen und Pädagogen heute vorwiegend mobil in Kitas unterwegs.

„Komplexere Rahmenbedingungen bedeuten gleichzeitig auch anspruchsvollere Ausbildungen und Zusatzqualifikationen.“ Daher arbeiten neben den Therapeut*innen vorwiegend Heilpädagog*innen, Kindheits- und Sozialpädag*innen im Team der Frühförderstellen. „Kinder brauchen Zeit und Mut, den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen,“ resümiert Wolfgang Neumayer abschließend. Und genau dies unterstütze das Team der Frühförderstelle in Füssen. „Die Frühförderstellen sind im Prinzip Präventionseinrichtungen per excellense für Kinder.“

Text: FA/pm

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