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Museen und Schlösser sind ihre Welt

Louise-Henriette Meinicke ist die neue Kulturvermittlerin im Museum der bayerischen Könige

Seit rund neun Monaten bemüht sich im Museum der bayerischen Könige eine neue Kulturvermittlerin darum, den Besuchern die faszinierende Geschichte der königlichen Familie nahezubringen. Louise-Henriette Meinicke kam still und leise, sie hat aber vieles zu erzählen. Dabei geht es um nichts Geringeres, als um die Geschichte der Dynastie Wittelsbach von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. In ihrer Rolle als Repräsentantin der Wittelsbacher und als Kulturvermittlerin ist sie sich ihrer Verantwortung bewusst und hat einen hohen Anspruch an sich selbst. Damit Museumsbesuchern die Zeitreise zu den verschiedenen Stationen im Leben und Wirken der Wittelsbacher in positiver Erinnerung bleibt, arbeitete sich die gebürtige Berlinerin intensiv ein und lernt nie aus. In ihrer Position darf sie Sonderführungen vorbereiten, bemerkenswerte Themenbereiche vertiefend betrachten und allgemein nach neuen Erkenntnissen forschen. Vorträge, Lesungen und andere Veranstaltungen sollen ebenfalls wieder auf dem Programm des Museums stehen. Meinicke wird sie organisieren, planen und begleiten.

„Mein erster Aufenthalt in Hohenschwangau war glaube ich im Sommer 1992 oder 1993, also als Kind. Ich denke, ich bin eine der wenigen Berlinerinnen, die behaupten können, im Alpseebad schwimmen gelernt zu haben“, sagt Louise-H. Meinicke schmunzelnd. Zwar wusste sie nach dem Abitur nicht genau, wie ihr beruflicher Werdegang genau aussehen könnte, doch Museen und Schlösser haben sie schon immer fasziniert. – „Mein Vater war nicht nur Kunstmaler am Theater, sondern restaurierte historische Zinnfiguren. Er war auch im Verein für Schlösser und Gärten und bei der Deutschen Gesellschaft für Heereskunde aktiv. So spielte das in der Freizeitgestaltung der Familie schon immer eine recht große Rolle.“ Auch ihre Mutter arbeitete am Theater: Sie war Putzmacherin (heute als Modist bezeichnet) und ist gelernte Gewandmeisterin. So kommt Louise-H. Meinicke aus dem, was allgemein einen Künstlerhaushalt genannt werden kann. Mehr noch als für die Welt des Theaters konnte sie sich jedoch für Museen begeistern und begann nach dem Abitur ihr Studium der Museumskunde an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Während des Studiums verbrachte die Berlinerin immer wieder ihre Semesterferien in Hohenschwangau. Die erste Anstellung war 2009 im Rahmen der Studienvorbereitung. Danach kam die Studentin aus Berlin mehrmals, um eine Saison als Schlossführerin zu arbeiten. Im Juli 2018 verließ Meinicke die Großstadt und begann im Schloss Hohenschwangau mit einer Festanstellung. Zum einen, da ihr Partner in München lebt und arbeitet, zum anderen, da sie eine tiefe Verbundenheit zu diesem magischen Ort, zu den vielen Erzählungen, den Geschichten, Mythen und Legenden verspüre: „Von Anfang an habe ich mich hier irgendwie zu Hause gefühlt. Jeden Tag gibt es neue Geschichten und Neues zu entdecken.“

Als die Stelle der Kulturvermittlerin im Museum der bayerischen Könige frei wurde, entschied Louise-H. Meinicke, sich dieser neuen Herausforderung zu stellen. Kulturvermittler bringen einem breiten Publikum jeden Alters historische, kulturelle, wissenschaftliche und künstlerische Inhalte von Ausstellungen näher. Meinicke hat sich mittlerweile gut eingearbeitet und möchte nun verschiedene Ideen realisieren. Authentizität und Wissenschaftlichkeit sind ihr dabei sehr wichtig. „Es wird auf jeden Fall wieder Vorträge geben. Von einigen Vortragenden habe ich bereits Zusagen“, verrät sie auf Nachfrage von Füssen aktuell. Interesse habe zum Beispiel Marita A. Panzer bekundet, aus deren Feder das Buch „Wittelsbacherinnen – Fürstentöchter einer europäischen Dynastie“ stammt. Um eine gute Auswahl treffen zu können, recherchiert und forscht Meinicke, prüft Quellen und bildet sich weiter. Zwar hatte sie durch die Zeit als Schlossführerin bereits ein gewisses Grundwissen, im Museum jedoch wird ein größerer geschichtlicher Zeitraum beleuchtet. „König Ludwigs Bauwerke über Schloss Neuschwanstein hinaus, die Baupolitik Ludwig des I., oder wie Bayern Königreich wurde, das sind keine Themen, die einem in der Schlossführung begegnen.“ Meinicke möchte Sonder- und Themenführungen erarbeiten, neuen Quellen nachgehen, Geschichten hinterfragen und gegebenenfalls Fakten widerlegen. Langweilig wird das bestimmt nicht: Das Haus Wittelsbach kann auf eine 738 Jahre lange Geschichte zurückblicken. „Das Museum ist unglaublich vielfältig und vielschichtig. Es gibt ungezählte spannende, aber auch schwierige und so manches Mal heikle Themen.“ Als Kulturvermittlerin ist es ihr Wunsch, dass alle, ob jung oder alt, ihren Besuch im Museum genießen, aber auch etwas mitnehmen. „Ludwig ist nicht nur der Märchenkönig und Sissi ist nicht nur die Prinzessin mit den Diamanten-Sternchen in den Haaren. Sie waren Menschen wie du und ich, hatten ihren eigenen Charakter mit Schwächen und Stärken.“ Louise-H. Meinicke weiß, dass sie über das Leben einer Adelsfamilie berichtet. Jeder dieser Persönlichkeiten möchte sie gerecht werden und einen Besuch im Museum, die Führungen und Ausstellungen deshalb so lebendig, ehrlich und authentisch wie möglich gestalten.

Info
Die Einlasszeiten des Museums der bayerischen Könige sind täglich von 9 Uhr bis 16.30 Uhr. Ein Besuch ist möglich:

  • ohne Führung, selbstständig, mit oder ohne Audio-Guide,
  • im Rahmen einer öffentlichen Führung,
  • im Rahmen einer privaten Führung.

Öffentliche Führungen finden in den Monaten Juli, August und September montags um 11 Uhr statt. Treffpunkt ist der Kassenbereich des Museums. Eine Reservierung ist bei privaten Führungen erforderlich (mindestens vier Werktage im Voraus), bei öffentlichen Führungen möglich unter info@museum-hohenschwangau.de oder Telefon 08362/887 250.

Mehr Informationen unter www.hohenschwangau.de

Text: Selma Hegenbarth · Foto: Jan Wischnat

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