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Veränderungen und Erkrankungen sichtbar machen, täglich befunden, herausfinden und Detektivarbeit im Körperinneren leisten, oder wie es Wilhelm Conrad Röntgen einst sagte: „Ach, dass der Mensch doch durchsichtig wäre, wie eine Qualle und dass man den Sitz seiner Leiden schauen könnte.“ Dr. Mario Herkommer ist Radiologe aus Leidenschaft und Leiter des Standorts Füssen der radiologisch- nuklearmedizinischen Praxis. Er ist Vater zweier Kinder, Ehemann und wie er mit einem Lächeln sagt „als gebürtiger Schwabe natürlich auch treuer VfB Stuttgart Anhänger“. Ein Interview über das Schwimmen im Alpsee, bis hin zu hochkomplexen Untersuchungsmethoden des Herzens und der Prostata.

Herr Dr. Herkommer, Sie leiten den Standort Füssen der radiologisch- nuklearmedizinische Praxis. Seit wann gibt es den Standort inzwischen?
Unseren Praxisstandort in Füssen gibt es seit viereinhalb Jahren. Insgesamt aber haben wir drei Niederlassungsstandorte, neben Füssen sind wir auch in Kaufbeuren und Landsberg am Lech mit Praxen vertreten.

Das klingt nach einer breiten Aufstellung. Ergeben sich aus drei Standorten Vorteile?
Auf jeden Fall, wir Fachärzte sind zwischen den Standorten untereinander vernetzt, dadurch stellen wir ein breites Kompetenznetz und können gleichzeitig ein komplett diagnostisches Spektrum anbieten. Durch die gute Vernetzung nicht zuletzt zu Kolleg*innen der Klinik Füssen als auch dem MVZ Füssen bieten sich so kurze, unkomplizierte Wege. Auch unsere Wartezeiten sind vergleichsweise kurz. Und trotz oder gerade wegen der High-Tech-Medizin legen wir großen Wert auf Freundlichkeit und eine menschliche, entspannte Atmosphäre. Ein anderer, nicht zu vergessender Vorteil ist die Abdeckung der interventionellen Radiologie am Standort Landsberg.

Was bedeutet interventionelle Radiologie?
Sie ist ein Teilgebiet der Radiologie, bei der neben der Bildgebung durch Ultraschall, CT, MRT oder der Angiographie auch minimalinvasive diagnostische oder therapeutische Eingriffe vorgenommen werden. Dort bieten wir zum Beispiel die minimalinvasive Erweiterung von Blutgefäßen (PTA) an.

Ihre Praxis bietet Nuklearmedizin und Radiologie an. Können Sie deren Unterschiede kurz erklären?
Gerne! In der Nuklearmedizin wird ein schwach radioaktives Präparat (Nuklid) eingebracht, das je nach zu untersuchender Körperregion an eine bestimmte Trägersubstanz gekoppelt ist. Dadurch können beim Patienten bestimmte Organe und Funktionen beurteilt werden. In der Radiologie hingegen werden Kontrastmittel verabreicht. Zum Beispiel bei Kopfuntersuchungen oder auch bei Untersuchungen im Bauchraum.

MRT oder CT? Wann wird welche Untersuchung gemacht?
Die Computertomographie, kurz CT, arbeitet mit Röntgenstrahlen, wohingegen der Magnetresonanztomograph, abgekürzt MRT, durch das Magnetfeld und der Magnetfeldstrahlung Schichtaufnahmen des Körperinneren aufnimmt. Dadurch ist das MRT vor allem für die Darstellung von Weichteilen sehr gut geeignet. Das CT kommt zur Untersuchung von Knochen aber auch bei Organen und als Notfalldiagnostik zum Einsatz.

Für einige ist vor allem eine MRT-Untersuchung mit viel Angst verbunden. Gibt es Möglichkeiten, um Angstpatienten zu entlasten?
Patienten mit Platzangst kann in der Regel mit einer Beruhigungstablette schon gut geholfen werden. Alternativ bieten wir an den Standorten Kaufbeuren und Landsberg am Lech aber auch ein sogenanntes 3 T-MRT-Gerät an, das über eine größere Öffnung verfügt.

Wie wichtig ist es, Voraufnahmen zu einer Untersuchung mitzubringen?
Sehr wichtig! Vorbefunde sollten immer mitgebracht werden. So lassen sich mögliche Veränderungen besser beurteilen. Sprich: hat sich etwas geändert? Und wie? Kurz gesagt beeinflussen und erleichtern Vorbefunde die Befundqualität.

Welche Untersuchungen bieten Sie am Standort Füssen an?
Mit unserem MRT führen wir unter anderem Muskuloskelettale Untersuchungen- also bildgebende Untersuchungen der Muskeln, der Gelenke und der Wirbelsäule durch. Aber auch die Bildgebung innerer Organe sowie die onkologische Bildgebung gehören zu unserem Leistungsspektrum hier in Füssen. Aber vor allem zeichnen wir uns durch die Spezialisierung auf bestimmte Untersuchungen aus.

Auf welche Untersuchungen genau?
Auf die Herzdiagnostik und bildgebende Verfahren wie das Prostata-MRT. Beides sind spezielle Untersuchungsmethoden, die hohe Ansprüche erfordern. Zum einen an die Geräte, aber auch an die fachliche Kompetenz der Befundung.

Wie sieht eine solche Herzdiagnostik aus?
Mit dem Kardio-MRT, einer sehr empfindlichen, nicht-invasiven und gleichzeitig sehr schonenden Untersuchungsmethode können Entzündungen und Erkrankungen des Herzmuskels oder eine funktionelle Verengung der Herzkranzgefäße ausgeschlossen werden. Aber auch abgelaufene Herzinfarkte können damit nachgewiesen werden. Selbst die Herzfunktion lässt sich im Kardio-MRT untersuchen und beurteilen. Das Kardio-CT ist ebenfalls eine sehr empfindliche Methode mit geringer Strahlenbelastung zum Ausschluss einer Verengung der Herzkranzgefäße, das vor allem für Patienten mit einem geringen oder mittleren Risikoprofil als Alternative zur Herzkatheteruntersuchung geeignet ist.

Was ist mit Patienten, die ein höheres Risikoprofil aufweisen?
Obwohl die beiden Untersuchungsmethoden bereits in den offiziellen Leitlinien berücksichtigt werden, sollten Patienten mit hohem Risikoprofil, typischen Beschwerden und zusätzlich pathologischem Belastungs-EKG jedoch weiterhin zuerst eine Herzkatheteruntersuchung bekommen.

Gerade denke ich an Patienten mit Herzschrittmachern. Patienten mit einem Schrittmacher können prinzipiell kein MRT bekommen, oder?
Unsere Radiologie hier in Füssen ist die einzige Praxis der Region, die eine MRT-Untersuchung für Träger eines Herzschrittmachers oder ICD (Defibrillator-Implantat) anbietet. Zudem haben wir gleichzeitig eine sehr erfolgreiche Kooperation mit dem Herzzentrum Füssen/Außerfern unter der Leitung von Dr. Hinterseer. Wichtig zu sagen ist jedoch, dass die Untersuchung nicht für alle Systeme geeignet ist. Deswegen bedarf es vorab unbedingt einer Prüfung durch die Radiologie und Kardiologie. Dafür benötigen wir den Herzschrittmacher-Ausweis des Patienten und den Brief der letzten Herzschrittmacher-Kontrolle.

Sie sprachen vorhin auch von der bildgebenden Untersuchung der Prostata, auf die Sie sich spezialisiert haben. Wann kommt diese Untersuchungsmethode zum Einsatz?
Das Prostata-MRT kommt bei Männern mit erhöhten PSA-Werten zum Einsatz. Im Prostata-MRT können schon sehr kleine Tumoren frühzeitig erkannt werden, die der Tastuntersuchung oder dem Ultraschall möglicherweise entgehen würden.
Übrigens haben wir hier in den vergangenen Jahren dafür auch ein Prostata-Zentrum aufgebaut…

Ein Prostata-Zentrum? Damit werden Sie sicher vielen Patienten helfen können?
Allein im letzten Jahr haben wir über 400 Untersuchungen als einzige Praxis im Allgäu mit zertifizierter Zusatzqualifikation der Deutschen-Röntgen-Gesellschaft durchführen können. Glücklicherweise, denn diese spezielle Untersuchung ist derzeit das beste bildgebende Verfahren zur Beurteilung der Prostata. Unerlässlich für die Befundungsqualität ist dabei auch ein magnetfeldstarkes MRT für die höchstmögliche Auflösung der Bilder.

Gelten das Prostata-MRT wie auch die Herzbildgebung als Kassenleistungen für gesetzlich Versicherte?
Bisher sind die Herzbildgebung als auch das Prostata-MRT noch keine Regelleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Jedoch finden sie zunehmend Berücksichtigung in den offiziellen Leitlinien. So übernehmen vereinzelte Krankenkassen bereits die Kosten dafür. In jedem Fall aber lohnt sich die Vorabprüfung bei der gesetzlichen Krankenkasse. Für unsere Patienten erstellen wir gerne einen Kostenvoranschlag, der dann bei der Krankenkasse eingereicht werden kann. Selbstverständlich auch für unsere österreichischen Patienten.

Jetzt reden wir so viel über Ihre Praxis und Ihre Arbeit als Radiologe. Aber wie kamen Sie eigentlich zur Radiologie?
Es gibt sogenannte Röntgen-Demos, das sind Konferenzen, in denen Patientenfälle besprochen werden. Radiologen zeigen dann Untersuchungsaufnahmen der Patienten, die unter den Fachärzten diskutiert werden. Und genau diese Röntgen-Demos waren es, die mich damals letztlich sehr fasziniert haben. So sehr, dass ich dann aus der Kardiologie und Inneren Medizin in die Radiologie gewechselt bin.

Als Radiologe tragen Sie viel Verantwortung…
Ja, die Radiologie geht mit viel Verantwortung einher. Aber an erster Stelle steht immer die bestmögliche Befundung. Für die Befundungsqualität ist aber auch die Fragestellung der Zuweiser von großer Bedeutung. Je detaillierter die Fragestellung, umso besser kann der Fokus in der Befundung gesetzt werden. Das wiederum kommt den Patienten zugute.

Es ist sicher wichtig, nach einem anspruchsvollen Tag in der Praxis abzuschalten. Wie gelingt Ihnen das?
Mit dem Schwimmen im Alpsee. Aber ich liebe auch die Berge.

Jetzt liegt Ihnen der Alpsee fast schon zu Füßen, weil Sie hier in Füssen Ihr neues Zuhause gefunden haben. Wie sind Sie eigentlich hier gelandet?
Wie gerade schon gesagt, mochte ich die Berge schon immer sehr gerne, und weil ich damals meine Facharztausbildung in Kempten gemacht habe, lag Füssen dann nicht mehr fern. Nach der Facharztausbildung bin ich dann aber nochmal als Oberarzt an der Uni in Ulm tätig gewesen. Letztlich hat es mich dann aber doch wieder dahin gezogen, wo ich es am schönsten fand- nach Füssen.

Zu guter Letzt: Wo können Patienten einen Termin vereinbaren?
Termine können über unser Callcenter oder auch online über unsere Website vereinbart werden. Auch alles weitere rund um die Angebote und Organisatorisches vor den Untersuchungen erfahren unsere Patienten über unsere Website.

Das Interview führte Vivien Ademi
Foto: Sabina Riegger

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