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Kopfschmerzzentrum an der Fachklinik Enzensberg

Als ein ins interdisziplinäre Schmerzzentrum integrierter Teil besteht das stationäre Kopfschmerzzentrum mittlerweile seit zehn Jahren an der Fachklinik Enzensberg. Eine große Feier gibt es deswegen aber nicht.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren herrschten auch in der Fachklinik Enzensberg „besondere Umstände“, wie der Leitende Oberarzt Thomas Helmer erklärt und diesbezüglich auf die Corona-Pandemie hinweist. So sei sie in erster Linie dafür verantwortlich, dass dort „alles mehr oder minder vermischt“ worden sei. Im Gespräch mit Füssen aktuell erzählt Dr. Thomas Helmer, dass man für die Zukunft allerdings plant, die verschiedenen Behandlungsabteilungen innerhalb des Schmerzzentrums wieder klarer voneinander zu trennen und so auch das stationäre Kopfschmerzzentrum wieder fachspezifischer zu führen.

Dr. Thomas Helmer ist leitender Oberarzt im Kopfschmerzzentrum in der Fachklinik Enzensberg in Hopfen am See.

Wie viele Patienten haben Sie in den vergangenen zehn Jahren in etwa im stationären Kopfschmerzzentrum behandelt?
Da das Kopfschmerzzentrum im interdisziplinären Schmerzzentrum integriert ist, weisen wir die Behandlungszahlen im Kopfschmerzzentrum nicht gesondert aus. Die meisten Patienten in unserer stationären Behandlung leiden dabei nicht nur an einer bestimmten Schmerzart, sondern an vielen verschiedenen Schmerzen. So leiden rund 20 Prozent unserer knapp 1000 Patienten pro Jahr an behandlungsbedürftigen Kopfschmerzen.

Woran liegt die Zunahme von Kopfschmerzen Ihrer Erkenntnis nach?
Kopfschmerzen gelten als stress-assoziierte Erkrankungen. Die Stressbehandlung hat im Laufe der Jahre durch viele Faktoren zugenommen. Hinzu kommt ein, wie wir es nennen, dysfunktionaler Umgang mit Stressfaktoren. Hieraus kann sich aus gelegentlichen Kopfschmerzen ein häufiger Kopfschmerz entwickeln. Werden in diesem Zusammenhang noch häufig Kopfschmerzmedikamente eingenommen, kann dies zu einer weiteren Verschlimmerung führen.

Welche Kopfschmerzen treten dabei am häufigsten auf?
Am häufigsten treten Spannungskopfschmerzen und Migräne auf, diese sind für ungefähr 90 Prozent aller Kopfschmerzen verantwortlich. Wie erwähnt, liegt jedoch auch relativ oft ein sogenannter Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz vor.

Wie behandeln oder betreuen Sie in Ihrem Schmerzzentrum speziell Kopfschmerzen?
In Deutschland existiert ein gestuftes Versorgungskonzept. Stationär aufgenommen werden PatientInnen, die nicht ausreichend auf eine Therapie durch niedergelassene Fachärzte angesprochen haben. Im Rahmen der stationären Therapie führen wir ein multimodales Therapieprogramm durch. Hierbei werden PatientInnen psychologisch, bewegungstherapeutisch und ärztlich in Gruppen- und Einzeltherapien betreut.

Welche Vorteile ergeben sich für die PatientInnen durch dieses Zentrum?
Die Betroffenen erhalten sehr viele Informationen über ihre Erkrankung und lernen besser mit ihr umzugehen. Außerdem profitieren sie vom Austausch untereinander. Insbesondere das Erlernen von nichtmedikamentösen Strategien wie zum Beispiel Entspannungstraining stellt eine sehr effektive Methode dar. Ausdauersport und Methoden des Stressmanagements, aber auch der Umgang mit der Angst vor Kopfschmerzattacken stellen weitere Schwerpunkte der Behandlung dar. Von ärztlicher Seite besprechen wir den gezielten Einsatz von Medikamenten und überprüfen die bisherige Medikation. Falls zu viele Medikamente eingenommen werden, werden wir die PatientInnen ermutigen, einen Medikamentenentzug vorzunehmen und beraten, wie dies am besten erfolgen kann. Durch die Therapie wollen wir die Betroffenen in die Lage versetzen, die Aktivität ihrer Kopfschmerzen positiv selbst beeinflussen zu lernen.

Welche Kopfschmerzen lassen sich denn überhaupt „heilen“ und welche möglichweise „nur“ lindern beziehungsweise mit welcher Art von Kopfschmerzen müssen PatientInnen am Ende vielleicht zu leben lernen?
Heilung im herkömmlichen Sinn heißt die Ursache zu erforschen, um anschließend die Ursache therapieren zu können. Dies ist bei den genannten Kopfschmerzen nicht möglich. Es gibt jedoch gute Behandlungsmöglichkeiten und viele davon sind sogar nichtmedikamentöser Art.

Text: Alexander Berndt · Foto: FKE

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