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Ayurveda: Die indische Heilkunde – Teil 2

Im letzten Artikel habe ich Ihnen ja die Grundlagen von Ayurveda vorgestellt, unter anderem, welcher Körpertyp Sie sind, welches Essen Ihnen besonders gut bekommt und was Sie tun können, um lange gesund und fit zu bleiben, z.B. das Trinken von abgekochtem, warmem Wasser.

Nun, dann werden wir von der Theorie einfach mal in die Praxis übergehen, selbst hier wird Ihnen so manches “indisch“ vorkommen, aber von dieser Gesundheitslehre, die sich schon seit Jahrtausenden bewährt hat, kann man doch bei uns in Europa ebenfalls einiges mitnehmen, auch, wenn es momentan vielleicht etwas fremd erscheint. Ich bin allerdings immer der Meinung, Offenheit, anderen Kulturen gegenüber, erweitert den Horizont und kann in vielen Fällen sogar helfen, Beschwerden oder Krankheiten zu lindern oder diesen vorzubeugen!

Als erstes möchte ich Ihnen etwas vorstellen, das, wenn man so sagen will, im Grenzbereich zwischen Nahrungs- und Heilmittel steht: es nennt sich Ghee und ist die geklärte Butter des Ayurveda, in europäischen Regionen auch oft als Butterschmalz bezeichnet. Ghee ist tatsächlich Lebensmittel und Medizin in einem. Im Vergleich zu Butter hat Ghee viele interessante Vorteile, es kann sowohl innerlich als auch äußerlich eingesetzt werden und stellt in beiden Formen einen unverzichtbaren Bestandteil der ayurvedischen Heilkunst dar. Hier wird es gerne das „Goldene Elixier“ genannt und insbesondere zur Entgiftung eingesetzt, kann aber auch mit speziellen Kräutern zubereitet gegen Schuppenflechte, erhöhte Cholesterinwerte, Arteriosklerose und etliches mehr helfen.

Warum wird Ghee als Butterreinfett bezeichnet? Ganz einfach deshalb, weil es im Gegensatz zur normalen Butter weder Eiweiß noch Milchzucker und auch kaum Wasser enthält. Es besteht also zu fast 100% aus reinem Fett, Butter hingegen zur zu 80%. Die übrigen Butterbestandteile werden bei der Herstellung des Ghees entfernt. Dadurch entstehen ganz neue Eigenschaften, nämlich jene, die sie von denen der Butter unterscheiden:

Ghee ist hoch erhitzbar, daher kann es problemlos zum scharf Anbraten oder beim Frittieren verwendet werden, sogar bis 190 Grad Celsius! So lange bleiben die Fettsäuren stabil, es entstehen keine freien Radikale und daher können im Körper auch keine oxidativen Prozesse stattfinden. Ghee ist lange haltbar, gut zu lagern und das sogar bei Raumtemperatur! Butter kann im Vergleich dazu gerne mal ranzig werden, ohne Kühlschrank geht da nichts.

Warum ist das so? Der Wassergehalt liegt ja fast bei null, daher kann so gut wie keine mikrobielle Belastung entstehen. Ghee kann von Menschen mit Lactose-Intoleranz problemlos verzehrt werden, selbst wenn man sehr empfindlich ist und sogar Butter nicht verträgt.

Für welche Zwecke kann man Ghee noch verwenden? Es ist leicht verdaulich im Vergleich zu Butter oder anderen Fetten oder Ölen. Ghee zählt zu den besten antientzündlich wirkenden Lebensmitteln, wie eine Schrift aus dem alten Ayurveda berichtet. Sehr gut kann es ebenfalls für äußerliche medizinische und kosmetische Zwecke verwendet werden, z.B. bei der Behandlung von Narben im Bereich der Wundheilung. In der Gesichtspflege ist es zum Abschminken ebenso ideal anzuwenden wie zur Pflege gereizter und geröteter Haut.

Ghee gilt fast als „Allheilmittel“, das für nahezu jede Problematik eingesetzt werden kann: zur Verjüngung der Haut, zur Regeneration der Verdauungsfunktionen – das Verdauungsfeuer wird angeheizt und der Stoffwechsel beschleunigt, die Abwehrkräfte werden gestärkt, das Blut gereinigt, der Schlaf verbessert (abends auf die Fußsohlen auftragen), der Hormonhaushalt harmonisiert, das Erinnerungsvermögen aktiviert, der Zustand von Magen und Darm verbessert z.B bei Geschwüren und Entzündungen. Also sprich nach der indischen Heilmittellehre: die gesunde Lebenszeit wird verlängert!

Ganz bekannt ist Ghee auch als Herzstück der sog. „Panchakarma-Kur“, die im Ayurveda zur ganzheitlichen Reinigung durchgeführt wird. Diese ist allerdings schlecht selbst durchführbar, da sie sehr aufwendig und anspruchsvoll ist. Wenn man seinen Körper zu Hause auch gerne mal entschlacken will, gibt es natürlich eine einfachere Variante, den ayurvedischen Fastentag, einmal pro Woche. Das bedeutet, 24 Stunden nichts essen, also z.B. von Donnerstag Abend (letzte Mahlzeit) bis Freitag Abend (erste Mahlzeit).

Zu Beginn ihres Fastentages 1-2 EL Ghee (erst warm und flüssig machen, ich habe es einfach kurz mal auf die Heizung gestellt) anstelle des Frühstücks einnehmen, danach tritt ein Sättigungsgefühl ein, welches den ganzen Tag anhält. Kaum zu glauben, aber wahr, habe es schon probiert, schmeckt gar nicht so schlecht, kostet am Anfang schon eine gewisse Überwindung, wird jedoch von Woche zu Woche besser!

Natürlich darf man im Laufe des Tages Flüssigkeit zu sich nehmen, wie Vata- oder Ingwertee, Reiswasser (1 EL Basmati-Reis in 1 L Wasser geben und 1 Stunde kochen) oder auch abgekochtes warmes Wasser aus einer Thermoskanne. Bei regelmäßiger Praxis wird der Körper immer mehr von Schlacken befreit und dieser Fastentag bringt Ihnen viel Beschwingtheit, Leichtigkeit und, wie soll man sagen, „innere Glückseligkeit“ – er tut einfach nur gut! Nochmal zu den Hungergefühlen: sie verschwinden in der Regel nach 30-40 Minuten, also unbedingt durchhalten, keine Panik!

Ghee gibt es fertig zu kaufen, man kann es aber auch leicht selber herstellen: 500 g ungesalzene, organische Butter vorsichtig etwa 15 min. lang bei mäßiger Hitze kochen. Der Schaum, der sich während es Erhitzungsprozesses an der Oberfläche bildet, wird sich als Sediment am Topfboden absetzen. Beobachten Sie den Kochvorgang, damit nichts anbrennt und rühren Sie gelegentlich um. Wenn das Ghee anfängt, leicht zu köcheln und sich die ersten Luftblasen an der Oberfläche bilden, ist es fertig. Lassen Sie es abkühlen und gießen es dann in ein sauberes, sterilisiertes Gefäß – ohne das Sediment.

So, jetzt kommen wir zu der bekanntesten Heilmischung des Ayurveda: Triphala. Eine indische Volksweisheit besagt: „Es ist nicht so schlimm, wenn Du keine Mutter hast – solange Du Triphala hast.“ Klingt in meinen Ohren zwar etwas makaber, soll aber wohl zeigen, welchen hohen Stellenwert dieses Mittel in der indischen Naturmedizin hat.

Der Name kommt aus dem Sanskrit und setzt sich aus tri für „drei“ und phala für „Früchte“ zusammen. Daher wird die berühmte Mischung auch als Dreifrucht bezeichnet. Sie wird zu gleichen Teilen hergestellt aus Amalaki, der Frucht des Amla-Baumes, Haritaki und Bibhitaki, den Früchten zweier Myrobalane-Baumarten, dazu gleich noch mehr. Triphala zählt zu den sog. „Rasayanas“. Darunter versteht man ayurvedische Mittel, die die Lebenssäfte (Rasa) in Bewegung halten und „Ojas“ erhöhen sollen. Ojas bedeutet soviel wie Kraft, Stärke und Energie. Demnach werden sie verwendet zur Gesunderhaltung, zur Stabilisierung des inneren Gleichgewichts, zur Stärkung des Immunsystems sowie zur Steigerung der Vitalität.

Die 3 Früchte, Amla, auch Indische Stachelbeere genannt, aber auch Haritaki und Bibhitaki enthalten unheimlich viel Vitamin C, besonders bei Amalaki liegt der Vitamin C-Gehalt etwa 20 Mal höher als bei einer Orange!!! Auch die anderen sog. Antioxidantien wie Flavonoide sind in extrem hohem Maße enthalten. Daher kommt Triphala in der indischen Volksmedizin bei sehr vielen Beschwerden oft erfolgreich zum Einsatz z.B. bei: Magen-Darm-Problemen wie Blähungen, Verstopfung oder Bauchschmerzen, Reizdarm (Aufbau einer gesunden Darmflora) oder chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Darmes.

Hier habe ich für Sie einmal wieder „todesmutig“ einen Selbstversuch gestartet, da meine Verdauung auch nicht unbedingt die beste ist. Nach der ersten Einnahme war ich schon etwas länger auf der Toilette, war aber eigentlich nicht unangenehm, habe es eher als Reinigungsprozess empfunden. Nehme seither immer abends eine Kapsel und fühle mich dabei sehr wohl, denn die Entgiftung des Körpers ist auch nicht zu vernachlässigen. Das ist ebenfalls ideal, wenn sie eine Fastenkur machen möchten. Der ganze Körper wird verjüngt und regeneriert – also ein natürliches Anti-Aging-Mittel!

Angeblich soll Triphala auch unterstützend bei Diabetes, Übergewicht, zu hohem Cholesterinspiegel, Bluthochdruck und Arthritis helfen, aber so weit möchte ich mich dann doch nicht aus dem Fenster lehnen… Unterstützend für das Immunsystem ist es in jedem Fall!

Hoffentlich habe ich Ihr Interesse an Ayurveda geweckt, würde mich freuen,

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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