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Die Kapelle mit dem Klo

Günter Angerer war als Schlagzeuger jahrelang eines der Mitglieder der legendären Kempf-Combo

Die Kempf-Kombo war bekannt für ihre Shows und sehr gut intepretierten Songs und Musik. Egal wo sie auftrat, sorgte sie für ausgelassene Stimmung.

Das Markenzeichen des Schlagzeugers Günter Angerer war die Kloschüssel, die ihm als „Schlagzeugstuhl“ diente. Auf der Bühne war er ein Showman und privat eher zurückhaltend und alles andere als ein Draufgänger.

Klar, auch in der Musik hat jeder seinen eigenen Geschmack und findet manche Lieder nicht so prickelnd, andere wiederum fantastisch. Das mag vielleicht auch bei der Kempf-Combo manchmal nicht anders gewesen sein- Günter Angerer war jahrelang Mitglied dieser in Füssen legendären Band. „Es war eine verrückte Zeit, aber auch eine schöne“, erklärt Angerer. Viele Füssener können sich bestimmt noch daran erinnern, eine Band, die immer mit vollem Karacho und mit viel Leidenschaft für Musik auftrat.

Na gut, mit freiem Oberkörper ist die Kempf-Combo wahrscheinlich nie aufgetreten, wie die dänische Mädchenband „Sweethearts“, die Anfang der 70er-Jahre fast für einen Skandal im „Platzerl am Kamin“ in Schwangau sorgte, wo auch Angerer und seine Kollegen so eine Art musikalisches Zuhause hatten. Immer vorne mit dabei und auf einer Kloschüssel sitzend, vor sich sein Schlagzeug, war der heute 73-Jährige sicherlich auch nicht nur wegen seiner Musik eine ganz schöne Attraktion.

Für das Publikum war es immer eine Show, erst recht, wenn Angerer an der langen Leine der Spülung zog, deren Geräusch aus der Lautsprecherbox im Hintergrund zu hören war. Das waren noch Zeiten, an die sich der Füssener noch gerne zurückerinnert. Schon als Kind hat er seinem Vater, der Profimusiker war, beim Proben zugehört. „Wenn er Saxophon spielte, schlug er gleichzeitig auf einem einfachen Schlagzeug mit den Füßen den Takt“, erzählt er. Das hat Günter Angerer imponiert und so dachte er sich: Das würde ich auch gerne mal können. „So bin ich dann dazu gekommen, selbst mit dem Schlagzeug spielen anzufangen“, erzählt der rüstige, schlanke Rentner, der rund 30 Jahre lang mit der Kempf-Combo regelmäßig samstags im „Platzerl am Kamin“ in Schwangau die Zuhörer auf die Tanzfläche gelockt hat. Es waren damals andere Zeiten. Überall gab es in Füssen Lokalitäten mit Live-Musik, wo die Leute das Tanzbein schwingten oder lässig an der Bar standen. „Silvester und Fasching waren solche Tage, an dem jeder draußen war“, erzählt Angerer. Er war übrigens auch einer der Zeitzeugen, als der Film „gesprengte Ketten in Füssen gedreht wurde. „Ich habe das gar nicht so für wichtig oder besonders betrachtet. Mit 15 Jahren setzt man andere Prioritäten“, lacht er.

Musik ist auch heute noch seine „große Leidenschaft“, die er allerdings kaum noch auslebt. „Musik bedeutet mir viel. Es gibt mir das Gefühl von Frieden, Ruhe, aber auch des Jungseins. Musik sind Erinnerungen und Gefühle“, erklärt er. Obwohl ihn die Musik auch heute noch „unheimlich“ beflügelt, wie er erklärt, setzt er sich nicht stundenlang Kopfhörer auf und lauscht den Klängen anderer Bands. Es gibt aber Musik-Gruppen, von denen Angerer total fasziniert ist, wie etwa „Queen“ oder die „Rolling Stones“. Gleichzeitig denkt er sich manchmal: „Bei denen hätte ich gerne mal mitgemacht:“ Von den großen Stars der internationalen Musikwelt hat er immerhin Peter Maffay mal live gesehen und so „bizzelt“ es ihn heute nach wie vor immer mal wieder, wenn er großen Könnern lauscht, wie zum Beispiel dem Marktoberdorfer Schlagzeuger Max Kinker, der zu den besten Schlagzeugern Süddeutschlands zählt.

Obwohl er ein Schlagzeug zu Hause stehen hat, spielt er es aber nicht mehr. Angerer spielte immer ohne Noten. Sein feines Gehör reichte aus, um die Töne exakt nachzuspielen. Er war ein Autodidakt, wie er von sich selbst sagt. Hits wie „One way wind“, „Rivers of Babylon“ und „Mississippi“ immer noch im Kopf, spielte er im Laufe der Jahre teilweise mit wechselnden Band-Kollegen von der Kempf-Combo. Mittwochs ging´s dagegen musikalisch eher ein wenig rustikaler zu, wenn das Quartett mit Lederhosen auch bei Heimatabenden in Schwangau jede Menge Beifall und manchmal gehörig Trinkgeld eingeheimst beziehungsweise Getränke spendiert bekommen hat. So wie einst, als die vier Musiker mal „40 Asbach gehabt“ hatten. Das dürfte auch bei den zahllosen „Gunklhos“ im Schwangauer Fasching sowie am Füssener Bootshafen am Ufer des Forggensees kaum anders gewesen sein, den Günter Angerer als „unsere zweite Heimat“ nach dem „Platzerl“ bezeichnet.

Text: Alexander Berndt · Fotos: privat

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