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Eine Heimat im Allgäu

Das Siebenbürgerheim in Lechbruck feiert 50-jähriges Jubiläum

Als 1966 erstmals die Rede davon war, ein Heim für Senioren aus Siebenbürgen (Transsilvanien), einem Gebiet mitten im Zentrum von Rumänien, in Lechbruck zu bauen, war das für den gesamten Landkreis Ostallgäu von großer Bedeutung. Es sollte den Menschen eine Heimat bieten, eine Stätte, wo sie sich nicht fremd fühlen und ihre Kultur und Tradition nicht verloren geht. Ende 1971 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Die ersten Bewohner zogen bereits im Januar 1973 ein. 70 Personen hatten nun Platz in dem 3,5 Millionen Mark teuren Siebenbürger-Heim. Die Baukosten wurden finanziert durch die Siebenbürgervereinigung, die bisher fünf solcher Heime errichtete, Zuschüsse vom Staat, die Innere Mission und bundesweite Spendenaktionen. Lechbruck beteiligte sich an dem Vorhaben mit 100 000 Mark unter der Prämisse, sieben Heimplätze für Lechbrucker Senioren zu bekommen.

Am 17. September feiert das Siebenbürgerheim nun sein 50-jähriges Bestehen. Gretel Theil, die Qualitätsbeauftragte des Heimes, erinnert sich noch gut daran, wie rüstig die Senioren waren. Auf jeder Station gab es eine kleine Teeküche für die Bewohner und im dritten Stockwerk sogar einen Kiosk, wo sie alltägliche Dinge einkaufen konnten. „Einige Traditionen sind geblieben, wie zum Beispiel das Beten vor dem Essen oder das Angebot der Küche, einmal in der Woche ein typisches Siebenbürger-Essen den Bewohnern anzubieten“, erzählt Gretel Theil. Der Kiosk gehört nun längst vergangenen Tagen an, lediglich der Anbau erinnert noch daran.

Heute leben nur noch wenige Bewohner aus Siebenbürgen im Heim. „Die Zahlen haben sich relativiert“, so Einrichtungsleiter Alexander Hitzelberger. „Mittlerweile kommen die Bewohner aus Lechbruck und aus der näheren Umgebung“, fügt er hinzu. 68 Mitarbeiter kümmern sich um das Wohlergehen der 70 Senioren. Die familiäre Atmosphäre, die das Heim von Anfang an versprühte, ist im Laufe der 50 Jahre nicht verloren gegangen. „Ganz im Gegenteil, genau das macht dieses Haus auch aus“, bestätigt die Qualitätsbeauftragte. Davon zeugen die vielen Bilder und Gemälde auf den Stockwerken, das Porzellan in den Vitrinen, die noch aus Großmutters Zeiten stammen, oder das Mobiliar in der einen oder anderen Ecke. Die gehäkelte Tischdecke schön drapiert in der Mitte des Tisches und drumherum gepolsterte Stühle. Für die Bewohner reflektieren diese Stil-Leben-Oasen eine gewisse Ruhe und das Gefühl eines Zuhauses und, damit sie sich besser orientieren können, hat jedes Stockwerk eine andere Farbe. In dem halben Jahrhundert haben sich nicht nur die Bewohner verändert, sondern auch das Haus selbst. Viele Um- und Ausbauten kamen hinzu, nicht nur, weil es die Vorschriften so abverlangten, sondern, weil sich das Heim auch der Zeit anpassen wollte und musste. Aus dem Flachdach wurde ein Satteldach, ein großer heller Speisesaal wurde neu gebaut und andere Räume wiederum sind umfunktioniert worden, wie zum Beispiel die Teeküchen, aus denen Hygieneräume wurden.

Eine grüne Ruheoase

Wohin man auch blickt, den Bewohnern bietet sich nach draußen hin eine wunderbare Aussicht mit viel Grün. Ein kleiner Pool oberhalb des Heimes wurde noch vor ein paar Jahren von Mitarbeitern und einigen rüstigen Senioren im Garten genutzt. Jetzt liegt er brach, weil die veraltete Technik nicht mehr funktioniert. Eine teure Reparatur würde sich nicht lohnen. Beete mit Beerensträuchern, Gemüse und Kräutern sowie Blumen sind um das Haus gepflanzt. Im Innenhof prangt ein etwa drei Meter hoher Maibaum, der jedes Jahr aufs Neue mit Blasmusik aufgestellt wird. „Hier bauen wir in den Sommermonaten einmal im Monat unsere Eisdiele auf. Dann wird bestuhlt wie in einem Eiscafé, es läuft Musik und es gibt italienisches Eis“, schwärmt Gretel Theil. Bis September gibt es noch dieses italienische Flair mitten im Siebenbürgerheim. Auch sonst werden diverse Themenabende veranstaltet, die sich rund um Europa drehen mit dem passenden Essen dazu, und jahreszeitliche Feste.

Bald soll es das Siebenbürgerheim, so wie es jetzt ist, nicht mehr geben. „Im Frühjahr soll mit dem Neubau begonnen werden. Es wird in Richtung Straße ausgerichtet sein und Platz für 81 Bewohner bieten. Im zweiten Bauabschnitt entstehen auf dem jetzigen Platz des Heimes ein Seniorenkomplex mit Mitarbeiterwohnungen“, beschreibt Alexander Hitzelberger die weitere Zukunft des Hauses. Doch bevor es soweit ist, wird am 17. September mit geladenen Gästen und Besuchern das runde Jubiläum gefeiert.

INFO
Siebenbürgerheim Lechbruck
Schongauer Str. 85 · 86983 Lechbruck
Tel: 08862-911166-0 · Fax: 08862-911166-333

Text: Sabina Riegger · Fotos: rie (1), Hitzelberger (1), privat

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