BrauchtumLeben

Schöner Brauch: Scheibenschlagen

„So genau weiß man nicht, wann das Scheibenschlagen und die Hexverbrennung ihren Ursprung hatten – aber eigentlich ist das auch egal. Wichtig ist es für die Pinswanger Buben, dass sie dabei sind, mit ihren Scheiben und den Haselnussstöcken.”

Hundertprozentig festlegen will sich Gebhard Haller nicht, aber ein „uralter Brauch“ ist das Scheibenschlagen, das andernorts Scheibenschießen genannt wird, nach Meinung des Dorfchronisten von Pinswang schon. Zusammen mit der dabei gleichfalls geübten Tradition der Hexverbrennung geht er jeweils am ersten Sonntag der Fastenzeit über die Bühne. Dieser ist heuer am 26. Februar und so dürfte vor allem bei den Pinswanger Buben an diesem Tag die Aufregung steigen, wenn es darum geht, die Holzscheiben mittels Haselnussstöcken nicht nur so weit wie möglich zu schleudern, sondern auch „in einer schönen Flugbahn“, wie Haller erklärt. Dazu sind außer den Pinswangern schließlich auch Zuschauer aus den benachbarten Ortschaften an den beiden Scheibenbichln oberhalb des ehemaligen Gasthofs „Schluxen“ in Unter- und am Rand eines Waldes in Oberpinswang willkommen, wo darüber hinaus die Hex verbrannt wird, weshalb der Tag in Pinswang Hexensonntag heißt.

Das soll natürlich alles gut organisiert und geordnet vonstatten gehen, wofür die sogenannten „Scheibenbuben“, Schüler der ersten bis zur achten Klasse der Volksschule, unter der Leitung des Hauptmanns, des ältesten Schulbuben im Dorf, zu sorgen haben. Die verantwortungsvolle Aufgabe eines Hauptmanns haben heuer in Unterpinswang Alexander Hosp und in Oberpinswang Rafael Schneider, die damit auch darauf achten, dass genug Holz für die Scheiterhaufen bereitliegt und die Hexe adäquat in Lumpen gekleidet ist. Die bestehen aus einem „G´wand um das ned schad is“, unterstreicht Haller und fügt hinzu, dass sich darum in Unterpinswang seit einigen Jahren Ulrike Rainer, Gertraud Hosp und Sabine Triendl kümmern, während die Hexe in Oberpinswang immer am „lumpigen Donnerstag“ von der Mutter des jeweils amtierenden Hauptmanns angefertigt wird. Ist alles gut vorbereitet, treffen sich am Hexensonntag, der im Allgäu Funkensonntag genannt wird, Jung und Alt gegen 18 Uhr am jeweiligen Aufstellungsplatz, wo sich, wenn die Glocke viermal geschlagen hat, ein fröhlicher und lautstarker Zug in Bewegung setzt mit dem Spruch: „Vivat hoch, d´Hex hat Durscht, will a lange, lange Wurscht.“ Wie der genaue Ursprungs des Scheibenschlagens ist auch dieser Spruch laut Haller „eine mündliche Überlieferung“, die nach den Wünschen des Dorfchronisten „hoffentlich noch lange so weitergegeben wird.“ Heuer ist es aber auf jeden Fall am 26. Februar wieder soweit, wenn sowohl in Unter- als auch Oberpinswang hauptsächlich Buben versuchen, ihre Holzscheiben so weit wie möglich zu schießen. Und wer dieses Jahr als Zuschauer bei dem Brauch dabei sein möchte , sollte sich kurz vor 18 Uhr an einem der beiden Scheibenbichl in Pinswang einfinden.

Text: rie · Fotos: Hubert Riegger

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