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Königlicher Badespaß

In den warmen Sommermonaten packen die Berliner bekanntlich „die Badehose ein“ und während sich „Die Ärzte“ nach Westerland sehnen, schicken in Bayern die „Zwoa Bier“ Jens Krumpholz „Mädchen vom Ammersee“ „Mim Radl an d’Isar“. Wannsee, Westerland, Ammersee und Isar haben eines gemein; sie sind nicht nur vielfach besungen, sondern galten wohl eher nicht als Badeorte für die bayerische Königsfamilie. Der Starnberger See, damals noch Würmsee genannt, hingegen war nicht nur für die königlich bayerische Familie, sondern auch für ihre weitläufige Verwandtschaft nachweisliches Badeparadies in den Sommermonaten.

Vielfach wird berichtet, dass auch König Ludwig II., der in seinen Kindertagen mit seinem jüngeren Bruder Otto oft an dessen Ufern plantschte und dieses Vergnügen mit der späteren Kaiserin von Österreich, seiner Tante zweiten Grades, Sisi, teilte. Diese liebte das berühmte „Possi“, wie sie und ihre Geschwister die Sommerresidenz ihrer Kindertage, Schloss Possenhofen, liebevoll nannten, nicht nur wegen der Natur, sondern auch der Freiheiten, die sie hier genossen, wegen.

Reiten, Baden, Planschen, Segeln und Ruderboot fahren waren die liebsten Aktivitäten der Kinder aus hohem Hause. Wie schön muss es für die Possenhofener Kinderschar gewesen sein, wenn dann aus dem benachbarten Schloss Berg auch noch Kronprinz Ludwig und sein Bruder Otto als Spielkameraden zu ihnen hinüberruderten.

Nicht nur die Kinder genossen dieses Vergnügen, auch König Maximilian II., Ludwigs Vater, war im Sommer 1852 mit dem Ruderboot auf dem Starnbergersee unterwegs, wobei er sich von seinem Gast, dem dänischen Märchenbuchautoren Hans Christian Andersen, durch den Vortrag des „Hässlichen Entleins“ unterhalten ließ. War es zu kalt zum Baden, ließ es sich immer noch wunderbar am Seeufer spazieren, Enten oder Schwäne füttern und natürlich Angeln gehen.

Die Kinder des späteren Prinzregenten Luitpold, die Prinzen Ludwig, Leopold und Arnulf sowie ihre Schwester Prinzessin Therese in ihrer Villa Amsee, am Bodensee, angelten anfangs vor allem noch mit einer „Stopselangel“, also mehr zum Fische schauen und füttern, als der Beute wegen. Kronprinz Ludwig und sein Bruder Otto hingegen zogen schon in jungen Jahren recht kapitale Hechte aus dem Alpsee in Hohenschwangau, wie Ludwig seiner ehemaligen Kinderfrau, Sibylla Meilhaus, am 23. Juli 1854 in einem Brief berichtet. Auch hier gingen die beiden Prinzen, oft in Begleitung ihrer Mutter Königin Marie, zum Baden und Bootfahren.

Vergnügliche Sommertage verbrachte die bayerische Königsfamilie schon immer gern an und im Wasser. Bereits im 17. Jh. wurde die Brunnenanlage im Schlosspark Nymphenburg aufwändig geplant und umgesetzt. Ein Netzwerk von Kanälen zwischen Isar, Würm und Amper versorgte die Schlossanlagen Schleißheim, Lustheim, Dachau und Nymphenburg mit Wasser. Schleusenanlagen machten das Erreichen von weiter entfernten und höher gelegenen Kanälen mit Gondeln möglich.

Der erste bayerische König, Max I. Joseph, ließ den Schlosspark mit weiteren Brunnenanlagen aus- und umbauen und die alten Pumpen restaurieren. 220 Jahre ist diese Anlage, die der Ingenieur Joseph von Baader 1803 entwickelte, heute alt und gilt damit als älteste noch arbeitende Maschine Europas.Damals waren die Becken und Kanäle im Schlosspark noch so tief, dass die königliche Familie noch in den Genuss einer weiteren Erfindung Joseph von Baaders kam. Er entwickelte die sogenannte „Baadersche Draisine“ beziehungsweise einen „Wasserschlitten“. Was hinter diesem Namen steckt, verrät sein heutiger Name; hier entstand das vermutlich erste Tretboot.

Tretboot fahren können Sie heute leider nicht mehr in Schloss Nymphenburg, dafür aber am Fuße der Königschlösser, am Alpsee in Hohenschwangau. Wer nicht mehr strampeln oder rudern mag, der legt sich, mit Schlösserblick, auf die Wiese im Alpseebad und lässt sich eine Erfrischung schmecken. Alpseebad und Bootsverleih sind täglich, bei gutem Wetter, von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Text: Kulturvermittlerin WAF Louise – H. Meinicke

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